Die Sozialarbeit im Landkreis optimal zu entwickeln ist das Ziel des ersten Sozialberichtes, den Dezernent Jürgen Stach jetzt in der Kreistagssitzung vorstellte.

Menschen vor Ort unterstützen

Koordinierte Sozialraumorientierung heißt der Schlüsselbegriff, unter dem vorhandene Ressourcen in bestimmten Teilgebieten, sogenannten Sozialräumen, künftig noch besser genutzt, ausgebaut und mit eigenen Handlungs- und Entscheidungskompetenzen ausgestattet werden sollen. Dabei sollen die Menschen vor Ort in ihren Lebensräumen unterstützt werden, ihren „sozialen Raum“ selbst zu gestalten.

Der erste Sozialbericht

Grundlage ist der Sozialbericht 2020, in dem im Kreissozialamt eine Fülle von Strukturdaten zusammengetragen wurde. Übersichtlich werden Einwohnerzahlen und Prognosen, Zahlen zu Geburten und Sterbefällen, Einwohnerwanderungen, privaten Wohnhaushalten und Haushaltsgrößen, Einwohnern mit nicht-deutscher Staatsbürgerschaft und die demographische Entwicklung der 20 Kreisgemeinden und –städte mit insgesamt 212 936 Einwohnern im Jahr 2018 dargestellt.

Die höchsten Kosten

Gegenübergestellt sind die Aufgabenbereiche des Sozialdezernats und die Leistungen des Kreisjugendamtes, der Beratungsstelle für Eltern, Kinder und Jugendliche, des Kreissozialamtes und des Jobcenters. Der Sozialbereich verursacht im Kreishaushalt die höchsten Kosten und bindet viel Fachpersonal. Neben der Auszahlung finanzieller Hilfeleistungen besteht die Hauptaufgabe des Sozialdezernats darin, Entwicklungspotentiale unter anderem in der Jugendhilfe, Hilfe zur Pflege, Eingliederungshilfe, Arbeitsvermittlung, Integration, Suchthilfe, ambulante Psychiatrie sowie frühen Hilfen zu erkennen und den tatsächlichen Lebensumständen und dem Bedarf der Einwohner im Landkreis anzupassen. So sollen individuelle Notlagen vermieden oder verringert und notwendige Unterstützungsleistungen noch bedarfsgerechter angeboten werden.

Gesellschaftliche Veränderungen

Als Gründe für notwendige Veränderungen werden unter andere der demografische Wandel der älter werdenden Gesellschaft dargestellt. Veränderungen in den familiären Strukturen wie die Zunahme der Einpersonenhaushalte, die Globalisierung des Arbeitsmarktes mit steigender Mobilität, eine drastische Abnahme von Unterstützungsmöglichkeiten im familiären Umfeld, da die Verwandtschaft kaum noch am selben Ort wohnt, mehr Inklusion und Integration, weniger Fachkräfte zur professionellen Versorgung insbesondere im ländlichen Raum oder komplexere Problemlagen, die ein Hilfemix brauchen werden genannt.

Der neue Hilfe-Ansatz

Das neue Konzept der sozialraumorientierten Hilfeangebote stellt mit der Nutzung vorhandener Hilfepotenziale gegenüber der bisherigen Sozialarbeit einen Paradigmenwechsel dar. Zu den erklärten Zielsetzungen zählt, dass Hilfen und Unterstützungsleistungen leichter, passender, erreichbarer, günstiger, zukunftsfähiger und nachhaltiger werden. Bedarfslagen und Entwicklungen werden in Gemeinden/Quartierten/Sozialräumen/Ortsteilen abgebildet und vor Ort entschieden, ob, was und auf welche Weise umgesetzt wird. Und dazu werden alle möglichen Akteure koordiniert ins Boot genommen, die erfahrenen Sozialhilfeerbringer, aber auch engagierte Ehrenamtliche und Nachbarschaftshilfestrukturen.

Betroffene sind meist die größten Experten

Dabei geht es darum, dass nicht von Amts wegen Lösungen von oben herab diktiert, sondern vom Gemeinwesen mitgestaltet, mitbestimmt und damit auch akzeptiert werden. Denn „häufig sind die Betroffenen die größeren Experten als so manche Fachleute“, heißt es aus der Verwaltung. Dieses Potential gelte es noch mehr zu nutzen, zumal der Fachkräftemangel in vielen Bereichen zunimmt und Ideen notwendig werden, „die eventuell bisher noch gar nicht gedacht wurden“.

OB Roth: „Ein guter Weg“

Im Kreistag fand der Sozialbericht mit den organisatorischen Veränderungen hin zu einer koordinierten Sozialraumorientierung bei Gestaltungsaufgaben des Sozialdezernats breite Zustimmung: „Ein guter Weg nach vorne“, fasste Jürgen Roth (CDU) zusammen. Angereichert wurde die Vorlage mit Überlegungen zur Einbindung und Entschädigung des Ehrenamtes (Martina Braun, Grüne) und dem Hinweis, dass Daten der Großen Kreisstadt Villingen-Schwenningen keine Berücksichtigung fanden (Anton Knapp, SPD). Letzteres soll, so Landrat Sven Hinterseh, bei einer Neuauflage bedacht werden.