Das Hahn-Schickard-Institut hat als Entwicklungspartner zusammen mit der Freiburger Firma Spindiag einen Corona-Schnelltest entwickelt, der wesentliche Vorteile gegenüber anderen Schnelltests hat. Der Test basiert auf dem Laborananalysestandard der Polymerase-Kettenreaktion (PCR) und vereint somit die Genauigkeit eines PCR-Tests in Laborqualität mit der Schnelligkeit eines Antigen-Schnelltests. Seit kurzem ist der Test im Klinikeinsatz.

„Entsteht nicht über Nacht“

Innerhalb weniger Monate ein Testverfahren zu entwickeln, mit dem man den SARS-CoV-2-Erreger verlässlich nachweisen kann, geht das überhaupt? Simone Schümmelfeder von der Marketingabteilung der Firma Spindiag, die die Diagnoseplattform Rhonda entwickelt hat, klärt auf. „Solch ein technologisch aufwändiges Verfahren entsteht nicht über Nacht. Dahinter steht solide Ingenieurskunst aus Baden-Württemberg. Die dem Rhonda-System zugrunde liegende Technologie wurde über viele Jahre erforscht und schließlich zur Marktreife gebracht.“ Konkret wurde ursprünglich ein Schnelltest zum Nachweis antibiotikaresistenter Krankenhauskeime entwickelt. Mit der Corona-Pandemie wurde reagiert und auf derselben Plattform ein Covid-19-Test entwickelt.

Das von Spindiag, einem vom Hahn-Schickard-Institut mit Hauptsitz in Villingen-Schwenningen vor vier Jahren ausgegründeten Start-up-Unternehmen, entwickelte vollautomatische Testsystem besteht aus einem Analysegerät mit einer Testkartusche. Die Anwendung ist einfach. Die Abstrichprobe aus Rachen und Nase wird samt Trägermaterial, beispielsweise einem Wattebausch, direkt in die Testkartusche gegeben, die etwa die Größe einer CD hat. In dieser Kartusche sind bereits alle für den Test notwendigen Reagenzien, also chemischen Stoffe enthalten, die für die Analyse notwendig sind. Die Kartusche wird in das Testgerät eingeführt. Die innovative Technologie dahinter nennt sich zentrifugale Mikrofluidik, dank der sich Laborprozesse automatisieren lassen.

Ein mobiles Mini-Labor

Ein wesentlicher Vorteil ist, dass das Analysegerät als mobiles Mini-Labor klein und transportabel ist und auf diese Weise praktisch überall aufgestellt werden kann. So lässt es sich leicht in den Klinikalltag, in Alten- und Pflegeheimen, aber auch in Apotheken und Betrieben integrieren. Da das Testergebnis bereits nach rund 40 Minuten feststeht, kann eine direkte Entscheidung über eine notwendige Isolation bei einem positiven Ergebnis schnell getroffen werden. Logistikbedingte Wartezeiten durch die Auswertung im Großlabor, wo das Warten auf ein Ergebnis zwischen ein und drei Tagen dauern kann, entfallen.

Das interessiert jeden Menschen in Deutschland

Wie Professor Roland Zengerle, Geschäftsführer des Hahn-Schickards-Instituts, erklärt, ist die Entwicklung dieser Schnelltest-Plattform für die Hahn-Schickard-Gesellschaft eine Möglichkeit, mit einer Entwicklung selbst an die Öffentlichkeit zu gehen. „Viele unserer Entwicklungen bleiben im Verborgenen, weil die Unternehmen ihre Produkte verkaufen und keiner weiß, wer es entwickelt hat. Corona ist für uns diesbezüglich ein absolutes Highlight. Weil wir erstens darüber reden dürfen und weil das wirklich jeden Menschen in Deutschland interessiert. Und weil das Potenzial, das hinter dieser Entwicklung steht, um einiges größer ist als was wir bisher gemacht haben“, betont Zengerle.

Schon über 100 Geräte bestellt

Am 16. November fand die Markteinführung des Systems im Beisein von Landes-Wirtschaftsministerin Nicole Hoffmeister-Kraut am Klinikum in Stuttgart statt, wo inzwischen drei Geräte im Einsatz sind. Mittlerweile, so Zengerle, seien „deutlich über 100 Geräte bestellt.“ Auch das Schwarzwald-Baar-Klinikum habe bereits Interesse angemeldet, so der Institutsleiter. „Wir werden uns in der Anfangsphase auf Kliniken konzentrieren, da es hier nach der Pandemie noch viele Einsatzmöglichkeiten gibt.“