Der Krieg in der Ukraine dauert an. Ganze Städte sind mittlerweile zerstört und nicht mehr bewohnbar. Viele ukrainische Vertriebene haben ihre Häuser und ihre komplette Lebensgrundlage verloren. Für manche wird es kein Zurück mehr geben. Einige der Geflüchteten wünschen sich, dass der Schwarzwald-Baar-Kreis ihre neue Heimat wird.

Damit das gelingt, müssen Bund, Land und Kommunen zusammenarbeiten. Aus diesem Grund besichtigte der SPD Fraktionsvorsitzende Andreas Stoch auf seiner Sommertour durch Baden-Württemberg die Gemeinschaftsunterkünfte für geflüchtete Ukrainer im früheren Heilig-Geist-Spital in der Villinger Schertlestraße.

Was sich die Flüchtline am meisten wünschen: Beendet den Krieg.
Was sich die Flüchtline am meisten wünschen: Beendet den Krieg. | Bild: Zahorka Dominik

Zusammen mit Oberbürgermeister Jürgen Roth, der SPD-Bundestagsabgeordneten Derya Türk-Nachbaur, dem Ersten Landesbeamten Martin Seuffert und dem Leiter des Sozialamtes Jan Hauser führte Unterkunftsleiter Patrick Brachat durch das Gebäude und informierte über Herausforderungen und Anforderungen der Flüchtlingsunterbringung in der Region.

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193 Geflüchtete beherbergt die Einrichtung in der Schertlestraße momentan. „Bei einer Gesamtkapazität von 230 Personen ist bald Schluss im Heilig-Geist-Spital“, erklärt Sozialamtsleiter Jan Hauser. Da das Gebäude noch nicht komplett saniert sei, könne man aber relativ kurzfristig im Südwesttrakt des ehemaligen Spitals Platz für weitere 220 Personen schaffen.

In dem 80 Zimmer umfassende Gebäude, in dem in jedem Zimmer theoretisch drei Personen untergebracht werden können, macht einen sauberen und einladenden Eindruck. „Die Menschen wollen hier gar nicht mehr weg“, berichtet Unterkunftsleiter Patrick Brachat.

Einer der Flure im früheren Heilig-Geist-Spital.
Einer der Flure im früheren Heilig-Geist-Spital. | Bild: Zahorka Dominik

Leider sei es oft nicht machbar, eine sinnvolle Dreiergruppe zu gestalten, um die Zimmer auch voll zu belegen. Man müsse immer abwägen, wer auf engstem Raum zusammenleben könne und in welcher Konstellation dies auch sinnvoll sei.

Der großzügige Innenhof in dem früheren Altenheim wird gern genutzt wird.
Der großzügige Innenhof in dem früheren Altenheim wird gern genutzt wird. | Bild: Zahorka Dominik

Der ohnehin schon knappe Wohnungsmarkt würde durch Personen, die keine Rückkehrperspektive mehr hätten, längerfristig zusätzlich stark belastet. Zur schnellen Unterbringung der Geflüchteten seien generell auch vermehrt private Wohnmöglichkeiten unumgänglich. Hierfür habe der Kreis eine Hotline eingerichtet, über die sich Menschen die Geflüchtete aufnehmen wollen, melden könnten.

„Die Menschen wollen hier gar nicht mehr weg.“
Patrick Brachat, Unterkunftsleiter

Zwar habe man im nördlichen Schwarzwald-Baar-Kreis kurzfristig Platz für die Unterbringung weiterer 150 Personen geschaffen. Dies würde bei einem länger anhaltenden Krieg in der Ukraine aber keinesfalls ausreichen.

Die Gemeinschaftsküche ist einladend.
Die Gemeinschaftsküche ist einladend. | Bild: Zahorka Dominik

In der Unterkunft im ehemaligen Heilig-Geist-Spital wird derweil versucht, das Leben für die ankommenden Menschen so schön und normal wie möglich zu gestalten. Es gibt einen Kindergarten, einen Raum für Deutschunterricht den Caritas und DRK organisieren, einen geräumigen Innenhof zum Spielen für die Kinder und zur Begegnung für die Erwachsenen. Gemeinschaftsküchen und Essgelegenheiten laden zum gemeinsamen Kochen und Essen ein.

Hier findet die Kinderbetreuung statt.
Hier findet die Kinderbetreuung statt. | Bild: Zahorka Dominik

„Leider ist auch bei uns der Fachkräftemangel stark spürbar“, berichtet Patrick Brachat. Kinder und Altenbetreuung könnten nur unter schwersten Bedingungen, oft auch gar nicht, geleistet werden. Viele junge Mütter, die mit ihren oft kleinen Kindern aus der Heimat geflohen seien, könnten nicht arbeiten, da die Kinderbetreuung nicht ausreichend angeboten werden könne.

Der Unterrichtsraum für Deutschkurse.
Der Unterrichtsraum für Deutschkurse. | Bild: Zahorka Dominik

„Wir brauchen schnelle und unbürokratische Lösungen für diese Probleme“, sagt Andreas Stoch. Dies ginge aber nur mit Hilfe aus Stuttgart und Berlin.