Schwarzwald-Baar – Die Umsetzung der neuen, durchgehende Vernetzung der Zentren Freiburg, Donaueschingen und Villingen mit elektrisch betriebenen Zügen wird aufs Gleis gesetzt. Aktuell haben die ersten Bauarbeiten begonnen, ab Mai soll es an der Höllentalbahn Ost richtig losgehen. Die Strecke soll dann bis Oktober 2019 gesperrt bleiben.

Schon jetzt weckt das komplexe Bauprojekt Breisgau-S-Bahn 2020 Interesse. In der Dögginger Gauchachhalle nutzten am Mittwoch gut 100 Zuhörer aus der „neuen“ Region Schwarzwald-Baar und Breisgau-Hochschwarzwald die Gelegenheit, sich ausführlich zu informieren. Ein großes Team aus Experten des Zweckverbands Regio-Nahverkehr Freiburg (ZRF) und der Deutschen Bahn (DB) hatte zahlreiche Details zum Bauprojekt parat. Und stand Rede und Antwort zu einem Konzept, das die Kreisgrenzen von Schwarzwald-Baar und Breisgau überwindet.

  • Bauprojekt: Die neue umsteigefreie und durchgängig elektrifizierte Höllentalbahn zwischen Neustadt und Donaueschingen soll zum Fahrplanwechsel im Dezember 2019 zur Verfügung stehen. Es warten aufwändige Arbeiten, um die Elektrifizierungslücke zwischen Neustadt und Donaueschingen zu schließen: An fünf Tunnelbauwerken müssen beispielsweise die Schienen um bis zu 70 Zentimeter abgesenkt werden. Statt der herkömmlichen Oberleitung müssen im Tunnel Stromschienen eingebaut werden. Der Schwarzwald-Baar-Kreis beteiligt sich mit 14,7 Millionen Euro. Wobei es um mehr als nur die reine Bahntrasse geht.Verbesserte Flucht- und Rettungsmöglichkeiten werden geschaffen: Für den Fall, dass Züge im Tunnel stehen bleiben, müssen Ausstiegshilfen und Sammelplätze für Reisende und Rettungskräfte neu angelegt werden. Bahnhöfe und Bahnsteige werden ausgebaut, die Bahnsteige müssen erhöht und auf 140 Meter Länge vergrößert werden, damit die neuen Elektrozüge einfahren können. Die Stationen bekommen neue Beleuchtungsanlagen, Unterstände für den Wetterschutz und Einrichtungen zur aktuellen Fahrgastinformation.
  • Umsetzung: Die umfangreichen Arbeiten haben freilich ihre Folgen: Vom 1. Mai diesen Jahres bis Ende Oktober 2019 ist die Strecke gesperrt. Weil das Material auf den Schienen zur Baustelle transportiert werden muss, wird ein Tunnel nach dem anderen erneuert. Insgesamt werden 9500 Meter Gleis komplett erneuert, außerdem stellen die Steilstrecken ganz eigene Herausforderungen dar: Eine Lok hat inzwischen schon schlapp gemacht und musste ersetzt werden, was unerwartet Verzögerungen mit sich brachte, erläutert Projektleiterin Peggy Bretfeld von der DB Netz AG.
  • Ersatzbusse: Eineinhalb Jahre Bauzeit bedeuten auch, dass 40 Busse eingesetzt werden müssen, um die bisher jährlich 1,4 Millionen Zugkilometer durch vier Millionen Buskilometer zu ersetzen: Schienenersatzverkehr, der während der Bauzeit über die Bundesstraße B 31 rollt. Insgesamt 60 Busfahrer, zum Teil aus dem europäischen Ausland, mussten gefunden werden, damit die Busse auf sechs unterschiedlichen Linien durch das Höllental, Kirchzarten, Titisee-Neustadt, Seebrugg oder über Löffingen nach Donaueschingen gesteuert werden können.
  • Ausblick: Ende kommenden Jahres soll sich die neue Höllentalbahn neue Freunde machen mit schnelleren Verbindungen und einem deutlich ausgebauten Fahrplan. Jährlich werden dann 2,9 Millionen Zugkilometer gefahren. 24 neue drei- und vierteilige Elektrobetriebszüge werden zwischen Freiburg und Villingen verkehren, mit jeweils 164 oder 246 Sitzplätzen und 24 oder 35 Stellplätzen für Fahrräder. Wobei sich Döggingens Ortsvorsteher Dieter sehr vom Ausbau überzeugt zeigte, aber auch darauf hinwies, dass mit einer durchgängig nutzbaren Regiokarte die Fahrpreise attraktiv gestaltet werden sollten.

Bahnhofsumbauten

Der Ausbau der Höllentalbahn Ost zwischen Neustadt und Donaueschingen stellt Planer und Baufirmen vor große Herausforderungen, zu denen auch mehrere Bahnhofsumbauten gehören.

  • Bahnhof Neustadt: Der Bahnsteig an Gleis 1 wird auf 210 Meter ausgebaut und barrierefrei. Der Mittelbahnsteig erhält zwei Aufzüge.
  • Haltepunkt Rötenbach: Der vorhandene Bahnsteig wird um 50 Meter Richtung Westen verlängert. Eine Rampe vor der Bahnhofstraße soll Barrierefreiheit sicherstellen.
  • Kreuzungsbahnhof Löffingen: Der bestehende Hausbahnsteig an Gleis 1 wird nach Westen verschoben. Westlich Gleis 2 wird ein neuer Außenbahnsteig gebaut. In Löffingen können gleichzeitig zwei Züge aus verschiedenen Richtungen einfahren, um das Fahrplankonzept einzuhalten. Ein elektronisches Stellwerk wird das mechanische ersetzen.
  • Bachheim und Unadingen: Bahnsteige müssen um 80 und 60 Meter verlängert werden. Rampen ermöglichen Barrierefreiheit.
  • Kreuzungsbahnhof Döggingen: Die Gleisanlagen müssen umfassend umgebaut werden. Die Außenbahnsteige werden durch einen Mittelbahnsteig ersetzt. Der Bau einer Rettungszufahrt zum angrenzenden Tunnel ist vorgesehen. Barrierefreiheit wird durch einen Überweg über Gleis 1 und eine Zugangsrampe sichergestellt. Ein elektronisches Stellwerk ersetzt das mechanische.
  • Bahnhof Hüfingen Mitte: Der Bahnsteig muss um 30 Meter Richtung Donaueschingen verlängert werden. Mit der Einführung des Ringzugs wurde er bereits barrierefrei ausgebaut. (bea)