Patricia Ehret arbeitet als Gleichstellungsbeauftragte im Landratsamt. Grundlage für ihre Tätigkeit ist das baden-württembergische Gesetz zur Verwirklichung von Chancengleichheit von Frauen und Männern im öffentlichen Dienst. Nach zwei Jahren in ihrer Position hat die Verwaltungsfachwirtin jetzt einen Chancengleichheitsplan für die Kreisverwaltung im Fachausschuss für Verwaltung vorgestellt. Außerdem legt sie eine Analyse der Situation und einen Maßnahmenkatalog zur Verbesserung der Chancengleichheit von Frauen und Männern in der Verwaltung und zur Vereinbarkeit von Familie, Pflege und Beruf vor.

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Mit einer Fülle von Daten belegt Ehret, dass die Lebenswirklichkeit, die berufliche Wirklichkeit von Frauen und Männern in der Verwaltung „noch immer nicht gleichberechtigt gestaltet“ ist. Es gibt viele Bereiche, in denen Frauen, insbesondere in Führungspositionen, deutlich unterrepräsentiert sind. Elternzeit, unbezahlte Beurlaubung und Teilzeitbeschäftigung oder die Pflege kranker und älterer Familienangehöriger sind nach wie vor überwiegend Frauensache.

Eignung soll zählen

Um berufliche Chancengleichheit für Frauen und Männer herzustellen, werden Maßnahmen zur besseren Vereinbarkeit von Erwerbs- und Familienarbeit im Chancengleichheitsplan besonders berücksichtigt. Im Landratsamt Schwarzwald-Baar wird das als Querschnittsaufgabe angegangen. Die vorhandenen Strukturen sollen so weiter entwickelt werden, dass eine paritätische Beschäftigung von Frauen und Männern, insbesondere auf allen Leitungsebenen, erreicht wird. Dabei gilt das Qualifikationsprinzip, das heißt Eignung, Befähigung und fachliche Leistung sind ausschlaggebend bei der Stellenbesetzung, aber nicht das Geschlecht.

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„Chancengleichheit ist auch ein zentrales Anliegen und ein integraler Bestandteil unserer Verwaltung, denn nur wenn die Potentiale von Frauen und Männern gleichermaßen genutzt werden, können wir die Herausforderungen der Zukunft erfolgreich meistern“, schreibt Landrat Sven Hinterseh im Vorwort zum Chancengleichheitsplan. Sie sei ein „wichtiger Baustein geschlechtergerechter Personalpolitik“. Als „Quantensprung“ bezeichnete er den vor zehn Jahren im Landratsamt eingerichteten Kindergarten „Pusteblume“.

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Im Fachausschuss zeigten sich in den Fraktionen von den Vorstellungen der Gleichstellungsbeauftragten durchaus überzeugt. „Danke und weiter so“, hieß es aus der CDU. Bei den Grünen wünschte man sich noch etwas mehr Mut zu Innovationen. In der SPD wird nach Fortbildungen gefragt, die so Ehret, coronabedingt derzeit jedoch ausgebremst seien. Für Hinterseh ist der Gleichstellungsplan ein Werkzeug um ein „ein dickes Brett zu bohren“ für das es Geduld brauche, wie die bisherigen Erfahrungen gezeigt hätten.

Gerechtere Verteilung

Patricia Ehren benennt schließlich den gesellschaftlichen Knackpunkt: „Ohne eine gerechte Verteilung der Verantwortung und Arbeit im familiären Bereich wird die berufliche Förderung von Frauen nicht wirksam werden können.“

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Neben der Gleichstellungsarbeit gehört das Thema „sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz“ in Zusammenarbeit mit der Personalentwicklung zum Aufgabenbereich der Gleichstellungsbeauftragten.

Das Arbeitsumfeld im Landratsamt

Beschäftigte: 891 Beamtinnen und Beamte sowie Tarifbeschäftigte arbeiten im Schwarzwald-Baar-Landratsamt, davon in Teilzeit 336 Frauen und 38 Männer. Während im mittleren Dienst 319 Frauen und 170 Männer arbeiten, sind es im gehobenen Dienst noch 231 Frauen und 152 Männer. Im Höheren Dienst sind es 14 Männer und gerade noch 5 Frauen. In den Führungspositionen finden sich in der Sachgebietsleitung 25 Männer und 13 Frauen, in der Amtsleitung 9 Männer und 2 Frauen und als Dezernatsleiter 2 Männer.

Chancengleicheit: Zu den Maßnahmen zur Förderung beruflicher Chancengleichheit zählen spezielle Fortbildungen für Frauen in Führungspositionen, Maßnahmen zur Förderung zur Vereinbarkeit von Familie, Pflege und Beruf, familiengerechte Arbeitszeitgestaltung und Jobsharing, Ausbau der Telearbeit und Kinderbetreuung. Die Gleichstellungsbeauftragte ist bei Stellenausschreibungen und -besetzungen beteiligt.

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