Sebastian Russo wurde jetzt als neuer Direktor der Klinik für Anästhesiologie, Notfall- und Schmerzmedizin am Schwarzwald-Baar-Klinikum vorgestellt. Er folgt auf Alfred Benzing, der nach knapp 17-jähriger Tätigkeit in den Ruhestand ging.

Neue Konzepte etabliert

Russo ist bereits seit November am Klinikum und hat in kürzester Zeit zwei neue Konzepte im Bereich der Kinder- und Erwachsenenanästhesie etabliert: Eltern dürfen bis zur Narkoseeinleitung bei ihren Kindern bleiben – und generell dürfen Patienten bis kurz vor der Operation trinken und sogar leichte Mahlzeiten zu sich nehmen.

Bislang galt striktes Trink- und Ess-Verbot vor einer OP

Jeder, der sich einer Operation unter Vollnarkose unterziehen musste, kennt das. Bislang galt: Mehrere Stunden vor der OP dürfen die Patienten nichts mehr trinken und nichts essen. „Diese perioperative Nüchternheit ist vor allem kleinen Patienten schwer zu vermitteln“, sagt Russo. Aber auch Erwachsene leiden darunter, wenn ihnen Flüssigkeit über einen längeren Zeitraum verwehrt wird, vor allem an heißen Sommertagen.

Sebastian Russo ist neuer Chefarzt der Klinik für Anästhesiologie am Schwarzwald-Baar-Klinikum. Bild: Roland Sprich
Sebastian Russo ist neuer Chefarzt der Klinik für Anästhesiologie am Schwarzwald-Baar-Klinikum.

Wasser, Tee und sogar ein kleines Frühstück

Das ändert sich. „Erlaubt sind klare Flüssigkeiten wie Wasser oder Tee“, sagt Russo. Selbst ein kleines Frühstück bis vier Stunden vorher wird den Patienten nun erlaubt. „Für die Narkose spielt das keine Rolle. Und für den Kreislauf und oft mit der Narkose einhergehenden Übelkeit ist das sogar besser.“

Kinder und Erwachsene profitieren

So würden Flüssigkeiten zum Zeitpunkt der Narkoseeinleitung den Magen längst verlassen haben. Die Befürchtung, dass während der Narkose Mageninhalt in der Speiseröhre aufsteigen und in die Luftröhre gelangen könnten, sehen die Mediziner nicht als bedrohlich an. Wenngleich das Konzept vor allem auf Kinder abzielt, profitieren auch erwachsene Patienten von der neue Erkenntnis.

Mediziner begeben sich auf Augenhöhe mit ihrem kleinen Patienten und bereiten die Narkose spielerisch vor. Nur in Zeiten von Corona tragen die Mediziner deshalb auch bereits die Mund-Nasen-Schutzmaske. Die Mama des Patienten (rechts) ist bis zur Narkoseeinleitung mit dabei.  Bild: Schwarzwald-Baar-Klinikum
Mediziner begeben sich auf Augenhöhe mit ihrem kleinen Patienten und bereiten die Narkose spielerisch vor. Nur in Zeiten von Corona tragen die Mediziner deshalb auch bereits die Mund-Nasen-Schutzmaske. Die Mama des Patienten (rechts) ist bis zur Narkoseeinleitung mit dabei.

Eltern dürfen jetzt viel länger bei ihren kranken Kindern bleiben

Eine zweite Neuerung im Bereich der Kinderanästhesie ist, dass ein Elternteil während der gesamten Einleitungsphase der Narkose mit dabei sein kann. Russo, selbst Vater dreier Kinder im Alter zwischen drei und zehn Jahren, kann sich sehr gut in die Situation hineinversetzen, in der Eltern ihren Kindern in der ungewohnten Krankenhausatmosphäre besonders beistehen wollen. Deshalb wird die Narkoseeinleitung möglichst kindgerecht ausgeführt. Dazu gehört die Anwesenheit von Mama oder Papa.

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Weniger Ängste bei den Kindern

Die Maßnahme hat für den Arzt mehrere positive Effekte. „Zum einen reduziert es bei den Kindern natürlich die Angst. Zudem können wir darauf verzichten, den Kindern vorab Medikamente zur Beruhigung zu geben.“

Verzicht auf Beruhigungsmittel möglich

Diese Medikamentengaben haben den Nachteil, dass sie zum richtigen Zeitpunkt verabreicht werden müssen, damit sie ihre Wirkung entfalten. „Eine Nachwirkung des Medikaments ist, dass die Kinder nach dem Aufwachen häufig durch den Wind sind“, erklärt Russo. Erst, wenn das Kind eingeschlafen ist und in den eigentlichen Operationssaal gebracht wird, muss das Elternteil den Bereich verlassen.

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Dass ein Elternteil, meist ist es die Mutter, bei der Narkoseeinleitung mit dabei ist, stört den Ablauf einer Narkoseeinleitung übrigens nicht. „Eher im Gegenteil, es geht eher schneller, weil wir die Kinder nicht mehr so stark ablenken müssen“, erklärt Russo.

Keine fixe Altersgrenze

Bislang hätten übrigens nahezu alle Eltern das Angebot angenommen, ihre Kinder bis zur Narkoseeinleitung zu begleiten. Eine Altersgrenze gibt es für den Mediziner nicht. „Aber so etwa ab dem 12. bis 14. Lebensjahr wollen die Kinder das dann meistens von selbst nicht mehr, dass Mama oder Papa sie begleiten.“

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Beim Aufwachen gibt‘s ein Eis

Auch nach der Operation sind die Eltern sofort da, wenn das Kind im Aufwachraum aufwacht. „Die Eltern bekommen von uns ein Telefon, über das wir sie informieren, wenn wir das Kind in den Aufwachraum bringen.“ Auch hier setzt sich das Konzept weiter fort. „Die Kinder bekommen sofort nach dem Aufwachen ein Eis. Die Erwachsene können Kaffee und Kuchen haben.“

 

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