Seit Januar durften sie nicht mehr fahren, aber jetzt geht es wieder mit Volldampf los, bei den Erlebnisfahrten der Eisenbahnfreunde Zollernbahn. Unter dem Motto „37 Tunnel unter Dampf“ fahren sie mit ihrer Dampflok, Baureihe 52, nun wieder jeden Sonntag, bis zum 30. August, von Rottweil über Villingen bis Hausach und zurück. Ein- und Aussteigen ist an jedem Bahnhof entlang der Strecke möglich. Bei vielen Fahrgästen besonders beliebt sind Triberg und die Vogtsbauernhöfe.

Video: Hans-Jürgen Götz

Alles läuft gemäß den aktuell geltenden Corona-Verordnungen ab. Im Zug müssen alle Fahrgäste eine Mund-Nasenmaske tragen, selbst der Lokführer und sein Heizer auf dem offenen Führerstand der Dampflok. Regelmäßig werden vom Personal auch die vielen Griffe an den Türen penibel desinfiziert.

Deborah (links), Rebekka und Sükran sind mit ihrer Oma auf Tour und genießen das Erlebnis einer Schwarzwaldbahnfahrt mit der alten Dampflok.
Deborah (links), Rebekka und Sükran sind mit ihrer Oma auf Tour und genießen das Erlebnis einer Schwarzwaldbahnfahrt mit der alten Dampflok. | Bild: Hans-Juergen Goetz

Die Schwarzwaldbahn gehört mit ihren Tunnels und den beiden Kehrschleifen übrigens zu den wohl schönsten Bahnstrecken Europas. Die Strecke überwindet einen Höhenunterschied von knapp 600 Metern: Hausach liegt auf 241 Meter über N.N.; der Scheitelpunkt beim ehemaligen Bahnhof Sommerau zwischen Triberg und St. Georgen befindet sich bei 832 Meter über N.N. Zwischen St. Georgen und Hausach werden 37 der insgesamt 39 Tunnels befahren. Dazwischen eröffnen sich immer wieder großartige Ausblicke auf das Schwarzwaldpanorama.

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Lokführer Jochen Auerbach steuert die schwere Güterzuglokomotive, Baujahr 1944, scheinbar mühelos über die Kurven- und Tunnelreiche Schwarzwaldbahn. Vor allem aber auf der Talfahrt erfordert das höchste Konzentration, denn ständig muss der richtige Bremsdruck eingestellt werden, das ist anstrengender als bei der Bergfahrt. Für die Lok selbst gilt das umgekehrte, Bergab muss sie nicht viel arbeiten. Bergauf hingegen hängen 190 Tonnen Zuglast am Haken, aber mit über 1650 PS, die aus reinem Wasserdampf erzeugt werden, nicht wirklich eine Herausforderung.

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Ganz anders hingegen sieht das Heizer Moritz Spadinger. Immerhin gönnt sich die alte Dame über den Tag runde 55 Kubikmeter Wasser und 4 Tonnen Kohle und wer die einmal vom Tender in die Feuerbüchse geschaufelt hat, hat Abends keine Einschlafprobleme mehr.

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Das wissen vor allem auch die vielen Dampflok-Fans zu schätzen, die zum Teil aus der ganzen Bundesrepublik anreisen um die Lok bei ihrer kraftvollen Arbeit zu hören, zu riechen und auch zu spüren. Mit Schutzbrillen vor den Augen hängen sie während der ganzen Fahrt aus dem Fenster, am besten gleich im ersten Wagen direkt hinter der Lok. Je mehr Ruß aus dem Schornstein qualmt, desto besser, vor allem in einem der vielen Tunnels entlang der Strecke. Auch das Stampfen und Zischen der Maschine ist für sie der wahre Ohrenschmauß und mit ihren Kameras halten sie möglichst viel davon auf Video fest.

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Die meisten Fahrgäste sind aber ganz normale Touristen, die einfach die Fahrt über eine der schönsten Bahnstrecken Deutschlands beim Blick durch das geschlossene Fenster genießen wollen. Vor allem für Familien mit Kindern ist das ein großer Spaß, gilt es doch alle Tunneldurchfahrten ganz genau mitzuzählen. Über die Lautsprecheranlage erfahren die Fahrgäste vom Zugführer auch alles wissenswerte über die interessanten Aussichtspunkte und die Strecke selbst.

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Auch für die Verpflegung der Gäste ist gesorgt, dank des mobilen Catering-Teams des Vereins. Vor allem können sie aber auch allen Fahrgästen alles über den Zug und die Strecke nochmals ganz genau erklären. Und fast noch wichtiger, sie öffnen auf Anfrage auch die Fenster, wenn sich mal wieder eines etwas verklemmt haben sollte.

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Und auch das erlebt man in einem normalen Zug eigentlich nie, entlang der Strecke stehen Dutzende von Fotografen, die den Dampfzug an den schönsten Stellen auf der Strecke fotografieren und filmen. Aber auch zufällig vorbei laufende Spaziergänger und Radfahrer halten immer wieder kurz inne um dem Zug und seinen vielen Fahrgästen zu zuwinken.

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An den Haltepunkten unterwegs prüfen dabei die Maschinisten immer wieder den Zustand des Antriebs. Besonderes Augenmerk gilt den Lagern und Schubstangen der Lok. Die müssen immer gut geschmiert sein und dürfen nie zu heiß laufen. Obwohl die Lok schon sehr alt ist, so ist sie technisch in einem top Zustand. Verspätungen gibt es nicht, jeder Bahnhof wird auf die Minute pünktlich erreicht.

Die schwere Güterzugdampflok, Baureihe 52, bei der Einfahrt in St. Georgen.
Die schwere Güterzugdampflok, Baureihe 52, bei der Einfahrt in St. Georgen. | Bild: Hans-Juergen Goetz

Und an den Endpunkten in Hausach und St. Georgen bietet sich den Mitreisenden noch ein ganz besonderes Erlebnis. Die Lok muss umgesetzt werden. Das Ab- und Ankuppeln inklusive Rangierfahrt auf dem Nachbargleis begeistert Jung und Alt.

Wer all das auch gerne an einem entspannten Sonntag Nachmittag erleben möchte, hat noch bis zum 30. August Gelegenheit dazu. Fahrplan und weitere Informationen gibt es im Internet unter www.eisenbahnfreunde-zollernbahn.de .

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