Auf unbestimmte Zeit muss ein 36-Jähriger aus dem Kreis Freudenstadt in die Psychiatrie. Er hat im Februar bei Oberndorf (Kreis Rottweil) eine Polizistin mit einem gestohlenen Auto beinahe umgefahren. Deshalb verurteilte ihn das Rottweiler Landgericht nun wegen versuchten Totschlags.

„Ein schwer kranker Mensch, der selbst darunter leidet.“
Richter Karlheinz Münzer über den Angeklagten

Vom Tatvorwurf des versuchten Mordes war die Staatsanwältin im Lauf des Prozesses abgerückt, auch deshalb, weil der Mann zur Tatzeit schuldunfähig war: Der psychiatrische Gutachter Ralph-Michael Schulte attestierte ihm eine affektive Psychose mit manischen und depressiven Phasen. „Ein schwer kranker Mensch, der selbst darunter leidet“, betont der Vorsitzende Richter Karlheinz Münzer in seiner Urteilsbegründung.

Die Tat selbst war eine von mehreren Anfang des Jahres: Auf der Anklageschrift der Staatsanwaltschaft stand eine ganze Liste: darunter Diebstähle, Urkundenfälschung, gefährlicher Eingriff in den Straßenverkehr und versuchte fahrlässige Tötung.

Kurz hintereinander stahl er zwei Autos, zunächst einen Fiesta. Mit dem kam er am 6. Februar von der Straße ab und fuhr sich in einem Acker fest. Die Polizei nahm ihn fest, beschlagnahmte das Fahrzeug, ließ ihn aber wieder laufen.

Am folgenden Tag klaute er einen VW Troc, von der Tat gibt es sogar eine deutliche Videoaufnahme, die das Gericht in Augenschein nahm. Er brachte gestohlene Kennzeichen an und raste offenbar in hohem Tempo Richtung Oberndorf. Zeugen berichteten von waghalsigen Überholmanövern, einer betonte, der 36-Jährige sei ihm in hohem Tempo entgegengekommen, habe den Gegenverkehr überholt, er selbst habe nicht mehr bremsen können, ganz knapp sei er an ihm vorbeigerast.

Lastwagen in Kurve überholt

Ein Lastwagenfahrer sagte aus, dass der Angeklagte seinen 18-Tonner in einer Kurve überholte. Dann geriet er in eine Polizeikontrolle, raste aber davon. Danach fuhr er nur wenige Zentimeter an einer Beamtin vorbei, die ihn stoppen wollte.

Polizistin nur um Zentimeter verfehlt

Die Polizistin sagte aus, ihr sei in dem Moment nicht klar gewesen, wie gefährlich die Situation war. Erst bei der Rekonstruktion der Tat sei ihr das bewusst geworden. Sie brauchte danach psychologische Behandlung und war eine Zeit lang krankgeschrieben. Ein Kollege von ihr sagte aus, wenn sie nur eine Handbreit weiter von ihrem Fahrzeug entfernt gestanden wäre, hätte es sie erwischt.

Es hätte zu einigen Unfällen kommen können

Laut dem technischen Gutachter Frank Rauland hätte es auf der waghalsigen Fahrt öfter zu Unfällen kommen können, denn unter anderem war an dem VW ein Reifen geplatzt. Nach seine Berechnungen raste der 36-Jährige mit 73 Stundenkilometern an der Polizeikontrolle vorbei.

„Ich wollte niemanden umbringen.“
Der Angeklagte

Nun wird er wohl mehrere Jahre in der Psychiatrie verbringen müssen, drei bis vier Jahre werde die Therapie mindestens dauern, führt Gutachter Schulte aus. Der Mann könne lernen, mit seiner Krankheit umzugehen, werde aber zeitlebens Schübe haben.

Der Angeklagte selbst betont, er könne sich zwar an die Tat erinnern, aber wisse nicht mehr, was er dabei gefühlt oder gedacht habe. „Ich wollte niemanden umbringen“, sagt der 36-Jährige aber. Das glaubt ihm das Gericht weitestgehend.

„Sein Zustand ist während der Taten völlig entgleist“, erklärt der Vorsitzende Richter. Das Urteil ist rechtskräftig, denn sein Anwalt Wolfgang Burkhardt bestätigt, dass man keine Berufung einlegen werde. Er begrüßt es sogar, dass sein Mandant nun in Behandlung kommt.