Zwei Unternehmer aus dem personennahen Dienstleistungsbereich, aus der Sport- und Fitnessbranche und aus dem Bereich Messebau, erzählen in einer von der Industrie- und Handelskammer Schwarzwald-Baar-Heuberg (IHK) anberaumten Telefonkonferenz, wie die Viruskrise ihr Unternehmen beeinträchtigt hat. Sie geben einen Einblick in ihre persönliche Gefühlswelt, die in den vergangenen Wochen eher einer Tal- als einer Bergfahrt glich.

Das könnte Sie auch interessieren

Sie erzählen, wie sie trotz der Angst, dass ihnen der existenzielle Boden unter den Füßen weggezogen wird, den Mut nicht verloren und sich mit innovativen Ideen über Wasser gehalten haben. Mittlerweile sehen sie sogar wieder etwas Licht am Ende des Tunnels.

  • Marco Knöbel ist Inhaber von Marcos Free Fight Club, einer Kampfsportschule in Donaueschingen. An den Shutdown Mitte März erinnert er sich nur allzu gut. „Wir haben zunächst gar nicht gewusst, was das bedeutet, wir sind in der Luft gehangen“, sagt Knöbel. In den Wochen danach hat der Betreiber eine große Welle der Solidarität erfahren. „Viele Mitglieder haben ihre Monatsbeiträge weiter bezahlt, obwohl sie nicht trainieren konnten. Aber es gab auch Kunden, die von der Krise beispielsweise durch Kurzarbeit selbst schwer getroffen wurden und wo das Einkommen plötzlich knapper wurde.“ Eine Kündigungswelle konnte Knöbel nicht ganz verhindern. Um die Mitgliederzahl von 320 Mitgliedern dennoch stabil zu halten, hat er eine Kundenaktion gestartet, „die uns fast die Zahl der Kunden wieder gebracht hat, die wir in der Coronazeit verloren haben“. Einen Vorteil gegenüber üblichen Fitnessstudios sieht Knöbel darin, „dass viele Kunden erkannt haben, dass wir alternative Trainingsmöglichkeiten in der freien Natur anbieten können, ohne Trainingsgeräte“.
Messebauer Bernhard Thomma aus Deißlingen hat in der Krise mit seinem zweiten Standbein, dem Bereich Werbetechnik, nur wenig der Verluste aus dem Bereich Messebau kompensieren können.
Messebauer Bernhard Thomma aus Deißlingen hat in der Krise mit seinem zweiten Standbein, dem Bereich Werbetechnik, nur wenig der Verluste aus dem Bereich Messebau kompensieren können. | Bild: privat
  • Bernhard Thomma ist Inhaber von Mikko Messebau und Werbetechnik in Deißlingen. Noch bevor Mitte März der Shutdown kam, hatte er gemerkt, dass 2020 wohl kein normales Geschäftsjahr werden wird. „Die ersten Kunden haben bereits im Februar die Reißleine gezogen und ihre Teilnahme an den geplanten Messen abgesagt“, sagt Thomma. er verweist auch auf die ebenfalls betroffenen Bereiche Eventveranstaltung, Möbelvermietung und Catering. Im März hagelte es dann reihenweise Absagen von Kunden, die ihre Messebauten stornierten, weil die Veranstaltungen abgesagt wurden, darunter die Jobs for Future in Villingen-Schwenningen. „Wir haben Weltuntergangsstimmung erlebt, und es gab Tage die geprägt waren von Existenzangst“, beschreibt Thomma. Dazu kam, dass das Unternehmen, das erst nach Deißlingen umgezogen ist, eine Million Euro in neue Maschinen für die Werbetechnik investiert hat. Der Messebauer hat auf die Corona-Anforderungen reagiert: „Wir haben Unternehmen angeschrieben und Plexiglasscheiben und Abstandsaufkleber angeboten“, sagt Thomma. Zudem habe er die Corona-Soforthilfe beantragt und sehr schnell bekommen. „Aber das reicht gerade mal für drei Monatsmieten des Geschäfts.“ Seither hält er den Betrieb mit Rücklagen und Privatvermögen über Wasser. Für seine zwei Voll- und drei Teilzeitkräfte hat er ab Mai Kurzarbeit beantragt. „Das letzte was ich will, ist dass ich meine Mitarbeiter entlassen muss. Vorher fahre ich meinen Lebensstandard noch weiter herunter und trete noch kürzer.“ Bernhard Thomma hofft jetzt, dass sich die Situation für die Veranstaltungsbranche entspannt und eventuell im dritten und vierten Quartal doch noch einige Aufträge hereinkommen. „Wir wären gerne dabei.“

Unser bestes Angebot ist wieder da: die Digitale Zeitung + das neuste iPad für 0 €