Es war ein BKA-Einsatz, der am Mittwoch unter großer Geheimhaltung im Schwarzwald-Baar-Kreis stattfand: Die Bundesanwaltschaft hat am Mittwoch aufgrund eines am Dienstag erlassenen Haftbefehls des Ermittlungsrichters des Bundesgerichtshofs den 39-jährigen sri-lankischen Staatsangehörigen Navanithan G. in Villingen-Schwenningen durch Beamte des Bundeskriminalamts festnehmen lassen.

Der Vorwurf lautet auf Mord und Terror

Gegen den Beschuldigten besteht laut einer Mitteilung der Bundesanwaltschaft der dringende Tatverdacht der Mitgliedschaft in einer ausländischen terroristischen Vereinigung. Außerdem steht der dringende Tatverdacht des Mordes und des versuchten Mordes im Raum. Der 39-Jährige soll der sogenannten "Liberation Tigers of Tamil Eelam" (LTTE), besser bekannt als "Tamil Tigers", angehört haben. In dem Haftbefehl des Bundesgerichtshofes ist im Wesentlichen folgender Sachverhalt dargelegt: Der Beschuldigte hatte sich von Ende August 2002 bis Mai 2009 in Sri Lanka der ausländischen terroristischen Vereinigung "Liberation Tigers of Tamil Eelam" (LTTE) angeschlossen. Er soll der Geheimdiensteinheit der vom Auswärtigen Amt als Separatistenorganisation bezeichneten Gruppierung angehört haben.

Minister im Pool von Scharfschütze erschossen

In dieser Funktion soll er an dem tödlichen Anschlag auf den damaligen sri-lankischen Außenminister Lakshman Kathirkamar am 12. August 2005 beteiligt gewesen sein. Der Minister wurde damaligen Medienberichten zufolge auf seinem Anwesen in der Hauptstadt Colombo von einem Scharfschützen erschossen, als er aus seinem Swimmingpool stieg.

Tod im Swimmingpool: Lakshman Kadirgamar war von 1994 bis 2001 und von 2004 bis zu seinem Tod Außenminister von Sri Lanka. Der Jurist und Diplomat wurde 2005 bei seinem Haus in der Hauptstadt Colombo von einem Scharfschützen erschossen. Kadirgamar war einer der profiliertesten Gegner der Separatistengruppe "Tamil Tigers".
Tod im Swimmingpool: Lakshman Kadirgamar war von 1994 bis 2001 und von 2004 bis zu seinem Tod Außenminister von Sri Lanka. Der Jurist und Diplomat wurde 2005 bei seinem Haus in der Hauptstadt Colombo von einem Scharfschützen erschossen. Kadirgamar war einer der profiliertesten Gegner der Separatistengruppe "Tamil Tigers". | Bild: AFP

Tamile soll an Anschlag beteiligt sein

Kathirkamar war zunächst von 1994 bis 2001 und von 2004 bis zu seiner Ermordung erneut Außenminister von Sri Lanka. Zuvor war er unter anderem in London als Rechtsanwalt tätig und für die Internationale Arbeitsorganisation (ILO) in Genf als Berater tätig. Kathirkamar war ein profilierter Gegenspieler der Tamil Tigers.

Der am Mittwoch in Schwenningen festgenommene Verdächtige soll außerdem an einem versuchten Anschlag auf den Parteiführer der "EelamPeople´s Democratic Party" (EPDP), Douglas Devananda, beteiligt gewesen sein.

Hier war der Zugriff genau

Der unter strengster Geheimhaltung stattgefundene Einsatz fand nach gesicherten Informationen des SÜDKURIER mitten in Schwenningen statt. Das hiesige Polizeipräsidium in Tuttlingen sei, so Pressesprecher Michael Aschenbrenner, über den Einsatz nicht informiert worden. Beamte des Bundeskriminalamts (BKA) stellten, so die Informationen unserer Redaktion, den Mann an seinem Wohnort sicher. Diese Adresse ist nicht weit entfernt vom Schwenninger Polizeirevier. Der Beschuldigte wurde noch am Mittwoch dem Ermittlungsrichter des Bundesgerichtshofs in Karlsruhe vorgeführt, der ihm den Haftbefehl eröffnet und den Vollzug von Untersuchungshaft angeordnet hat.

Helikopter der Bundespolizei auch in St. Georgen

Aufregung gab es in St. Georgen. Dort war am Mittwochabend gegen 21 Uhr ein Hubschrauber der Bundespolizei gelandet. Beamte entstiegen dem Helikopter und errichteten eine Straßensperre. Zahlreiche Autos wurden gefilzt. Eine Leibesvisitation wurde von Anwohnern beobachtet. Die Lande-Aktion hat nichts mit dem Zugriff auf den Terroristen zu tun. Allerdings lag der sogenannten Hubschrauber-Sprungfahndung ein Fahndungsaufruf vor, "in ganz anderer Sache", so eine Sprecherin der Konstanzer Bundespolizei.

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Blutiger Konflikt: Der Bürgerkrieg in Sri Lanka

Separatistische Bestrebungen der Tamilen auf der Insel Sri Lanka waren der Grund für den Bürgerkrieg, der von 1983 bis 2009 den Inselstaat fest im Griff hielt. Das Auswärtige Amt schätzt, dass der Konflikt zwischen 80 000 und 100 000 Tote gefordert hat. Ursache für den Bürgerkrieg waren Bestrebungen von tamilischen Separatistengruppen, im Nordteil der ansonsten von der Volksgruppe der Singhalesen bevölkerten Insel, die bis 1972 Ceylon hieß, einen unabhängigen Staat zu gründen. Der Konflikt hat auch eine religiöse Komponente: Während die Singhalesen mehrheitlich buddhistisch sind, ist die Mehrzahl der Tamilen hinduistischen Glaubens. Vor allem die sogenannten Tamil Tigers, zu denen auch der Verdächtige gehört haben soll, standen im Zentrum des Bürgerkrieges. Der ermordete Außenminister war ein profilierter Gegner der Tamil Tigers. Die Separatisten, die von mehreren Staaten, darunter auch Indien und die USA, als Terrorgruppe geführt werden, wurden 2009 militärisch geschlagen. Seitdem hat sich die Situation beruhigt.

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Sri Lankas Präsident Maithripala Sirisena (Mitte) inspiziert am Mittwoch, 16. Januar, ein Ehrenbataillon der Streitkräfte in der Hauptstadt Colombo. Seit dem Ende des Bürgerkrieges 2009 hat sich die innenpolitische Lage entspannt. | Bild: AFP