Die Renaissance des Schienenverkehrs steht angesichts der Mobilitätswende ganz oben auf der Agenda der Umwelt- und Klimaschützer. Auch die Region zwischen Freiburg und Tübingen birgt Projekte, die einerseits von politischer Seite unterstützt und schon verwirklicht wurden, andererseits aber auch dicke Felsbrocken vor die Füße geworfen bekamen.

So erfreut sich die Breisgau-S-Bahn zwischen Breisach und Villingen immer größerer Beliebtheit. Seit die Startprobleme gelöst sind, nehmen die Fahrgastzahlen immer mehr zu. Auch der elektrische Lückenschluss zwischen Villingen und Rottweil gilt inzwischen als beschlossen, sodass der Ringzug bis 2025 auf dem gesamten Streckennetz elektrisch betrieben werden kann. Allein zwischen Rottweil und Schömberg klafft eine schier unüberwindbare Gleislücke. Dieser Streckenabschnitt wurde 1972 stillgelegt.

Als Trendwende bezeichnet die Allianz pro Schiene die umfangreichen Bestrebungen von politisch Verantwortlichen, möglichst schnell möglichst viele von der Stilllegungsphase der 1960er- und 1970er-Jahre betroffenen Schienenstränge wieder zu reaktivieren. Dazu gehört auch die Lücke zwischen Rottweil und Schömberg.

Das Land Baden-Württemberg hat in einer breit angelegten Studie 42 Bahnstrecken hinsichtlich ihres Fahrgastpotenziales untersuchen lassen. Bis 2030 möchte das Land nämlich die Fahrgastzahlen gegenüber heute um 100 Prozent steigern.

Bild: Schönlein, Ute

Zu den reaktivierbaren Strecken gehört auch das Stück zwischen Rottweil und Schömberg. Das Land nimmt dabei die Kreise und Kommunen mit in die Pflicht, will es doch eine breite politische Grundlage schaffen um sicherzustellen, dass die Projekte auch vor Ort mitgetragen werden. So säßen nicht nur die Anrainergemeinden sondern auch der Zollernalbkreis und der Landkreis Rottweil im Planungszug.

Landkreis ausgestiegen

Allerdings: Der Landkreis Rottweil hat die Waggons schon vor Abfahrt des Zuges wieder verlassen und setzt auf den CO2-intensiven Straßenverkehr. Nach Auskunft der Pressestelle des Landratsamtes hat der Verwaltungsausschuss in seiner Sitzung am 20. September die Verwaltung beauftragt, für die Einrichtung einer Regiobuslinie Rottweil – (Schömberg) – Balingen einen detaillierten Kostenplan vorzulegen.

Hier endet der Schienenstrang in Richtung Rottweil – Bahnhof Schömberg im Jahr 2021.
Hier endet der Schienenstrang in Richtung Rottweil – Bahnhof Schömberg im Jahr 2021. | Bild: Jörg-Dieter Klatt

Der Zollernalbkreis, die Gemeinden Schömberg und Rottweil sowie der Zementhersteller Holcim und die IHK Reutlingen haben jedoch ihre finanzielle Beteiligung zur Finanzierung der Machbarkeitsstudie für die Schienenvariante zugesagt. Das Land fördert diese Studien mit 75 Prozent der förderfähigen Kosten und schafft somit schon auf einem niedrigen Level einen Anreiz zum Planungsauftakt.

Neue Trasse nötig

Bis allerdings ein erster Zug auf der alten Strecke wieder rollen wird, dürfte noch viel Wasser den Neckar hinunterfließen, muss doch für einen erheblichen Teil der Strecke eine völlig neue Trasse gefunden werden. Nach der Stilllegung 1972 wurden die Gleise blitzschnell abgebaut und heute sind einige Streckenabschnitte mit Industrieanlagen überbaut.

Das Primvidadukt bei Rottweil wurde durch die Elektrifizierung der Gäubahn zur Brückenruine.
Das Primvidadukt bei Rottweil wurde durch die Elektrifizierung der Gäubahn zur Brückenruine. | Bild: Jörg-Dieter Klatt

Trotz aller Widerstände hoffen die Kostenträger, den Lückenschluss zu schaffen. Damit wären künftig umsteigefreie Zugverbindungen zwischen den Universitätsstädten Freiburg und Tübingen ebenso möglich, wie ein zügiger Gütertransport vom Kalkabbau in Schömberg in Richtung Schweiz.

Solche Kilometersteine entlang der Bahnstrecke lassen bis heute den alten Streckenverlauf Schömberg-Rottweil erkennen.
Solche Kilometersteine entlang der Bahnstrecke lassen bis heute den alten Streckenverlauf Schömberg-Rottweil erkennen. | Bild: Jörg-Dieter Klatt