Unsere Wälder leiden. Massiv. „Ihre Anpassung an den Klimawandel ist eine Herkulesaufgabe, zumal der Zeitdruck hoch ist“, sagt Arno Mattes, Leiter des Referats Forsteinrichtung im Regierungspräsidium Freiburg.

Bei einer Exkursion im Bräunlinger Wald hat er mit anderen Experten der Forstdirektion des Regierungspräsidiums Freiburg sowie der unteren Forstbehörde des Schwarzwald-Baar-Kreises am Donnerstag das Vorgehen bei der so genannten Forsteinrichtung erläutert. Derzeit werden diese Zehn-Jahres-Pläne in allen Kommunalwäldern des Landkreises erstellt.

Frieder Dinkelaker (links), Leiter des Kreisforstamtes Schwarzwald-Baar, und Arno Mattes von der Forstdirektion des Regierungspräsidiums ...
Frieder Dinkelaker (links), Leiter des Kreisforstamtes Schwarzwald-Baar, und Arno Mattes von der Forstdirektion des Regierungspräsidiums Freiburg informieren über Aufgaben und Herausforderungen der Forsteinrichtung in Zeiten steigender Trockenheit und Hitze durch den Klimawandel. | Bild: Dominik Zahorka

Ziel der Forsteinrichtung sei es, die Weichen in der Waldpflege so zu stellen, dass die Wälder auch für kommende Generationen erhalten blieben. Hier müsse der Spagat zwischen Nutzbarmachung des Waldes als Lieferant von Brenn- und Edelholz sowie die Erhaltung des Waldes als Freizeit, Erholungs- und Sehnsuchtsort in Einklang gebracht werden.

„Gleichzeitig müssen wir die wichtige Erholungsfunktion des Waldes im Auge behalten, der gerade in der aktuellen Sommerhitze für Erfrischung sorgt. Die Forsteinrichtung hilft uns dabei, die Balance zwischen wirtschaftlicher Nutzung auf der einen und ökologischen sowie sozialen Ansprüche an den Wald zu halten“, so Arno Mattes.

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Bräunlingens Bürgermeister Micha Bächle hob das Wasserproblem hervor, vor dem die Stadt Bräunlingen im Moment stehe. Der fehlende Niederschlag und die momentan stattfindende Sanierung der Kohlwaldquellen machten eine Versorgung der Stadt mit Wasserfahrzeugen notwendig.

Mit Blick auf die momentane Trockenheit, die Waldbrände im Osten der Republik und vereinzelter kleinerer Brände in Triberg und Schluchsee, wachse auch die Angst in der Region vor möglichen Feuerausbrüchen in trockenen Waldgebieten.

Forsteinrichter Oliver Braun (von links), Revierleiter Tom Eckert und Micha Bächle, Bürgermeister von Bräunlingen bei der Exkursion im ...
Forsteinrichter Oliver Braun (von links), Revierleiter Tom Eckert und Micha Bächle, Bürgermeister von Bräunlingen bei der Exkursion im Bräunlinger Wald. | Bild: Dominik Zahorka

Neues Konzept für 15.500 Hektar Wald

Hier seien vor allem Kiefernwälder gefährdet, da diese besonders trocken und anfällig für schnelle Brandentwicklung seien und sich auch Schädlinge wie der Borkenkäfer unter den momentan herrschenden Temperaturen besonders gut entwickeln könnten. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Referats Forsteinrichtung begleiten und beraten alle kommunalen Waldbesitzer in Baden-Württemberg bei der Zukunftsplanung.

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Durch das klar strukturierte und landesweit einheitliche Verfahren der Forsteinrichtung sei eine hohe Qualität gesichert und auch örtliche Besonderheiten könnten berücksichtigt werden. Zusammen mit den Forstrevierleitern sind die Experten derzeit auf rund 60.000 Hektar in rund 100 Kommunalwäldern unterwegs. Im Schwarzwald-Baar-Kreis werden in diesem Jahr alleine rund 15.500 Hektar Kommunalwald in 18 Städten und Gemeinden neu geplant.

Der Bräunlinger Revierförster Reinhard Merz informiert zum Thema Durchforstung bei Fichtenbeständen. Durch die zunehmende Trockenheit ...
Der Bräunlinger Revierförster Reinhard Merz informiert zum Thema Durchforstung bei Fichtenbeständen. Durch die zunehmende Trockenheit der Böden fühlen sich Fichten mehr und mehr unwohl in der Region. „Der Wald der Zukunft wird ein Mischwald sein“, da sind sich die Experten einig. | Bild: Dominik Zahorka

Zukunftsmodell Mischwald

Wann müssen alte Bäume geerntet werden, damit junge Bäume Licht und Platz bekommen, um gut aufzuwachsen? Welche Baumarten werden zukünftig auf den jeweiligen Flächen stehen? Wie gelingt es, dass ein bunter Wald entsteht und nicht nur eine Baumart im Wald dominiert? Gerade die im Schwarzwald weit verbreitete Fichte fühle sich durch die zunehmende Trockenheit der Böden mehr und mehr unwohl in der ehemals eher zu feuchten Region.

Mischwald – Der Wald der Zukunft
Mischwald – Der Wald der Zukunft | Bild: Dominik Zahorka

„Der Wald der Zukunft wird ein Mischwald sein“, da sind sich die Experten einig. Eine saubere Durchforstung der Waldbereiche sorge dafür, dass die Bäume weitaus weniger Wasser brauchten, als in vollkommen wildwachsenden Wäldern. Hier könne man dem Klimawandel durch sorgfältige Planung aktiv entgegentreten.

Arno Mattes von der Forstdirektion des Regierungspräsidiums Freiburg erläutert die wichtigsten Aufgabenbereiche der Forsteinrichtung für ...
Arno Mattes von der Forstdirektion des Regierungspräsidiums Freiburg erläutert die wichtigsten Aufgabenbereiche der Forsteinrichtung für den „Wald der Zukunft“. | Bild: Dominik Zahorka

Für die Auswahl der jeweiligen Baumarten werde beispielsweise auf die Standortkartierung zurückgegriffen, bei der die Standorte der jeweiligen Waldökosysteme vollständig erfasst, beschrieben, interpretiert und ihre Ergebnisse für verschiedene Anwendungen dargestellt werden könnten.

Wald soll nicht ausgebeutet werden

Zudem würden Pflegemaßnahmen für wertvolle Biotope festgeschrieben und dokumentiert. Die Forstleute betonten in Bräunlingen auch die Bedeutung des Waldes als CO2-Speicher und den Fokus auf den Anbau von Edelhölzern zur breitfächerigen Weiterverarbeitung.

Auch die sich durch den russischen Angriffskrieg in der Ukraine abzeichnende Energieknappheit würde für den heimischen Wald eine kleine Herausforderung bedeuten, da vermehrt Brennholz angefragt werde. Ein Ausbeuten des Waldes zu diesem Zweck schlossen Arno Mattes und seine Kollegen allerdings kategorisch aus.

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