Die neue und erste Präsidentin der Industrie- und Handelskammer (IHK) ist jetzt am Start. Bei einem Sommerfest trat Birgit Hakenjos-Boyd erstmalig vor einem größeren Publikumskreis auf. Bewusst ausgewählt als Ort der Begegnung war der Skulpturengarten der Erich-Hauser-Stiftung in Rottweil. Über 200 Gäste feierten bis weit nach Sonnenuntergang.

In der weitläufigen und mit zahlreichen Edelstahlplastiken gespickten Parklandschaft der Erich-Hauser-Stiftung in Rottweil sollten die Gäste Inspirationen finden, wie die Wirtschaftsregion künftig weiter erfolgreich vorangebracht werden kann. So die Intention von Birgit Hakenjos-Boyd.

Sie betonte in ihrer Rede die drei Kernpunkte, für die sie sich zu Beginn ihres Präsidentenamtes bei der IHK intensiv einsetzen will: „Fachkräfte, Unternehmens- und Standortförderung.“ Die Region solle auf diesen drei Gebieten schnell und spürbar vorankommen.

Gut gelaunt beim IHK-Sommerabend. IHK-Präsidentin Birgit Hakenjos-Boyd.
Gut gelaunt beim IHK-Sommerabend. IHK-Präsidentin Birgit Hakenjos-Boyd. | Bild: Sprich, Roland

In Sachen Fachkräfte hat Hakenjos-Boyd insbesondere die hohe Zahl der Studienabbrecher im Visier. Rund ein Drittel der Studienanfänger „rennt sich in den ersten Semestern den Kopf ein. Diese jungen Leute verlieren wertvolle Lebenszeit.“ Hier sei eine Ausbildung oder ein Studium plus die bessere Wahl. Die Präsidentin setzt auf eine Kultur der zweiten Chance.

Im Bereich Unternehmensförderung möchte Hakenjos-Boyd den Hebel am „größten Hindernis, der Bürokratie“ ansetzen. Am Beispiel des „Monstrums Datenschutz-Grundverordnung“ verwies sie auf die Unterstützung durch die IHK, die praktische Unterstützung anbiete. Man müsse alles daran setzen, die Wettbewerbsfähigkeit zu erhalten.

Lobende Worte fand die neue IHK-Präsidentin die Zusammenarbeit mit dem Regierungspräsidium Freiburg. Hier habe man gemeinsam die Prioritätenliste für den Ausbau der Verkehrsinfrastruktur erarbeitet. Sie wünsche sich, dass auch in anderen Bereichen die Standortförderung so gut vorankommen würde, Stichwort Breitbandausbau. Hier würden sich Landkreise und Kommunen ebenfalls engagiert einsetzen. Allerdings hänge die Förderung derzeit in der Luft. „Es kann nicht sein, dass zugesagte Gelder in den Ministerien hängen bleiben.“

Regierungspräsidentin Bärbel Schäfer betont in ihrer Rede die Investionen in den Ausbau der Verkehrsinfrastruktur.
Regierungspräsidentin Bärbel Schäfer betont in ihrer Rede die Investionen in den Ausbau der Verkehrsinfrastruktur. | Bild: Sprich, Roland

Regierungspräsidentin Bärbel Schäfer nahm den Ball der erfolgreichen Zusammenarbeit gerne auf und gab ihn zurück. „Die Industrie- und Handelskammern sind seit jeher Bindeglied zwischen den unterschiedlichen Akteuren aus Wirtschaft, Wissenschaft, Verwaltung, Politik und Zivilgesellschaft.“ Nur wenn alle Akteure an einem Strang zögen, könne Erfolg entstehen. „Wir brauchen uns vor großen Metropolen nicht zu verstecken. Wo ländlicher Raum draufsteht, steckt geballte Wirtschaftskraft drin“, so die Regierungspräsidentin. Der Rohstoff Baden-Württembergs sei der hervorragende Erfindergeist.

Um diese Spitzenposition halten zu können, müssten aber auch die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen aktiv gestaltet werden, sagte sie mit Blick auf Digitalisierung, Bildung und die speziellen Herausforderungen wie Wohnraum, nachhaltige Mobilität und Gesundheit. Dabei nannte Schäfer beispielhaft die Investitionen, die derzeit in der Region im Bereich Verkehr getätigt werden. Von den Ortsumfahrungen Behla und Randen über den 30 Millionen Euro teuren Ausbau der B 27 in Donaueschingen bis hin zur Planung der Talumfahrung Schramberg. Auch der Lückenschluss der B 523 bei Villingen könne dank politischer Hartnäckigkeit auf den Weg gebracht werden.

Klar wurde: Die Region schaut derzeit alles andere als in die Röhre. Selbstbewusst tafelten an schicken, weißen Sitzgruppen die großen Wirtschaftskapitäne der Region. Harald Marquardt aus Rietheim-Weilheim, Tisch an Tisch mit Clemens Rosenstiel von IMS Gear, dazwischen Thomas Albiez, Rüdiger Schewe und Steffen Würth von der IHK. Leiter von Bildungseinrichtungen wie Hochschulrektor Rolf Schofer oder Thomas Ettwein vom Technischen Gymnasium erwiesen der neuen Präsidentin an diesem Abend ebenso die Ehre wie VS-OB Rupert Kubon und die Rathauschefs Andreas Braun (Unterkirnach), Jürgen Roth (Tuningen). Aus dem Landtag weilte Martina Braun (Die Grünen) vor Ort.

Ein Einstand wie aus dem Bilderbuch für Birgit Hakenjos-Boyd. Ohne Frage: Die Unternehmerin aus Schwenningen ist in ihrer neuen Berufung mit viel Freude und Tatendrang angekommen. Der Sommerabend ließ die Verantwortungsträger der Region wieder ein Stück weit mehr zusammenwachsen, ein Effekt, den die Veranstalter möglicherweise im kommenden Jahr weiter pflegen wollen.