313 Beschäftigte aus der Metall- und Elektroindustrie sind 2020 der Interessenvertretung für Arbeitnehmer beigetreten. Das sind rund 100 weniger als im Jahr zuvor und so wenige wie in den vergangenen acht Jahren nicht. Diesen Umstand führt Thomas Bleile, Erster Bevollmächtigter der IG Metall in Villingen-Schwenningen, bei einem digitalen Pressefrühstück auf die fehlende Kontaktpflege infolge der Pandemie-Situation zurück.

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Die Arbeitnehmervertreter konnten pandemiebedingt nicht bei Betriebsversammlungen dabei sein und ihre Arbeit darstellen. „Dadurch gerät die IG Metall in Vergessenheit“, drückte es Bleile aus. Mit Austritten, Zu- und Abgängen bleibt unterm Strich ein Saldo von 294 Mitgliedern, die die IG Metall im Geschäftsstellenbereich Villingen-Schwenningen im vergangenen Jahr verloren hat. Damit liegt man prozentual auch deutlich über dem Bundesdurchschnitt.

Die Angst der Mitarbeiter ist groß

Wie das Ergebnis einer bundesweiten Umfrage, an der sich rund 250 000 Beschäftigte beteiligten, zeigte, befürworteten die Befragten die Kriseninstrumente wie Kurzarbeit und Homeoffice, auch wenn damit in erster Linie finanzielle Einschränkungen verbunden sind. Allerdings sei die Verunsicherung in den Belegschaften groß und die Angst vor dem Verlust des Arbeitsplatzes wachse. „Und die Beschäftigten beklagen die schlechte Informationspolitik und fehlende Strategien der Arbeitgeber“, so Bleile.

Ein ganz klares „Ja“

Für die bereits laufenden Tarifverhandlungen hat sich die IG Metall unter anderem die Themen Beschäftigungssicherung und Stabilisierung des Entgelts auf die Agenda geschrieben. Ob es angesichts der aktuellen Lage richtig sei, an der Entgeltschraube zu drehen, beantwortete Thomas Bleile mit einem klaren Ja. Die Forderung mit einem Volumen von vier Prozent sei nicht auf eine reine Entgeltsteigerung ausgelegt. „Vielmehr soll das Volumen auch für Maßnahmen zur Beschäftigungssicherung, wie beispielsweise eine Vier-Tage-Woche, herangezogen werden.“

Bislang geht die Schere zwischen den Forderungen der IG Metall und Südwest Metall auf Arbeitgeberseite allerdings noch sehr weit auseinander. Gewerkschaftssekretär Uwe Acker machte darauf aufmerksam, „dass die Arbeitgeberseite nicht nur keine Lohnerhöhung möchte, sondern auch tarifliche Errungenschaften abschaffen oder verschlechtern will. Mit anderen Worten: Die wollen nicht nur nicht mehr zahlen, sondern uns auch Geld wegnehmen.“ Die IG-Metallvertreter machten klar, dass man nach Ende der Friedenspflicht Ende Februar die Forderungen auch in Coronazeiten, wo Kundgebungen und Warnstreiks voraussichtlich nicht möglich sein werden, dennoch mit Nachdruck durchsetzen wolle. „Man kann auch am PC streiken“, machte Bleile deutlich.