Die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft Verdi Südbaden Schwarzwald beobachtet „mit Sorge die Öffnungsschritte in den Kindertageseinrichtungen in der Region“, heißt es jetzt in einer Pressemitteilung.

Nach Ansicht von Verdi „kommen dabei die Belange des Arbeits- und Gesundheitsschutzes für die Beschäftigten häufig zu kurz“. Weiter ein Sprecher der Dienstleistungsgewerkschaft: „Nur, wenn ausreichend pädagogisches Fachpersonal zur Verfügung steht und die Beschäftigten und Kinder wirksam geschützt werden, kann die Erweiterung des Kita-Angebots gelingen“, so Verdi-Geschäftsführer Reiner Geis.

Dringend angewiesen

Die Gewerkschaft fordert die Beendigung von Kurzarbeitsregelungen in den Kindertageseinrichtungen in der Region, da jetzt alle Fachkräfte für die erweiterten Öffnungen benötigt werden. Allen Beteiligten sei klar, dass die Mütter und Väter auf eine Ausweitung der Kindertagesbetreuung dringend angewiesen seien, um eine Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu gewährleisten. Dabei müsse jedoch der Arbeits- und Gesundheitsschutz der Beschäftigten, wie in jeder anderen Branche, sichergestellt sein.

Als Interessenvertretung der Beschäftigten in den Kitas habe Verdi bereits Mitte April Forderungen formuliert, die darauf hinzielten, die Öffnungsschritte an den realen Möglichkeiten der Einrichtungen zu orientieren. Bisher sei diese Stimme der Kita-Beschäftigten von vielen politisch Verantwortlichen und Trägern jedoch unbeachtet geblieben, kritisiert die Gewerkschafterin. Das müsse sich dringend ändern, da ansonsten beim generellen Öffnen der Kitas „große Risiken für die Kinder und die Beschäftigten entstehen“, heißt es weiter wörtlich.

Die Gewerkschaft blick auch auf weiterführende Risiken: „Momentan erleben wir Beispiele wie durch unverantwortliches Handeln Kinder, Eltern und die Beschäftigten gefährdet werden. So sollen Beschäftigte, die besonders gefährdeten Risikogruppen angehörten, zum Gruppendienst herangezogen werden.

Auch sei es vorgekommen, dass Trägern, die darauf Rücksicht nehmen wollen, mit anteiliger Kürzung der Zuwendungen, oder Freistellung ohne Bezüge gedroht werde. Ein solches Vorgehen sei unverantwortlich. Ebenso, dass auf die Sorgen und Ängste der Beschäftigten bezüglich der schwierigen engen räumlichen Verhältnisse nicht eingegangen werde, da die Bedeutung der Öffnung in den Vordergrund gestellt werde.

Die Beschäftigten in den Kitas seien die Experten für frühkindlichen Bildung, Erziehung und Betreuung. Es sei daher dringend geboten, auf sie zu hören. Die Gewerkschaft stehe mit den Personalräten in enger Abstimmung, um in den Einrichtungen eine geordnete Rückkehr zu organisieren. Das führe naturgemäß zu Konflikten mit den städtischen Kämmerern. Angesichts der gegenwärtigen Situation fordert Verdi regelmäßige Testmöglichkeiten für Beschäftigte und Kinder. Dabei sollen nicht nur Virentests, sondern besonders auch Antikörper-Tests durchgeführt werden. Nur so könne effektiv auf Corona-Ausbrüche in den Einrichtungen reagiert werden, so eine weitere Forderung.

Verdi fordert die Verantwortlichen nachdrücklich auf, die Einschränkungen, die sich aus den Erfordernissen des Infektionsschutzes ergeben, zu respektieren. „Eine Politik in der die gesetzlichen Regelungen des Arbeits- und Gesundheitsschutzes ignoriert würden, berge die Gefahr, dass die Erfolge bei der Eindämmung von Covid-19 leichtfertig verspielt würden“, heißt es abschließend.