Maschinenbau, Medizintechnik, Mittelstand: Die Region Schwarzwald-Baar-Heuberg gehört zu den industriedichtesten Räumen in Baden-Württemberg. Durch die seit Jahren starke Konjunktur sind die Auftragsbücher voll.

Das Rückgrat der heimischen Industrie besteht aus zwei Sorten von mittelständischen Unternehmen. Die einen sind seit vielen Jahrzehnten an ihrem Standort fest verwurzelt. Die anderen sind Neugründungen. Viele Firmen, egal ob neu oder alteingesessen, eint neben dem Fachkräftemangel aber ein weiteres Problem: das Fehlen von passenden Gewerbeflächen.

Aber woher genau kommen die Probleme – und was wären Lösungsansätze? Antworten darauf soll eine gemeinsame Untersuchung von Industrie- und Handelskammer (IHK) und Regionalverband Schwarzwald-Baar-Heuberg (siehe Infokasten) liefern.

Grundsätzlich haben viele Firmen, die ihre Produktion erweitern wollen, zunehmende Probleme bei der Weiterentwicklung an ihren jeweiligen Stammsitzen. Auch die Suche nach geeigneten, in Pendelentfernung gelegenen Flächen gestalte sich schwierig, stellt die Studie fest. Vor allem an zentralen Orten der Region bestünde oft Flächenknappheit. Darüber hinaus seien naturschutzrechtliche Hürden zu verzeichnen.

Nach der Einschätzung der befragten Unternehmen gibt es in der Region einen Mangel insbesondere an großen, zusammenhängenden Flächen. Viele Unternehmen würden deshalb auch zögern, entsprechende Flächen konkret nachzufragen.

Erschwerend kommt hinzu, dass viele Firmen durch Optionen Flächen reservieren, sie dann jedoch langfristig nicht bebauen. Außerdem gebe es in der Region eine Reihe von Gewerbebrachen, die ein bisher ungenutztes Potenzial bieten.

Die Option, Gewerbeflächen zu mieten, könnte die Situation durchaus entschärfen. Allerdings fehlten auch hier die entsprechenden Angebote.

Dabei sind es nicht nur die Flächen selbst, die beachtet werden müssen. Der Bericht weist auch auf das Verhältnis von Wohngebieten und Gewerbeflächen, Umweltschutzaspekte und Verkehrsthemen hin. Gewerbeflächen sollten gut an die Hauptverkehrsachsen angebunden sein, damit auch pendelnde Arbeitnehmer angesprochen werden. Auch der öffentliche Verkehr spiele bei der Mitarbeitersuche eine immer wichtigere Rolle.

Gemeindeübergreifende Lösungen

Die Kommunen versuchen indes mit großem Engagement, die Unternehmen an ihre Gemeinden zu binden – wie beispielsweise St. Georgen. „Wir tun unser Möglichstes, um die Firmen bei der Neuansiedlung zu unterstützen“, erklärt Andrea Laube, die Pressesprecherin der Stadt. Im Rathaus sei das Thema Chefsache.

Bürgermeister Michael Rieger kümmere sich persönlich um die Unternehmen, beispielsweise mit der Vermittlung von Gesprächspartnern im dafür zuständigen Landratsamt. „Wir achten auch darauf, dass wir Anfragen von Firmen möglichst schnell durch den Technischen Ausschuss und den Gemeinderat bekommen“, so Andrea Lauble.

Das Engagement in den Städten und Gemeinden der Region wird auch von der regionalen Wirtschaft durchaus honoriert. Allerdings kommen nicht alle Behörden so gut weg.

Kritisch sehen die Vertreter der Kommunen die sehr restriktiv empfundene Haltung des Freiburger Regierungspräsidiums als Genehmigungsbehörde für die Flächennutzungsplanung. Besonders die Behäbigkeit bei der Neuausweisung von Flächen dauert aus Unternehmersicht derzeit zu lange. Firmen planten in der Regel mit einem bis zwei Jahren Vorlauf.

Neben der Aktivierung von Brachflächen und Mietangeboten wünschen sich die Firmen zuvorderst solche Entwicklungskonzepte, die gemeindeübergreifende Gewerbeflächen ermöglichen. Außerdem fordern die Unternehmen, die Standortplanungen besser auf neue Infrastrukturprojekte abzustimmen.

Neue Studie

Bereits 2017 haben der Regionalverband Schwarzwald-Baar-Heuberg und die Industrie- und Handelskammer (IHK) das Thema Gewerbeflächenmangel mit dem Institut für Stadt- und Regionalentwicklung (IfSR) der Hochschule Nürtingen angepackt. In teils vertraulichen Gesprächen mit Kommunalpolitikern und Unternehmensvertretern wurden die Hürden bei der Suche nach neuen Gewerbeflächen ausgemacht und verschiedene Lösungsansätze entwickelt. Die Ergebnisse dieses Prozesses werden kommende Woche in einem Bericht der beiden Verbände vorgestellt, der dem SÜDKURIER bereits vorliegt.