Sie setzen sich für eine freie, rechtsstaatlich organisierte und demokratische Gesellschaft ein, haben keine kleinen Kinder mehr und Zeit, sich politisch zu organisieren: Die „Omas gegen Rechts“ sind ältere Frauen, organisiert in einer zivilgesellschaftlichen, überparteilichen Initiative, um ihre Stimme gegen die Probleme und Fragestellungen der heutigen Zeit zu stellen. Sie möchten Missstände in der Politik öffentlich machen und richten sich gegen faschistische Tendenzen, Fremdenfeindlichkeit, Ausgrenzungen Behinderter, alter Menschen und Ausländern, Rassismus, Frauenfeindlichkeit und Sozialabbau.

Das Vorbild stammt aus Österreich

Die Initiative wurde nach Vorbild der gleichnamigen Bewegung aus Österreich bereits Ende Januar 2018 in Deutschland gegründet. 48 Regionalgruppen gibt es bereits in Deutschland, und weitere befinden sich in Gründung. Auch im Schwarzwald-Baar-Heuberg formieren sich nun die „Omas gegen Rechts“. Am Mittwochabend trafen sich elf überwiegend ältere Damen zu ihrem dritten Treffen, um sich in einer Vorstellungsrunde kennenzulernen.

Sorge vor Anfeindungen aus dem rechten Spektrum

Aus Sorge um Anfeindungen gegen sich und ihre Familien, möchten sie, bis sie sich konstituiert haben und die ersten Aktionen gestartet werden können, noch nicht namentlich in der Öffentlichkeit genannt werden. Der Tatendrang, der von den Großmüttern ausgeht, war jedoch deutlich zu spüren.

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„Rechts haben wir gehabt und brauchen wir nicht mehr und Oma bin ich auch“, sagt eine ehemalige Lehrerin. Sie habe lange auf so eine Initiative gewartet. Eine Uroma ist auch dabei und hat das alles schon einmal miterlebt: Ihre Erfahrungen seien wichtig für die Initiative. Diese Menschen brauche man, die die Geschichte noch erlebt haben, so eine der Organisatorinnen. „Es ist wichtig, dass wir ältere Damen mit viel Lebenserfahrung ansprechen, um sie für die Initiative gewinnen zu können.“

Erkennbar sind die Omas an einem Button, den sie tragen. Einen Flyer haben die Teilnehmerinnen seit Mittwoch auch immer dabei. Eine andere Teilnehmerin ist ganz begeistert von der Idee und findet den Namen ganz toll, während sich andere schon auf die Aktionen im öffentlichen Raum gegen den Rechtspopulismus freuen. Eine Dame berichtet davon, dass sie in Österreich zu den Omas gekommen sei, und es ihr ein inneres Bedürfnis wäre, Stellung zu nehmen und sich gegen den Mob zu stellen. „Heinz-Christian Strache, Politiker der rechtspopulistischen FPÖ, hat die zwei Frauen, die die „Omas gegen Rechts“ in Wien gegründet haben, als blöde Alten bezeichnet. Das macht deutlich, für was er steht.“

Auch die Umwelt ist ihnen ein Anliegen

Auch für einen verantwortungsvollen Umgang mit der Umwelt und einer lebenswerten Zukunft stehen die Omas und stellen sich hinter die Fridays for Future-Demonstrationen der Schüler. Man habe eine Einladung erhalten, als Einzelpersonen dazuzukommen, aber nicht als Gruppierung. Kritisch und mit Sorge betrachtet wurde unter anderem die Kreistagswahl, bei der die AfD drei Mandate gewinnen konnte.

Weitere Treffen sind geplant

Wie geht es nun weiter mit den Omas im Schwarzwald-Baar-Kreis? Erste Aufgabe ist es, ein Organisationsteam zu finden und zukünftige Aktionen zu planen. Um sich für das nächste Treffen vorzubereiten, erhielten die Teilnehmerinnen eine vorläufige Sammlung von Fakten über den rechten Populismus und ein Leitfaden für den Umgang mit rechten Argumentationen. Über beides soll beim nächsten Treffen diskutiert werden. Um Aktionen vorbereiten zu können, will man sich bei den Freiburger Omas Anregungen holen, die bereits schon sehr aktiv sind.