Das wird eine echte organisatorische Herausforderung: Nach dem die Stadt Villingen-Schwenningen ihr Jugendamt freiwillig an den Landkreis abgegeben hat, steht das Landratsamt vor der schwierigen Aufgabe, die zahlreichen neuen Mitarbeiter in seine Reihen zu integrieren.

„Es soll auch Spaß machen“

Die Mitarbeiter von Stadt und Kreis wollen schon bald gemeinsame Konzepte für das neue Jugendamt erarbeiten. „Das soll auch Spaß machen“, verspricht der Verantwortliche beim Kreis, Sozialdezernent Jürgen Stach.

Die Dimension der Fusion der beiden Jugendämter sei einmalig in Baden-Württemberg. „Das ist ein Jugendamt, das nahezu so groß ist, wie wir selber als Jugendamt“, sagt er. Und er betont: „Wir wollen das gemeinsam mit den Kollegen von der Stadt machen.“

Vor „Riesenherausforderungen“ sieht sich Stach in diesem Jahr. „Es ist nicht nur das neue Wohngeld, sondern auch das neue Jugendamt. Das kann man nicht einfach so machen. Das ist ein Prozess zusammen mit der Stadt Villingen-Schwenningen“, betont er.

Sozialdezernent Jürgen Stach hat in diesem Jahr gewaltige Herausforderungen zu bewältigen.
Sozialdezernent Jürgen Stach hat in diesem Jahr gewaltige Herausforderungen zu bewältigen.

Die Gespräche zwischen Kreis und Stadt hätten schon begonnen, bevor im Gemeinderat von Villingen-Schwenningen das Votum für eine Fusion fiel, sagt Stach. Die Probleme, vor denen die Jugendämter stehen, seien enorm. „Insgesamt ist es schon besser, diese Arbeit in einem gemeinsamen Amt zu regeln“.

Bei der Stadt gibt es noch Akten

Doch die Voraussetzungen sind durchaus unterschiedlich. Ein Beispiel: Das Jugendamt des Landkreises ist vollständig digitalisiert. In Villingen-Schwenningen gibt es noch Aktenordner für die einzelnen Fälle.

Damit die Fusion rechtskräftig wird, muss das Land eine Rechtsverordnung erlassen. Vorher ist die Zustimmung des Kreistages gefragt.

„Wir möchten die Zusammenführung zum nächstmöglichen Zeitpunkt“, sagt Stach. Schon sehr schnell werde eine gemeinsame Lenkungskommission eingerichtet, nichtöffentliche Tagungen im Landratsamt sollen stattfinden.

Fusion soll im April beschlossen werden

Eine externe Firma wird die Organisationsbegleitung des Fusionsprozesses übernehmen. Bis zum 17. April sollen die Voraussetzungen für eine Zustimmung des Kreistages unter Dach und Fach sein.

Wenn das Land anschließend die Rechtsverordnung erlassen hat, gibt es grünes Licht für die Vereinigung. Es wird allerdings noch ein halbes Jahr dauern, bis die Vereinigung der beiden Jugendämter tatsächlich vollzogen sein wird. Knackpunkt ist es, die beiden Organisationsstrukturen unter einen Hut, beziehungsweise die der Stadt auf den neuesten Stand zu bringen.

Moderne Organisation beim Kreis

„Wir haben im Landratsamt eine Organisationsstruktur im Jugendamt, die zu den modernsten in Baden-Württemberg gehört“, sagt Stach. „Wir sind im Open Space mit Front- und Backoffice.“ Bei Krisen ist so schnelles Handeln möglich.

Außerdem gibt es keine festen Arbeitsplätze mehr. Arbeitsplätze werden geteilt. Dieses „Desk Sharing“ ermöglicht es, dass nicht für jeden Mitarbeiter ein eigener Schreibtisch benötigt wird. Die Bürofläche ist genau abgestimmt auf den Bedarf.

100 Personen arbeiten momentan beim Jugendamt des Kreises, 25 davon in Donaueschingen, das soll auch in Zukunft so bleiben. 60 Personen kommen hinzu, wenn das Jugendamt der Stadt eingegliedert wird. Das Amt wird im neuen Verwaltungsgebäude an der Brigach untergebracht. Bußgeldstelle und Abfallwirtschaftsamt, die dort gerade eingezogen waren, müssen wieder umziehen. Das Kreisarchiv wird an der Brigach bleiben. „Wir brauchen Räumlichkeiten für ungefähr 120 Mitarbeiter“, sagt Stach.

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