Wie können Unternehmen und Händler das kommende Jahr mit der Unsicherheit durch die Corona-Pandemie planen? Bei einem Telefonpressegespräch der Industrie- und Handelskammer Schwarzwald-Baar-Heuberg (IHK) schilderten Vertreter aus Industrie, Handel und Gastronomie ihre schwierige Situation und welche Herausforderungen sie bei der Planung der kommenden Wochen bis Weihnachten und bis ins neue Jahr hinein berücksichtigen und bewältigen müssen.

„Vor Ort einkaufen“

Die Botschaft lautete klar: „Die örtlichen Händler unterstützen und vor Ort einkaufen.“ Diese Aussage unterstrich IHK- Präsidentin Birgit Hakenjos-Boyd in ihrem Statement deutlich. „Machen Sie Amazon nicht noch reicher“, bat die Unternehmerin eindringlich und sprach dem Handel aus der Seele.

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Düsteres Bild gezeichnet

Hakenjos-Boyd zeichnete ein düsteres Bild von der aktuellen Situation. Eine bundesweite Umfrage des Deutschen Industrie- und Handelskammertags bei 13 000 Unternehmen habe ergeben, dass branchenübergreifend 69 Prozent der IHK-Unternehmen einen Umsatzrückgang erwarten. Mit jeweils mehr als 90 Prozent an der Spitze sind die Gastronomie und die Reisebranche. Im Einzelhandel und in der Industrie sind es jeweils knapp 70 Prozent. „Jeder vierte Mittelständler steht zu großen Teilen still“, so Hakenjos-Boyd.

Mitten in der umsatzstärksten Zeit

Wie sich die am Mittwoch in der Ministerkonferenz beschlossenen Regelungen auf den Einzelhandel auswirken, schilderte Marion Haller-Maier. Sie ist Inhaberin eines Edeka-Culinara-Marktes in Rottweil mit mehr als 800 Quadratmetern Verkaufsfläche. Damit darf dort ab 2. Dezember pro 20 Quadratmeter Verkaufsfläche maximal nur noch jeweils ein Kunde gleichzeitig einkaufen.

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Wie sich das in der Vorweihnachtszeit, die zur umsatzstärksten Zeit des Jahres gehört, umsetzen lassen soll – und insbesondere unmittelbar vor den Festtagen -, weiß sie nicht. „Verglichen mit dem Vorjahr dürfte nur noch ein Viertel aller Kunden einkaufen. Der Rest rechnerisch nicht.“

Inzwischen am Anschlag

Haller-Maier schilderte auch die Personalprobleme, die sich wegen Krankheit und Quarantänevorschriften und der folgenden Bürokratie ergeben. An der Diskussion um eine Sonntagsöffnung mag sich die Einzelhändlerin nicht beteiligen. „Wir haben täglich von 7 bis 21 Uhr geöffnet. Sonntagsöffnung kommt für uns nicht in Frage, wir sind am Anschlag.“

Heftige Zeiten für Wirtschaftsprüfer und Steuerberater

Mario Born ist Geschäftsführer der südwestdeutschen Wirtschaftsprüfung GmbH und Steuer- und Bilanzexperte. Über ihn und seine Berufskollegen ist seit März „eine Welle hereingebrochen, wie ich sie in meinen vielen Berufsjahren noch nicht erlebt habe.“ Als Steuerberater sei man das Bindeglied zwischen den von Bund und Ländern zugesagten Hilfspaketen und den Empfängern. Born sagte, dass es für die Antragsteller nicht einfach sei, sich in dem Dschungel zurechtzufinden. Die Frage, wie es für die Unternehmen im nächsten Jahr weitergeht, sieht Born übergreifend so, „dass viele sicherlich Liquidität eingebüßt haben.“

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Appell an jeden Bürger

Michael Steiger ist Gastronom und Vorsitzender des Tourismusausschusses der IHK. Er sei von der Rede der Kanzlerin enttäuscht. „Wie so oft wurde die Gastronomie nicht einmal erwähnt“, beklagt Steiger. Dabei wäre eine verlässliche Aussage darüber, ob und wann und unter welchen Voraussetzungen die Gastronomiebetriebe während der Weihnachtszeit öffnen dürfen, ein wichtiges Signal. „Wir brauchen Planungssicherheit, wir müssen ja auch Waren einkaufen.“ Steiger richtet einen Appell an jeden Bürger und an die Unternehmen. „Unterstützen Sie die Gastronomie, in dem sie die Außer-Haus-Angebote nutzen, oder kaufen Sie Gutscheine.“ Auch Firmenchefs könnten ihren Mitarbeitern als Ersatz für die ausgefallene Weihnachtsfeier Restaurantgutscheine schenken.