So viel Politprominenz sieht man im Haus des Gastes in Blumberg-Achdorf selten. Das Versammlungshaus des 420 Einwohner zählenden Dorfes war jetzt Schauplatz für den Praxis-Start des Naturschutzgroßprojektes (NGP) Baar.

  • Was ist das Naturschutzgroßprojekt? Rund zehn Jahre nach den ersten Anstößen wird das bislang in Form eines detaillierten Pflege- und Entwicklungsplans vorbereitete NGP-Projekt nun umgesetzt. In den kommenden zehn Jahren investieren vor allem Bund und Land, aber auch die beiden Landkreise Schwarzwald-Baar und Tuttlingen rund 8,5 Millionen Euro in 17 Fördergebiete mit insgesamt 4289 Hektar Fläche. Erklärtes Ziel ist es, die besondere Biotop-Vielfalt der Baar zu schützen und zu stärken. Das NGP ist bundesweit das 80. seiner Art seit Einführung dieser Maßnahmen im Jahr 1979. 500 Millionen Euro wurden in den vergangenen knapp 40 Jahren deutschlandweit in diese Projekte investiert. In Baden-Württemberg ist es jedoch erst das sechste seiner Art.

Die entsprechende Finanzgrundlage sichert jetzt der offizielle Förderbescheid, der in Achdorf von Rita Schwarzelühr-Sutter, der Parlamentarischen Staatssekretärin im Bundesumweltministerium, an den baden-württembergischen Umweltstaatssekretär Andre Baumann übergeben wurde. Dieser reichte ihn unmittelbar weiter an die Vertreter der beiden involvierten Landkreise, Landrat Sven Hinterseh und Vizelandrat Stefan Helbig.

  • Was war die Vorgeschichte? Bis es zur feierlichen Übergabe dieses Förderbescheides kommen konnte, war knapp ein Jahrzehnt Vorlauf nötig, um beispielsweise schützenswerte Areale ausfindig zu machen und zu dokumentieren. Und es war viel Überzeugungsarbeit notwendig. Vor allem Landwirte in der Region hatten Bedenken, durch das Naturschutzgroßprojekt Baar benachteiligt zu werden.
  • Warum ist die Baar so wertvoll? Die Baar ist schützenswert, weil sich hier verschiedene Lebensräume mit ihrer Pflanzen- und Tierwelt treffen und so eine große Artenvielfalt mit vielen kleinteiligen Biotopen entsteht. Außerdem ist das Gebiet zwischen Schwarzwald und Schwäbischer Alb ein beliebter Rastplatz für Zugvögel. Durch die Verbindung von vielen kleinen Naturschutzgebieten zu einem großen Verbund soll gesichert werden, dass sich die einzelnen Lebensräume nicht abkapseln und sich gegenseitig ergänzen.
Hier werden Zuschuss-Zusagen in Millionenhöhe überreicht (von links): Rita Schwarzelühr-Sutter (Bundesumweltministerium), Andre Baumann (Landesumweltministerium), Landrat Sven Hinterseh (Schwarzwald-Baar-Kreis), Vizelandrat Stefan Helbig (Kreis Tuttlingen) und Projektleiter Thomas Kring.
Hier werden Zuschuss-Zusagen in Millionenhöhe überreicht (von links): Rita Schwarzelühr-Sutter (Bundesumweltministerium), Andre Baumann (Landesumweltministerium), Landrat Sven Hinterseh (Schwarzwald-Baar-Kreis), Vizelandrat Stefan Helbig (Kreis Tuttlingen) und Projektleiter Thomas Kring.

Und auch der Klimaschutz spielt eine bedeutende Rolle. Die Baar soll in Zukunft Lebensraum für jene Arten bereithalten, denen es durch die Klimaerwärmung am Oberrhein und am Bodensee zu warm wird. Außerdem sollen die geschützten Hochmoore als natürliche und kostengünstige Kohlendioxidspeicher dienen.

  • Was sagt die Politik zum NGP? Bei der Feierstunde lobte Staatssekretärin Schwarzelühr-Sutter: "Solche Naturschutzprojekte spielen in der Königsklasse. Es sind Juwelen, deren Naturschätze wir guten Gewissens an unsere Kinder weitergeben können." Auch Landesstaatssekretär Baumann betonte die Relevanz des NGP: "Unsere Herausforderung ist der Erhalt der biologischen Vielfalt." Er unterstrich, dass die Landwirtschaft bedrohte Kulturlandschaften erhalte und deshalb ebenfalls eine wichtige Rolle spiele.