Die extrem schneereichen und kalten Winter in den 1880er Jahren trennten den Feldberg vom Rest der Welt. Skier kannte man hierzulande noch nicht. Ein Aufstieg auf den höchsten Berg des Schwarzwalds war eigentlich undenkbar. Dennoch kämpfte sich 1881 die 30-jährige Freiburgerin Fanny Mayer in einem sechsstündigen Marsch durch den heftigen Schneesturm von Menzenschwand auf den Feldberg hinauf.

Nach einer endlos scheinenden Schlittenfahrt das Albtal hinauf ließ sie sich in ihrer vornehmen und eleganten Stadtkleidung vom einheimischen Waldhüter ein Seil um den Bauch binden und damit von Schneewächte zu Schneewächte das „Menzenschwander Loch“ hinaufziehen. Schließlich hatte sie eine sehr wichtige Aufgabe zu erfüllen. Ein Telegramm ihres jüngeren Bruders Carl hatte sie an ihrer vornehmen Basler Dienststelle erreicht. Carl war der Pächter des um diese Jahreszeit verlassenen und von der Außenwelt abgeschnittenen Gasthauses „Feldberger Hof“. Es war ein Hilferuf: „Das Kind ist da. Die Frau hat das Fieber. Ich bitte Dich, komm!“

Als Fanny Mayer und der Waldhüter endlich erschöpft auf dem Feldberg ankamen, war die Schwägerin tot: Das Kindbettfieber war ihr zum Verhängnis geworden. Fanny Mayer beschloss, einige Wochen in dieser trostlosen Einöde zu bleiben und den kleinen Neffen Oskar zu versorgen. Sie ahnte da noch nicht, dass der Feldberg ihr zum Schicksal werden und ihr bisheriges Leben auf den Kopf stellen sollte. Mit ihrem Einzug erhielt das Berggasthaus seine Seele und wurde zu einem unverwechselbaren Ort. Gegen alle Widrigkeiten machte sie den „Feldberger Hof“, dessen Besitzer sie und ihr Bruder bald waren, zur „guten Stube Badens“, in der regelmäßig die vornehme Welt verkehrte – und in der 1891 der Skisport für ganz Mitteleuropa seinen Anfang nahm. Hier traf man sich auch zum Après-Ski mit Musik, Tanz und Theater.

Das nun über die Landesgrenzen hinaus berühmte Wintersporthotel wurde zum größten Arbeitgeber der Region. Rund um den Feldberg wollten junge Menschen in „Fräulein Mayers“ Dienste treten, die sie wegen ihrer Klugheit und großen Herzensgüte „Mutter“ nannten. Zu Weihnachten wurden sie von ihr reich beschenkt, die „Feldberger-Hof-Maidli“ mit weißen Leibchen mit Spitzenbesatz, Unterröcken oder mit buntgewebten Tischtüchern, die Köche mit weißen Kochkitteln und langen Unterhosen. Und für jeden gab es einen bis zum Rand mit Zuckerbrötli gefüllten Teller und ein großes Lebkuchenherz, worauf mit Zuckerguss liebevoll sein Name geschrieben war. Und da war noch etwas ganz Besonderes: Der „Feldberger Hof“ hatte nicht nur lange Zeit als einziges Haus weit und breit ein Telefon und elektrisches Licht.

Hier stand auch in jedem Jahr ein hell erleuchteter, prächtig geschmückter Christbaum, um den an Heiligabend Fanny Mayer und all ihre Schützlinge und Gäste feierlich in ihren Festtagskleidern standen und Weihnachtslieder sangen.

„Women‘s History“ im SÜDKURIER

Nach dem großen Erfolg der „Geheimnisse der Heimat“ aus Villingen-Schwenningen und Donaueschingen legt Bast Medien nun mit dem ersten deutschsprachigen Geschichtsmagazin über Frauen nach. Bei den Recherchen für die Buchreihe stellten die Journalisten fest, dass es unglaublich viele spannende Frauen gab, deren Geschichten erzählt werden wollen.

Wie schon die „Geheimnisse“ begleitet der SÜDKURIER auch „Women‘s History“: So erscheint in unserer Region mit jeder Ausgabe der Zeitschrift als Extra ein Booklet, das auf das Magazin aufgeklebt ist und ausschließlich lokale historische Themen präsentiert. Der SÜDKURIER begleitet das Projekt mit der Serie „Frauen in der Geschichte“, die aus drei weiteren historischen lokalen Frauen-Geschichten besteht, die es nur im SÜDKURIER zu lesen gibt. Das Magazin „Women‘s History“ samt Booklet ist erhältlich in den SÜDKURIER-Geschäftsstellen, unter www.womens-history.de/abo, sowie im Zeitschriftenhandel