„Leider erreichen uns viele der Anfragen und Hilferufe viel zu spät“, bringt es Dunja Groneberg auf den Punkt. Vielen ihrer notleidenden Klienten könnte schneller und besser geholfen werden, wenn diese rechtzeitig ihre Scheu überwinden und sich melden würden, erklärt Groneberg, die die Familienpflege des Caritas-Verbands im Schwarzwald-Baar-Kreis leitet. Gemeinsam mit neun speziell ausgebildeten Kolleginnen bieten die Frauen Hilfe für Familien und Alleinerziehende, die in Not geraten sind. Die Gründe für diese Not sind vielfältig. Das kann ein Todesfall sein, der die Familienstruktur verändert und die Angehörigen vor unlösbare Aufgaben stellt. Genauso kann auch eine schwere Erkrankung eines Familienmitglieds ein Grund sein. In einer solchen Notsituation, die früher meist innerfamililär bewältigt wurde, springen die Familienpflegerinnen ein und machen in aller Regel nichts anderes als den Haushalt am Laufen zu halten.

Dabei habe das Wohl der Kinder immer Vorrang, erklärt Dunja Groneberg. Mit einem vernünftigen Frühstück den Tag beginnen, die Kinder rechtzeitig in Kita und Schule schicken und die Strukturen des Familienalltags am Leben erhalten – das seien oft die Hauptaufgaben der Pflegerinnen.

Die Kosten einer Familienpflegerin trägt in der Regel die Krankenkasse. Voraussetzung hierfür ist ein ärztliches Attest. Schwieriger wird es, wenn eine Familie in finanzielle Not gerät oder Trennung, Verwahrlosung oder Kindeswohlgefährdung vorliegt. Diese Einsätze kommen meist vom Jugendamt. Die Caritas bietet ein so genanntes Haushalts-Organisationstraining, kurz HOT–Programm, an. Beim Erstkontakt in den Familien stellt man hier zuerst einmal fest, wo es das größte Problem gibt. Meist müsse man dann gemeinsam ein Plan ausgearbeitet werden, wie den Betroffenen aus der ausweglos erscheinenden Situation geholfen werden kann.

Meistens ist die Unordnung der erste Punkt, an dem gemeinsam angesetzt wird. Danach wird über Haushaltsbücher gesprochen. Gemeinsam werden Prioritäten gesetzt und Lösungen gesucht, wobei sich die Hilferufe durch alle sozialen Schichten und Kulturen ziehen, erklärt Dunja Groneberg. Voraussetzung für eine funktionierende Hilfe der Caritas im Dienst der Familienpflege ist die bestehende gute Vernetzung mit den Krankenkassen, Jugendamt, den Dorfhelferinnen, Pfarrgemeinden und vielen weiteren Institutionen. Noch wichtiger aber sei, dass sich Betroffene rechtzeitig melden. „Wenn das Kind erst einmal in den Brunnen gefallen ist, ist eine Lösung immer langwieriger“, rät Dunja Groneberg dazu, sich früh Hilfe zu holen.