Schwarzwald-Baar – Fälle von Missbrauch und sexuellen Übergriffen auf Kinder haben den Gesetzgeber veranlasst, über das Sozialgesetzbuch den Kinderschutz bei freien Trägern, Vereinen und Verbänden zu regeln und zu verankern.

Doch es gibt noch größere Lücken beim Kinderschutz – und dagegen muss das Kreisjugendamt etwas unternehmen, wie jetzt im Jugendhilfeausschuss des Kreistags deutlich wurde.

  • Grundlage: Ein zentrales Element für den Kinderschutz sind verlässliche, feste Standards in den Vereinen. Dazu gehört beispielsweise, dass einschlägig vorbestrafte Leute keinen Umgang mit Kindern haben dürfen, etwa als Trainer. Und dass ein Präventions- und Schutzkonzept erstellt wird, um sexuelle Übergriffe auf Kinder zu vermeiden. Verbindlich fixiert wird dies in einer Sicherstellungsvereinbarung, die der Verein, Verband oder freie Träger mit dem Kreisjugendamt abschließt.
  • Problem: Im Schwarzwald-Baar-Kreis haben bislang erst 106 von etwa 500 Vereinen, Verbänden und freien Trägern eine Sicherstellungsvereinbarung abgeschlossen. Damit darf sich das Kreisjugendamt aber nicht zufriedengeben. Es ist gesetzlich dazu verpflichtet, darauf hinzuwirken, dass alle Anbieter von Kinder- und Jugendarbeit Sicherstellungsvereinbarungen abschließen. Umgekehrt sind die Vereine, Verbände und freien Träger aber nicht zu einer solchen Vereinbarung verpflichtet.
  • Lösungsansatz: Das Kreisjugendamt will zunächst weiter auf Freiwilligkeit und einen positiven Anreiz in Form eines neuen Gütesiegels setzen. Es soll an alle freien Träger, Vereine und Verbände vergeben werden, die sich in besonderem Maße beim Kinderschutz engagieren. Dem Kreisjugendamt ist klar, dass das Siegel keinen absoluten Schutz gegen Missbrauch gewährleistet. Durch die Vergabe soll dieses wichtige Thema aber mehr Aufmerksamkeit bekommen und zu mehr Sicherheit, mehr Schutz für Kinder und Jugendliche beitragen. Freilich spricht das Kreisjugendamt in der Sitzungsvorlage auch die Möglichkeit an, die finanzielle Förderung vom Abschluss einer Sicherstellungsvereinbarung abhängig zu machen – was man aber „zum jetzigen Zeitpunkt“ nicht wolle.
  • Diskussion: Gunther Dreher (CDU-Kreisrat) fand es „bedauerlich“, dass die Vereinbarung keine gesetzliche Verpflichtung sei, und erwog, „sanften Druck und finanzielle Zuwendungen mit dem Gütesiegel zu koppeln“. Für Beate-Berg-Haller (Grüne) war das Gütesiegel „der richtige Weg“. Sie hat kein Verständnis dafür, „wenn Jugendtrainer kein erweitertes Führungszeugnis vorlegen“. Schließlich könne man „Kinder- und Jugendschutz nicht hoch genug ansetzen“. Den „sanften Weg der Verwaltung“ hielt Edgar Schurr „für richtig“. Zudem sprach der SPD-Vertreter die hohe bürokratische Hürde an, die die Vereinbarung vor allem für Vereinsvorstände bedeute. Jugendamtsleiterin Silke Zube machte die hohe Bedeutung der mit der Vereinbarung verbundenen Schulungen neben den Sicherheitszeugnissen deutlich. Darüber hinaus zeige das Gütesiegel beispielsweise Eltern, dass sich ein Verein offiziell dem Kinderschutz verpflichtet habe. Auch das Jugendamt der Stadt Villingen-Schwenningen möchte laut Kreisverwaltung ein entsprechendes Gütesiegel einführen.