„Seit Tagen fließen nur noch Tränen auf allen Seiten. Kinder, die nicht wissen wohin, die ihre Pferde und auch ihre Freunde verlassen müssen und die nicht wirklich verstehen, warum“, hieß es in einem Leserbrief im Januar 2019 von Karin Strohm aus Villingen-Schwenningen. Es war nur einer von vielen Briefen und Tränen, die es Anfang des vergangenen Jahres gegeben hat. Grund dafür war folgende Nachricht: Das Pferdesportteam Schwarzwald-Baar steht vor dem Aus.

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Was war passiert?

Silke Krüger, die Inhaberin des Pferdesportzentrums Oberer Neckar in Dauchingen, hatte Ende 2018 wegen wirtschaftlicher Schwierigkeiten Insolvenz angemeldet. Dem Pächter Steffen Giesser, ehemaliger Lebensgefährte der Inhaberin und Reitlehrer, der die Anlage betrieben hatte, wurde gekündigt. Dem Verein fehlte damit die Trainingsfläche. Die Ställe wurden geräumt. Die Konsequenz: Etwa 120 pferdebegeisterten Kindern standen plötzlich ohne Pferde, Ponys und Reitstunden da. Die Bestürzung und Verzweiflung aufseiten des Vereins, der Kinder und Eltern war groß.

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Verkauf in Sicht

Inzwischen scheint Ruhe eingekehrt zu sein. Mehr noch: Auf dem Pferdehof in Dauchingen hat sich einiges getan. „Die Insolvenzverwalterin über das Vermögen der Privatperson Silke Krüger, Inhaberin des Pferdesportzentrums Oberer Neckar in Dauchingen, ist zuversichtlich, den Pferdehof in naher Zukunft verkaufen zu können“, heißt es in einer Pressemittelung der Kanzlei Schulzte und Braun, deren Insolvenzverwalterin Elke Bäuerle das Privatvermögen der Inhaberin des Hofes seither verwaltet. Bäuerle und Krüger führen seit eineinhalb Jahren das Pferdesportzentrum gemeinsam. Kleiner, aber – so schreibt es die Kanzlei – „mit Erfolg“.

Insolvenzverwalterin Elke Bäuerle. Bild: Kanzlei Schultze und Braun
Insolvenzverwalterin Elke Bäuerle. Bild: Kanzlei Schultze und Braun | Bild: Kanzlei Schultze und Braun

Aktuelle Lage

Pressesprecher der mit dem Insolvenzverfahren betrauten Kanzlei, Ingo Schorlemmer, gibt auf Nachfrage des SÜDKURIER an, dass Koppeln und Ställe mittlerweile ausgebessert wurden. „Je besser die Gebäude in Schuss sind, desto besser kann man sie verkaufen“, erklärt Schorlemmer. Aktuell seien 14 Einstellpferde auf dem Hof, zwei Großpferde und sieben Ponys. Eine Ferienwohnung werde vermietet, Reitstunden angeboten und Kindergeburtstage ausgerichtet. „Der Betrieb rechnet sich“, so Schorlemmer. Es würden keine Verluste gemacht, sondern im Gegenteil: kleinere Gewinne erzielt.

Im Moment gibt es nach Angaben des Pressesprechers „zwei bis drei Interessenten“ für den Hof. Warum hat sich der Verkauf so lange hingezogen? „Es gibt keinen Druck“, antwortet Schorlemmer. „Der Hof musste nicht sofort verkauft werden.“ Hinzu käme, dass sich Verkaufsgespräche in die Länge ziehen würden, mehrere Prozesse parallel liefen und ein vollständiges Konzept von möglichen Interessenten vorgelegt werden müsse.

Ende Juli hat das Amtsgericht Villingen-Schwenningen zu einer Gläubigerversammlung eingeladen, „die über die weitere Fortführung des Pferdesportzentrums entscheiden soll“, heißt es in der Pressemitteilung der Kanzlei. Die Insolvenzverwalterin sehe dabei „keine Zweifel, dass die Mehrheit der Gläubiger an der Fortführung festhalten wird.“

Kritik an Insolvenzverwalterin

Einer der Gläubiger, Achim Zeiss aus Dauchingen, sieht das anders. „Die Dinge werden schön geredet“, findet er. Er ist stiller Gesellschafter des Hofes und hat eigenen Angaben zufolge eine höhere sechsstellige Summe in den Pferdehof investiert, wollte die Anlage zu Beginn der Insolvenz auch selbst kaufen. Er selbst habe 20 Pferde, sein Lebensziel sei es gewesen, seine Pferde unterzubringen, erzählt er. Sein Angebot sei abgelehnt worden. „Potenzielle Käufer werden vor den Kopf gestoßen“, sagt er. Pressesprecher Schorlemmer widerspricht: Das Angebot von Zeiss habe nicht ausgereicht, entgegnet er auf Nachfrage. Mehr wolle er dazu nicht sagen.

Auf Vorwürfe von Achim Zeiss, dass Insolvenzwerwalterin Bäuerle und Inhaberin Krüger befreundet seien und Bäuerle gar versuche, den Hof selbst zu erwerben, antwortet Schorlemmer: „Die Insolvenzverwalterin wurde als neutrale Person bestellt.“ Und weiter: „Frau Bäuerle hat sicher kein Interesse daran, den Hof selbst zu übernehmen.“

Auch die Vermutung, dass die Insolvenzverwalterin eigene Pferde auf dem Hof untergebracht haben könnte, weist Schorlemmer zurück: „Frau Bäuerle besitzt keine Pferde, die auf dem Pferdehof in Dauchingen untergestellt sind.“ Silke Krüger, Inhaberin des Hofes, wollte auf Nachfrage des SÜDKURIER, wie es um den Hof stehe, keine Auskunft geben.

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