Drei Jahre und zwei Monate muss der 27-jährige Mann ins Gefängnis, der im März vergangenen Jahres die Norma-Filiale am Kriegsdamm in Rottweil und im Juli den Netto-Markt in Villingendorf überfallen hat.

Mit dem Urteil lag die Kammer des Rottweiler Landgerichts zwischen der Forderung von Staatsanwalt Robin Schray und der von Verteidiger Rüdiger Mack, die jedoch nicht weit von einander entfernt waren: Drei Jahre und drei Monate wollte Schray den Mann ins Gefängnis schicken, Mack plädierte auf drei Jahre.

Anklage wegen Waffenbesitzes fallengelassen

Dass man so nahe beieinander lag, dafür hatte eine Verständigung im Vorfeld gesorgt. Hier hatten sich Gericht, Staatsanwaltschaft und Verteidigung darauf geeinigt, den dritten Anklagepunkt, nämlich den unerlaubten Waffenbesitz, zu streichen. Dies unter der Voraussetzung, dass der Angeklagte die erste Tat gesteht.

Diese nämlich wäre ihm schwerlich nachzuweisen gewesen, wie es Richter Karlheinz Münzer betonte. Beim Überfall im März trug der 27-Jährige eine dunkle Mund-Nasen-Maske, Brille und Kapuze und war so schwer zu identifizieren.

Einziger möglicher Beweis, dass er die Tat begangen hatte, war die Auswertung von Funkzellen. Sein Handy konnten die Ermittler zur Tatzeit zwar in der Nähe ausmachen, andererseits ist im Bereich am Kriegsdamm meist einiges los.

Raubtat wegen Alkoholentzug

Doch der Kompromiss gelang: Der 27-Jährige gestand, er habe Entzugserscheinungen gehabt und kein Geld mehr für Heroin, das er zu der Zeit schon lange spritzte. Nicht einmal mehr für eine Flasche Schnaps hätte sein Geld gereicht.

„Ich hab lang überlegt, aber ich dachte, ohne Schnaps überleb ich die Nacht nicht.“ Mit der Beute, 815 Euro, habe er Drogenschulden bezahlt und neues Heroin gekauft.

Und nein, die Schreckschusspistole, mit der er die schwangere Kassiererin dazu brachte, ihn in die Kasse greifen zu lassen, war nicht geladen. „Ich hatte kein Geld für Munition.“

Fast schon Lob vom Richter

Von Richter Münzer kam schon beinahe Lob für den Angeklagten: Er habe es trotz der krassen Drogenkarriere, die schon mit 13 oder 14 Jahren begann, bis Anfang 2022 geschafft, immer unter dem Radar der Polizei zu bleiben. Und das auch deshalb, weil er die Drogen immer mit ehrlich verdientem Geld bezahlt hatte.

Bis Januar 2022: Da verlor er seinen Job als Rohrleitungsbauer und war zu der Zeit schon so kaputt, dass er es nicht einmal mehr fertig brachte, sich arbeitslos zu melden.

Zu Gute hielt Münzer ihm auch, dass er in der Untersuchungshaft den kalten Entzug geschafft hat. Und nun eine Therapie machen möchte, zudem den Schweißerschein, um nach der Entlassung für den Job besser gerüstet zu sein.

Dass er zur Tatzeit unter Entzugserscheinungen litt, sei strafmildernd zu werten, die nämlich führten zur Einschränkung der Steuerungsfähigkeit, betonte Münzer.

Auch hätten die Dealer, bei denen er Schulden hatte, großen Druck erzeugt. Das habe die Auswertung der Whatsapp-Kommunikation gezeigt. Und dieser Druck sei erfahrungsgemäß sehr stark, seien doch solche Schulden nicht legal einzutreiben.

Einsicht für eine Therapie

So bleibe, erläuterte Münzer, das Urteil unter dem üblichen Strafmaß bei schwerer räuberischer Erpressung und schweren Raub. Erfreulich sei nämlich auch, dass der Angeklagte die Taten bereue und die Einsicht gewonnen habe, dass er eine Therapie brauche.

„Es wird allerdings keine kurze Therapie sein. Bis zur Überwindung einer Polytoxikomanie ist es noch ein weiter Weg.“

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