Alles begann mit einer Zugfahrt entlang der Schwarzwaldbahn. Vor gut 20 Jahren fiel Christoph Freudenberger auf der Strecke zwischen Triberg und Hornberg ein Haus direkt an den Schienen auf, das einen verlassenen und verwahrlosten Eindruck machte. Er begann, bei der Deutschen Bahn nachzuforschen. Diese war froh, das denkmalgeschützte Haus, wie auch viele andere Bahngebäude in den vergangenen Jahren, verkaufen zu können.

Im Wärterposten 61 nahe Triberg an der Schwarzwaldbahn ist noch vieles wie anno dazumals – behutsam saniert.
Im Wärterposten 61 nahe Triberg an der Schwarzwaldbahn ist noch vieles wie anno dazumals – behutsam saniert. | Bild: Marius Faller

Bis Anfang der Siebziger lebten Mitarbeiter der Bahn in dem Häuschen, das vermutlich um 1873 gebaut wurde. Bei der Sanierung verfolgte Christoph Freudenberger den Grundsatz: Reparatur vor Erneuerung. Der „Wärterposten 61“ hatte trotz massiver Bauschäden seinen Wert als Baudenkmal nicht verloren. Der überwiegende Teil der historischen Bausubstanz war noch vorhanden und zu retten. Alle Türen, der originale Schindelanschlag sowie viele Täfelungen und Holzböden konnten erhalten werden. Eine der größten Herausforderungen war der Anschluss der Wasser- und Abwasserleitungen, die in drei Nachtschichten unter den Gleisen verlegt wurden, wie bei fast allen Arbeiten rund um das Haus half Christoph Freudenberger mit.

Die Mühe hat sich gelohnt. Aus dem Bahnwärterhaus ist ein Feriendomizil der etwas anderen Art geworden. In Zeiten, in denen man ohne Unterbrechung vernetzt ist, können Besucher hier leben wie vor etwa 100 Jahren. „Die Resonanz der Leute ist es, die mich antreibt. Es freut mich auch, wenn mir die Gäste erzählen, dass sie ihre Handys oft liegengelassen haben und stattdessen mit ihren Kindern in der Werkstatt etwas gebastelt haben“, sagt Freudenberger. Vor dem Haus gibt es eine Holzbiege und eine Feuerstelle zum Grillen. Im Keller steht ein „Kühlschrank“, der eigentlich ein normaler Holzschrank mit Mäusegitter ist, bei Temperaturen um konstant zehn Grad bleiben Lebensmittel hier trotzdem gekühlt. Das Badezimmer im Erdgeschoss verfügt über eine Badewanne und einen holzbeheizten Wasserboiler, hier hören die Gäste beim Baden das Prasseln des Feuers.

Christoph Freudenberger heizt den Holzofen an.
Christoph Freudenberger heizt den Holzofen an. | Bild: Marius Faller

Über die anderen beiden Stockwerke verteilen sich sechs Betten, Wärme wird durch mehrere Kachelöfen erzeugt. Ein Highlight in diesem Haus ist die Küche. Vor allem der Herd mit Holzfeuerung fasziniert die Gäste. „Im Schrank liegen auch elektrische Herdplatten, genauso wie es im Keller auch einen richtigen Kühl- und Gefrierschrank gibt“, erklärt Freudenberger. Im Dachgeschoss verbergen sich eine Modeleisenbahn, viele Bücher und Holzspielzeug für die Kinder.

Ähnlich wie Christoph Freudenberger kam auch Barbara Büttner in den Besitz eines Gebäudes, das im Besitz der Deutschen Bahn war – mehr oder weniger durch Zufall. „Mein Partner und ich hatten zu der Zeit einen Hausmeisterservice und waren auf der Suche nach einem Gebäude für unsere Firmenfahrzeuge“, erzählt die 54-Jährige. „Einmal sind wir dann am ehemaligen West-Bahnhof in VS-Marbach vorbeigefahren und haben uns danach erkundigt.“ 2004 kauften Büttner und ihr Partner, Volkmar Müller, den ehemaligen Bahnhof „für etwa 140 000 Euro“, wie die gebürtige Villingerin sagt.

Barbara Büttner hat mit ihrem Partner den ehemaligen Westbahnhof in VS-Marbach auf Vordermann gebracht. Allein 52 Fenster wurden ...
Barbara Büttner hat mit ihrem Partner den ehemaligen Westbahnhof in VS-Marbach auf Vordermann gebracht. Allein 52 Fenster wurden erneuert. Bilder: Marius Faller | Bild: Marius Faller

Das Gebäude, zu dem 2000 Quadratmeter Grundstück gehören, war zu diesem Zeitpunkt in einem katastrophalen Zustand. Schmierereien verunzierten die Hauswand und Bäume und Sträucher wucherten um das Haus. „Es sah aus wie im Dschungel“, erinnert sich die gelernte Einzelhandelskauffrau. Und genau in diesem Dschungel zogen Barbara Büttner und Volkmar Müller ein. Im zweiten Stockwerk des Gebäudes gab es ein Zimmer, das bewohnbar schien. 13 Jahre lang lebten die beiden auf einer Baustelle. So lange dauerte die Sanierung des alten Marbacher Bahnhofes, der um 1861 gebaut wurde. Den Großteil der Arbeiten erledigte das Paar selbst.

Barbara Büttner in ihrem Geschäft.
Barbara Büttner in ihrem Geschäft. | Bild: Marius Faller

Sieben Türen und 52 Fenster wurden ausgetauscht, jedes Teil hatte ein anderes Maß. Wie Freudenberger wollte auch Büttner so viel wie möglich von dem denkmalgeschützten Gebäude erhalten. „Dabei kam es immer wieder zu Schwierigkeiten, da das Bauamt und das Amt für Denkmalschutz unterschiedliche Interessen verfolgt haben – das eine wollte die Unfallgefahr minimieren, das andere wollte beispielsweise den alten Boden erhalten.“ Heute sind alle Umbauarbeiten abgeschlossen, neben einem Verkaufsraum mit einer Fläche von rund 200 Quadratmetern entstand eine Wohnfläche mit noch einmal so viel Raum, die sich auf zwei Wohnungen erstreckt.

Im 19. Jahrhundert befand sich an dieser Stelle ein Holzumschlagplatz, an dem mit allen möglichen Waren gehandelt wurde. Nun, knapp 250 Jahre später, wird hier wieder gehandelt. Barbara Büttner führt inzwischen seit mehr als zwei Jahren einen Geschenkeladen, in dem sie unter anderem Skulpturen, Schmuck und Taschen aus der ganzen Welt verkauft. Zu ihren Kunden zählen vor allem Touristen und Wanderer, direkt am Westbahnhof entlang verläuft der Jakobsweg. Die Bahnlinie wird unter anderem von der Schwarzwaldbahn und dem Ringzug befahren. Manchmal hält sogar eine historische Dampflock direkt hier in der Oberen Wiesen.

So unterschiedlich die beiden ehemaligen Bahngebäude bei Triberg und Marbach auch genutzt werden, so gleich sind sich Christoph Freudenberger und Barbara Büttner in ihrem Ziel: Alte Gebäude und damit Zeitzeugen aus früheren Tagen erhalten.

Das passiert in anderen Bahn-Immobilien

  • Bahnwärterhäuschen St. Georgen: Rund fünf Jahre ist es nun her, dass das alte Bahnwärterhäuschen in St. Georgen zu einem Jugendtreff umgestaltet wurde. Damals packten viele Jugendliche gemeinsam an. Seither fanden in den vergangenen Jahren immer wieder Veranstaltungen in den Räumlichkeiten statt. Der Jugendtreff wird vom Jugendgemeinderat selbst verwaltet. Mit der Organisation gab es zuletzt Schwierigkeiten. Die Schichtpläne, die regelmäßige Öffnungszeiten möglich machen sollten, hatten viele Lücken. Geöffnet ist aus diesem Grund momentan nur gezielt für Veranstaltungen. Aufgrund von Brandschutzbestimmungen musste vor Kurzem zudem das Obergeschoss gesperrt werden, weil ein zweiter Fluchtweg fehlt. (pga)
  • Bahnhof Epfenhofen: Lange Zeit stand der Bahnhof der Blumberger Sauschwänzlebahn ahn der Museumsstrecke leer. Vor rund zweieinhalb Jahren vermieteten die zuständigen Bahnbetriebe Blumberg das Gebäude an zwei Mitarbeiter, die dort wohnen. "Mit den Miteinnahmen wollen wir das Gebäude instand halten", sagt Christian Brinkmann, Geschäftsführer der Bahnbetriebe Blumberg. Die Heizung sei schon repariert, als nächstes sind die Fenster an der Reihe. (blu)
  • Bahnhof Grimmelshofen: Diesen Bahnhof, der an der Museumsstrecke liegt, hat die Deutsche Bahn in diesem Frühjahr an eine Privatperson verkauft, die der Blumberger Museumsbahn nahesteht, berichtete Christian Brinkmann, Geschäftsführer der Bahnbetriebe Blumberg.
  • Lokschuppen Furtwangen: Am ehemaligen Endpunkt Furtwangen der Bregtalbahn findet sich ein Lokschuppen, der sich heute auf dem Gelände der Firma S. Siedle & Söhne – zwischen dem Firmengebäude Siedle und Ketterer Druckguss – befindet. 1977 wurden das Ober- und Dachgeschoss des Lokschuppens in eine Wohnung umgestaltet. Zeitweilig hat darin ein Hausmeister gewohnt, später externe Siedle-Mitarbeiter, die sich länger in Furtwangen aufgehalten haben. Zeitweise lagerten hier auch Archiv-Materialien der Firma. Der Lokschuppen wird von Siedle derzeit nicht genutzt; er steht aktuell leer. Über eine weitere Verwendung oder Umgestaltung ist bislang keine Entscheidung getroffen. (hei)