Angesichts der hohen Energiepreise ruft die Politik Grundversorger wie die EGT dazu auf, nachsichtig mit säumigen Kunden zu sein. Doch wenn viele Menschen ihre Rechnungen nicht mehr bezahlen können, wird es auch für die Energieversorger eng, teilt die EGT Triberg mit. Derzeit kämpfe die EGT aber dafür, die Verbraucher weiterhin ausreichend mit Gas und Strom zu versorgen.

Die Energieversorgung im Herbst und Winter kann zum zentralen wirtschafts- und sozialpolitischen Problem im Land werden, das sollte bei allen Warnungen und Hinweisen inzwischen jedem klar geworden sein.

Man rechnet mit aufgebrachten Kunden

In einigen Kundencentern soll in den nächsten Monaten sogar mit Sicherheitspersonal gearbeitet werden. „So weit wird es bei uns hoffentlich nicht kommen“, sagt Jens Buchholz, Vorstand der EGT AG.

Jens Buchholz, Vorstand der EGT AG.
Jens Buchholz, Vorstand der EGT AG. | Bild: Foto Carle Triberg

„Trotzdem rechnen wir mit aufgebrachten Kunden. Wir Energieversorger sind nicht die Verursacher der hohen Preise – aber für die Verbraucher der erste greifbare Ansprechpartner, auch um ihrem Ärger Luft zu machen.“

Turbulenzen werden geglättet

Und: „Durch eine vorausschauende Strategie beschaffen wir Gas für unsere Tarifkunden und die Grundversorgung über mehrere Jahre im Voraus“, sagt Andreas Clor, Geschäftsführer der EGT Energievertrieb GmbH.

„Die Turbulenzen an den Handelsbörsen wirken sich somit nicht 1:1 auf die Tarifpreise aus, sondern werden über einen längeren Zeitraum geglättet“, so Clor.

Andreas Clor, Geschäftsführer der EGT Energievertrieb GmbH.
Andreas Clor, Geschäftsführer der EGT Energievertrieb GmbH. | Bild: Foto Carle Triberg

Das ist auch der Grund, warum trotz der mittlerweile stark gestiegenen Marktpreise viele Verbraucher in unserem Netzgebiet derzeit Preiserhöhungen erhalten, die deutlich unter den ausgewiesenen Preisen in den Vergleichsportalen liegen. Sie bekommen aktuell teilweise noch altes, günstiges Gas.“

Erst bei einer Vertragsverlängerung oder dem Abschluss neuer Verträge kämen die um ein Vielfaches gestiegenen Preise zum Tragen. Diese müssten die Versorger an die Verbraucher weitergeben, um nicht selbst Opfer der Energiekrise zu werden.

Preisspirale geht nach oben

„Anders sieht es bei Kunden aus, deren Verträge sich direkt an den Börsenpreisen orientieren. Diese variablen Preismodelle orientieren sich ständig an der Börsenpreisentwicklung, reagieren also auch direkt auf niedrigere Preise“, erklärt Clor.

„Die extremen Preiserhöhungen sind natürlich auch sofort angekommen. Die Abschlagszahlungen mussten hier angepasst werden, um zu verhindern, dass für diese Kunden mit der Jahresendabrechnung ein enormer Betrag als Nachzahlung fällig wird“ so Clor.

Abschläge werden ab Oktober gesenkt

Dabei würden zwei wesentliche Kenngrößen bewertet: Der aktuelle Börsenpreis zum Zeitpunkt der Kalkulation des neuen Abschlages und die zu erwartende Verbrauchsmengen im Abrechnungszeitraum. „Auf die leicht gefallenen Preise am Strommarkt haben wir bereits reagiert und werden die Abschläge ab Oktober senken“, erklärt er.

EGT rechnet mit säumigen Kunden

Das Problem sei: Nicht alle Kunden werden diesen Winter ihre Rechnungen bezahlen können. Der Energieversorger muss in Vorleistung gehen, wenn er am Energiemarkt Gas und Strom einkauft und an seine Kunden weiterverkauft.

Kommen seine Kunden den vertraglich vereinbarten Abschlagszahlungen und den Forderungen aus der Endabrechnung am Jahresende nicht nach, fehle ihm Kapital, um am Markt weiterhin Gas einzukaufen.

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EGT-Chef Jens Buchholz sagt dazu: „Diese Ungewissheit birgt für uns Energieversorger ein enormes wirtschaftliches Risiko. Tatsächlich ist derzeit manchmal gar kein Markt mehr für Gas vorhanden. Wenn wir unseren Gasbedarf ausschreiben, ist es schon passiert, dass nur ein Anbieter ein Angebot macht, maximal zwei oder auch mal gar keiner.“

Hohe Aufschläge an der Börse

„Das heißt, dass die Energieversorger gezwungen sind, die derzeit gültigen Gaspreise an der Börse zuzüglich eines Aufschlags zu bezahlen. Das waren zuletzt 900 Prozent vom Preis im Vorjahresmonat. Aus ihrem Eigenkapital und den Abschlagszahlungen ihrer Kunden könnten die Versorger sich in normalen Zeiten am Markt mit Gas eindecken, erklärt Buchholz.

Kunden-Abschläge reichen nicht

„Derzeit aber reichen die Abschläge bei weitem nicht aus, um die gestiegenen Preise sowie die Finanzierungskosten für die Besicherung wie Vorauskasse oder Bürgschaften beim Vorlieferanten zu bezahlen. Und die Kosten steigen mit den gestiegenen Börsenpreisen immer weiter an. Einige Gasversorger haben ihren Gasvertrieb deshalb bereits eingestellt und die Kunden außerordentlich gekündigt. Wenn wir Energieversorger in existenzielle Schieflage geraten, drohen sehr viele Leistungen der Daseinsvorsorge wegzubrechen. Das kann kein anderes Unternehmen einfach so ersetzen.“