Die Landjugend Mönchweiler hatte zum Kreiserntedankfest Großes vor: vier Tage Programm, ein Festzelt für 2500 Besucher auf dem Sportplatz und tausende Zuschauer beim Festumzug. Doch daraus wurde nichts. Pandemiebedingt war entschieden worden, das Programm auf ein Minimum zu reduzieren. Es blieb ein Wochenende, an dem die Mitglieder der Landjugend und die Vertreter der Politik den Kern des Erntedanks in den Fokus rückten, ihre Wehmut aber kaum verbergen konnten.

Am Samstagnachmittag trafen sich Vertreter aller Landjugendgruppen des Kreises in der Alemannenhalle in Mönchweiler zu einem ökumenischen Gottesdienst. Den gestalteten die Geistlichen der drei Mönchweiler Kirchengemeinden und der Musikverein Mönchweiler.

Zu Beginn des ökumenischen Gottesdienstes ziehen die Geistlichen und der Vorstand der Landjugend Mönchweiler mit der Erntekrone in die Alemannenhalle ein.
Zu Beginn des ökumenischen Gottesdienstes ziehen die Geistlichen und der Vorstand der Landjugend Mönchweiler mit der Erntekrone in die Alemannenhalle ein. | Bild: Cornelia Putschbach

„Dankbar lebt es sich besser“, betonte der evangelische Pfarrer Jan-Dominik Toepper im Gottesdienst nach dem Einzug mit der Erntekrone, die die Landjugend Mönchweiler gebunden hatte. Die katholische Pastoralassistentin Angela Fürderer bat anschließend um den Segen für die Krone, die Erntegaben und die Landwirtschaft. Der Pastor der Freikirche, Harry Blank, war es schließlich, der in der Predigt seine Gedanken und Schlussfolgerungen zum Thema Dank mit den Gläubigen der Gemeinde teilte.

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Videowettbewerb statt Wagenbau

Ein Kreiserntedankfest ohne einen kleinen, aber wichtigen Wettbewerb unter den Landjugendgruppen ist nahezu undenkbar. In anderen Jahren wird beim Festumzug der schönste Erntewagen prämiert. In diesem Jahr forderte die Landjugend Mönchweiler die anderen Gruppen des Landkreises zu einer Video-Challenge heraus. Es galt darzustellen, wie die einzelnen Gruppen in diesem Jahr Erntedank feiern.

Bei der Siegerehrung der Videochallenge durch die Vorsitzenden der Landjugend Mönchweiler – Johannes Winterhalder (von links) und Stefanie Jäckle, sowie Schriftführerin Franziska Schwarz – verlässt Pia Hils von der Landjugend Hochemmingen mit der Goldmedallie die Bühne.
Bei der Siegerehrung der Videochallenge durch die Vorsitzenden der Landjugend Mönchweiler – Johannes Winterhalder (von links) und Stefanie Jäckle, sowie Schriftführerin Franziska Schwarz – verlässt Pia Hils von der Landjugend Hochemmingen mit der Goldmedallie die Bühne. | Bild: Cornelia Putschbach

Der Kreisvorstand der Landjugend bewertete die Filme. Die Siegerehrung erfolgte nach dem Gottesdienst. Die Landjugendgruppe aus Hochemmingen errang vor Mundelfingen und Hondingen den ersten Platz. Es folgten die Gruppen aus Weiler, Hausen vor Wald und Brigachtal. Auf den weiteren Plätzen landeten Bräunlingen, Aasen, Brigach und Dauchingen.

Vertreter von Politik und Landjugend sprechen über Erntedank

Am Sonntag gab es einen Stehempfang von Vertretern des Landkreises und der Politik, der Gemeinde Mönchweiler und der Landjugenden des Landkreises. In der Alemannenhalle stellten die Redner den Dank für eine Ernte in den Mittelpunkt. Die habe in einem pandemie- und wetterbedingt schwierigen Erntejahr wenigstens ein befriedigendes Ergebnis gebracht. Auch auf die Problematik ständiger Umstrukturierung der landwirtschaftlichen Betriebe sowie dem notwendigen Spagat zwischen Biodiversität und Klimaschutz auf der einen Seite und der Zukunft der bäuerlichen Betriebe auf der anderen wurde mehrfach hingewiesen.

Mahnung an die Verbraucher

Rudolf Fluck richtete nachdenkliche Worte an die Gäste. Mönchweilers Bürgermeister sagte, dass der Verbraucher in Deutschland in einem Land des Überflusses lebe und „den Wert einer guten Ernte gar nicht mehr sieht“. Er forderte die Verbraucher auf, auf regionale Produkte zu setzen und die einheimischen Höfe zu unterstützen.

Im Vorgriff auf die Übergabe der großen Erntekrone im Landratsamt überreichen die beiden Vorsitzenden der Landjugend Mönchweiler – Johannes Winterhalder und Stefanie Jäckle (von links) – an Landrat Sven Hinterseh vorab einen Getreidestrauß.
Im Vorgriff auf die Übergabe der großen Erntekrone im Landratsamt überreichen die beiden Vorsitzenden der Landjugend Mönchweiler – Johannes Winterhalder und Stefanie Jäckle (von links) – an Landrat Sven Hinterseh vorab einen Getreidestrauß. | Bild: Cornelia Putschbach

Auch Landrat Sven Hinterseh ist sich des Strukturwandels in den heimischen bäuerlichen Betrieben bewusst. Hinzu komme, dass sich die Bürger immer mehr von der Landwirtschaft entfernten. „Die Politik ist aufgefordert, sich dem Umweltproblem zu stellen. Der Wandel kann aber nur kommen, wenn man mit den Höfen im ständigen Austausch bleibt“, mahnte Sven Hinterseh.

Wertschätzung ist unabdingbar

Bernhard Bolkart, Vizepräsident des Badischen Landwirtschaftlichen Hauptverbandes, stellte klar, die Entscheidung chemischen Pflanzenschutz zu reduzieren sei richtig. Er forderte aber auch: „In kritischen Jahren wie diesem müssen die Landwirte auf Fungizide setzen können, sonst verlieren wir die Ernährungssicherheit.“ Darüber hinaus erbat er mehr Wertschätzung für den Berufsstand. Dazu gehöre auch, dass der Einzelhandel auf mehr Regionalität setze.