Die Bundeswehr möchte den Standortübungsplatz bei Aufen weit in Richtung Villingen-Schwenningen erweitern. Tatsächlich wird aber ein eigenes, neues Übungsgelände entstehen. Aktuell werden dazu die betroffenen Gemeinderäte in Donaueschingen, Brigachtal und Villingen-Schwenningen gehört. Im Bereich des Weißwaldes, des Ochsenbergs und des Tannheimer Walds sollen künftig Soldaten des Donaueschinger Jägerbataillons auf Schießanlagen den Umgang mit Panzerfäusten und Granatpistolen sowie mit Handgranaten auf einer eigenen Wurfanlage trainieren. Zudem seien Teststrecken für Panzer und andere militärische Fahrzeuge geplant, heißt es dazu in einer Vorlage an den Gemeinderat Villingen-Schwenningen. Außerdem soll ein Biwakplatz eingerichtet werden, es müsse also auch zu Nachtzeiten mit Übungen gerechnet werden. Die Stadtverwaltung spricht sich gegen das Vorhaben aus und reagiert mit „Überraschung“ darauf, vor allem weil sich im Land Alternativen anböten und sich das ins Auge gefasste Gelände im Naturschutzgroßprojekt Baar befinde.

In diesem Waldgebiet – rechts oben Tannheim, die Lichtung ist das ehemalige Munitionsdepotlager, in dem sich im Kalten Krieg Atomsprengköpfe befunden haben sollen – will die Bundeswehr einen Übungsplatz anlegen.
In diesem Waldgebiet – rechts oben Tannheim, die Lichtung ist das ehemalige Munitionsdepotlager, in dem sich im Kalten Krieg Atomsprengköpfe befunden haben sollen – will die Bundeswehr einen Übungsplatz anlegen. | Bild: Hans-Jürgen Götz

Doch selbst wenn sich die VS-Stadträte dem Verdikt anschließen, die Bundeswehr muss sich nicht daran halten. „Darüber wird auf höherer Ebene entschieden“, bestätigte Verwaltungssprecherin Oxana Brunner. Allerdings erhofft sich Oberbürgermeister Jürgen Roth ein Mandat, die Position des Gemeinderats auch auf Ministeriumsebene zu vertreten.

Auch mit Panzerfäusten – hier ein Bild aus dem Irak – soll auf dem Gelände am Rande des Schwarzwalds geübt werden.
Auch mit Panzerfäusten – hier ein Bild aus dem Irak – soll auf dem Gelände am Rande des Schwarzwalds geübt werden. | Bild: Michael Kappeler

Auf der in Frage kommenden Fläche auf Villingen-Schwenninger Gemarkung gibt es keinen Stadtwald, es handelt sich um Kleinprivatwald mehrerer Eigentümer (3,5 Hektar) und Großprivatwald des Adelshauses Fürstenberg (180 Hektar). Dennoch befürchtet die Stadtverwaltung Beeinträchtigungen in dem Forst, so könnte beispielsweise durch ein Betretungsverbot die Naherholungsfunktion des Waldes künftig leiden.

Wie stark ist Nachsorgeklinik betroffen?

Grundsätzlich erschließe sich für die Stadtverwaltung Villingen-Schwenningen die militärische Logik nicht, wie es in der Vorlage weiter heißt. Vor vier Jahren sei ein vorhandener Standort bei Immendingen aufgegeben worden. Grundsätzlich hätte die Bundeswehr schon damals Bedarf anmelden können. Zudem wird im VS-Rathaus befürchtet, dass der Standortübungsplatz mittelfristig als ein Truppenübungsplatz genutzt wird, dann könnten auch andere Truppenteile als das in Donaueschingen ansässige Jägerbataillon den Platz nutzen. Die Schießanlagen und Übungsstrecken für Panzer und andere Kettenfahrzeuge seien „keinerlei zukunftsträchtiger Bedarf“, vielmehr könnten die Soldaten das auch auf bestehenden Einrichtungen in Pfullendorf und am Heuberg trainieren.

Eingriff in Geschäftsgrundlage

Außerdem befindet sich in der Nähe des projektierten geplanten Standortübungsplatzes die Nachsorgeklinik Tannheim. Die nun geplanten militärischen Aktivitäten in direkter Nachbarschaft greifen direkt in die Geschäftsgrundlage der Nachsorgeklinik ein, die unter anderem auf den Naherholungsfaktor beruht, so die große Sorge der Stadtverwaltung VS. Die Attraktivität der Einrichtung sowie die Möglichkeit, die zugesagten Leistungen zu erbringen, würden immens gemindert. Je nach Wetterlage, vor allem bei Ostwind, könnte die Einrichtung vom Fahrzeug- und Schusslärm tangiert sein.

Nachteile aufgezählt

Auf insgesamt fünf Seiten listet die Stadtverwaltung der Doppelstadt die Kehrseite auf, auch beim Vogel- Natur und Wasserschutz. Besonders kritisch wird gesehen, dass den Nachteilen für die Nachbargemeinden, also Brigachtal und Villingen-Schwenningen, keine Kompensation gegenübersteht. Vorteile, möglicherweise durch künftige Pachterträge, genießen die Forstbetriebe des Fürsten zu Fürstenberg sowie der Landesbetrieb Forst.

Brigachtaler Bürgermeister dagegen

Die sicherlich mit am stärksten tangierte Kommune ist jedoch Brigachtal. Deren Bürgermeister Michael Schmitt schätzt das Projekt „ähnlich“ wie Villingen-Schwenningens ein und lehnt es ab. Die Beeinträchtigungen seien enorm, teilt er auf Anfrage mit. Zudem sei es nicht ganz nachvollziehbar, dass andere Standorte geschlossen würden, hier mache die Bundeswehr aber einen auf. In Donaueschingen ist man dem Vorhaben dem Vernehmen nach positiv zugetan.