Was sollte ein Ticket für die Fahrt mit Bus, Bahn und Ringzug im Schwarzwald-Baar-Kreis kosten? Geht es nach dem Kulturverein "Not my Limba" sind zwei Euro für ein Ticket genug. Der Verein aus VS hat eine Unterschriftenaktion initiiert, die sich für günstigere Preise im öffentlichen Nahverkehr ausspricht. Etwa 700 Personen haben nach Angaben des Vereins bereits unterschrieben. Grund genug, um bei Landrat Sven Hinterseh, der auch Vorsitzender des Zweckverbandes Ringzug ist, nachzufragen, wie die Aktion von den politisch Verantwortlichen wahrgenommen wird.

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Thema hat hohe Berechtigung

"Ich verfolge die Aktivität des Vereins mit Interesse und mit Sympathie. Das Thema ist wichtig, hat eine hohe Berechtigung und ich freue mich, dass die Bürger sich mit dem Thema ÖPNV konstruktiv auseinandersetzen", erklärt Sven Hinterseh. Grundsätzlich sei, so der Landrat, der Ringzug ein absolutes Erfolgsmodell, dessen Angebot besser angenommen werde, als bei der Einführung vor knapp 20 Jahren vermutet wurde. Über die Jahre sei das Angebot an Bussen und Bahnen kontinuierlich ausgebaut worden. Dabei soll es jedoch nicht bleiben. Auch in der kommenden Legislaturperiode nach der Kommunalwahl im Mai, bei der auch ein neuer Kreistag gewählt wird, soll der öffentliche Nahverkehr eines der zentralen Themen bleiben.

Landrat Sven Hinterseh spricht mit SÜDKURIER-Redakteur Kevin Rodgers im Landratsamt über die Herausforderungen für den öffentlichen Nahverkehr
Landrat Sven Hinterseh spricht mit SÜDKURIER-Redakteur Kevin Rodgers im Landratsamt über die Herausforderungen für den öffentlichen Nahverkehr | Bild: Heike Frank

Preise sind politische Entscheidung

Die Preisgestaltung, die ja auch der Stein des Anstoßes für die Unterschriftenaktion ist, sei letztlich eine politische Entscheidung, erklärt der Landrat. Der Schwarzwald-Baar-Kreis ist in insgesamt zehn Tarifzonen unterteilt. Je nach dem, wie viele Zonen auf der Fahrt tangiert werden, steigt der Preis in vier Stufen an. "Bei der Einführung wurde darauf geachtet, dass alle Kommunen in einer Tarifzone liegen", so Sven Hinterseh. Schließlich seien vor allem die kleineren Gemeinden auch stolz auf ihre Selbstständigkeit. Zudem wirbt der Landrat für die regelmäßige Nutzung des ÖPNV. "Die Kosten sinken mit einem Abonnement deutlich. Im Gegenzug sind die Einzelfahrkarten etwas teurer. Aber wir können das System auch nicht ausschließlich mit Gelegenheitsfahrern betreiben."

Ein Ringzug im Villinger Bahnhof.
Ein Ringzug im Villinger Bahnhof. | Bild: Jochen Hahne

Nahverkehr muss finanziert werden

Die Fahrgelderlöse des Verkehrsverbundes Schwarzwald-Baar (VSB) bringen jährliche Erlöse von acht Millionen Euro. Das sind lediglich 51,8 Prozent der Erträge. Der Rest wird über Zuschüsse, Ausgleichszahlungen, die Schülerbeförderung und über die Reklame an den Fahrzeugen eingenommen. Grundsätzlich müsse das Geld für das Angebot generiert werden. Dabei gebe es zwei Ansätze. Zum Einen könnte der Nahverkehr komplett über Steuergelder finanziert werden. Im Extremfall fielen für die Nutzung von Bus und Bahn dann keine direkten Kosten an. Anders im Mischsystem, wie es auch im Landkreis praktiziert wird. Hier zahlt der Nutzer für die Dienstleistung, während die öffentliche Hand mit Steuergeld subventioniert. Letztlich, so Sven Hinterseh, müsse der Nahverkehr jedoch so oder so finanziert werden: "Die Frage nach dem richtigen Preis bleibt eine politische Entscheidung."

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Das ist das Ziel der Unterschriftenaktion

Der Kulturverein „Not my Limba“ setzt sich im Vorfeld der Kommunalwahlen im Mai dafür ein, dass die Tarife für den ÖPNV attraktiver gestaltet werden sollen. Konkret lautet die Forderung, ein Kurzstreckenticket für einen Euro anzubieten und für alle anderen Fahrten innerhalb des Landkreises zwei Euro zu verlangen. Mittlerweile hat der Verein nach eigenen Angaben etwa 700 Unterschriften gesammelt. So hat beispielsweise in Grüningen beinahe jeder erwachsene Einwohner unterschrieben. Bislang kostet eine Einzelfahrt für einen Erwachsenen bei einer Zone 2,30 Euro, zwischen zwei Zonen 3,50 Euro, ab drei Zonen 5,20 Euro und für das gesamte Tarifgebiet 6,80 Euro. Bei Hin- und Rückfahrt lohnt sich ein Tagesticket. Dem Verein geht es nach eigenen Angaben auch um ein politisches Umdenken hin zu einer nachhaltigeren Mobilität. (kbr)