Während der Corona-Pandemie konnten viele Industriebetriebe noch Wege finden, um irgendwie weiter zu produzieren. Doch inzwischen bilden sich mit der Energiekrise ganz neue und grundlegende Probleme heraus.

Sternplastic Hellstern VS-Schwenningen

„Bei uns spielt die Energiekrise richtig Musik, die Preisentwicklung in diesem Jahr ging von 27 Cent pro kWh im Frühjahr bis zu 87 Cent im August“, erklärt Peter Hellstern, Geschäftsführer der Firma Sternplastic Hellstern in Schwenningen.

Man habe glücklicherweise rechtzeitig akzeptable Verträge für momentan 28 Cent pro Kilowattstunde (kWh) abschließen können – um so den sonst durch die aktuelle Preisentwicklung zwangsläufig drohenden Konkurs abzuwehren. Zum Vergleich: 2021 sei der Preis noch bei fünf bis sechs Cent pro kWh gelegen, was die Preisexplosion im Jahr 2022 auf drastische Weise verdeutliche.

Peter Hellstern von Sternplastic Hellstern in VS-Schwenningen.
Peter Hellstern von Sternplastic Hellstern in VS-Schwenningen. | Bild: Dominik Zahorka

„Einer Spritzgießmaschine kann man nun mal nicht sagen, sie solle jetzt doch bitte mal Energie sparen“, erklärt Hellstern. Wer produzieren wolle, brauche eben zwangsweise ein gewisses Maß an Energie um überhaupt auf dem Markt bleiben zu können. Und dieses sei allein mit den Erneuerbaren momentan nicht zu erreichen. „Der Blick in die Zukunft ist deshalb auch für uns ungewiss“, gibt Peter Hellstern zu.

Helios Ventilatoren VS-Schwenningen

Etwas besser ist die Firma Helios Ventilatoren in Schwenningen aufgestellt: „Bei uns wurden auf den Dächern der Werke eins und zwei bereits vor längerer Zeit PV-Anlagen installiert, die Beleuchtungsanlagen in allen drei Werken auf sparsame LED-Retrofits umgerüstet und auch das Notstromaggregat als Blockheizkraftwerk ausgebaut“, erklärt Gunther Müller, Geschäftsführer der Firma Helios.

Gunther Müller, Geschäftsführer der Firma Helios Ventilatoren in VS-Schwenningen.
Gunther Müller, Geschäftsführer der Firma Helios Ventilatoren in VS-Schwenningen. | Bild: Dominik Zahorka

Zudem habe das Unternehmen bereits vor Monaten die rein dekorative Außenbeleuchtung des Gebäudes und des Firmenlogos in der Rottweiler Straße abgeschaltet, um hier Strom einzusparen.

Auch sei die Bereitschaft der Helios-Belegschaft sei groß, bei der Energieeinsparung mitzuwirken. Bei einer Initiative zur Energieeinsparung im Unternehmen seien schnell mehr als 40 Vorschläge eingegangen. Rund die Hälfte davon sei bereits umgesetzt worden.

„Wir wünschen uns, dass energieintensive Industrien noch stärker gefördert werden. Gleichzeitig müssen diese aber spätestens jetzt auch die notwendigen Maßnahmen ergreifen, um ihre Energieeffizienz zu steigern und unnötige Verbräuche einzusparen“, sagt Gunther Müller.

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Zudem müsse das Handwerk gestärkt werden – denn ohne die Fach- und Nachwuchskräfte im Handwerk werde es mit der Energiewende schwierig: „Letztendlich sind es die Installateure, die beispielsweise die energieeffizienten Lüftungssysteme mit Wärmerückgewinnung einbauen und die alten Gas- und Ölheizungen gegen klimafreundliche Wärmepumpen austauschen“, sagt Müller.

Hersteller wie Helios seien auf das Handwerk als verbauendes Gewerk angewiesen. Hier solle die Politik mehr Anreize schaffen und das Image der Ausbildung deutlich verbessern.

AGVS Aluminiumwerke VS-Villingen

„Wir versuchen natürlich Energie zu sparen, in dem wir unsere Mitarbeiter daran erinnern, das Licht nicht unnötig brennen zu lassen und die Heizung nach einer gewissen Zeit abzudrehen“, berichtet Christian Ruf, Geschäftsführer der Firma AGVS Aluminiumwerke in VS-Villingen.

Christian Ruf von der Firma AGVS Aluminium Werke GmbH in VS-Villingen.
Christian Ruf von der Firma AGVS Aluminium Werke GmbH in VS-Villingen. | Bild: Dominik Zahorka

Aber allzu viel ist damit nicht gewonnen für einen Industriebetrieb wie AGVS. Die reinen Energiekosten, die auf die Verwaltung anfallen würden, seien ohnehin verschwindend gering.

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Auch auf die AGVS kämen jetzt einige Belastungen zu: „Die Bilanzierungsumlage und Gasspeicherumlage sorgen auch bei uns für spürbare Preiserhöhungen in der Produktion. Außerdem erfolgt ab Januar 2023 eine Erhöhung der CO2-Abgabe, die auch wir extrem merken werden“, erklärt Ruf. Alleine dadurch lasse sich eine gewisse Kostenerhöhung nicht verhindern. Seitens der Kunden sei aber dafür ein gewisses Verständnis erkennbar.

„Wir haben in unserem Betrieb einen Gasverbrauch von 20 bis 22 Millionen kWh im Jahr, das fällt natürlich ins Gewicht“, sagt Ruf. Von der Politik wünsche man sich deshalb eine größere Entlastung der energieintensiven Betriebe bei der CO2 Abgabe, um den Transformationsprozess hin zu energiesparenderen Produktionsprozessen zu erleichtern und keine Arbeitsplätze zu gefährden.