Pünktlich fährt die Mercedes E-Klasse mit Verkehrsminister Winfried Hermann am Montagnachmittag vor dem Klausenhof in Schonach vor. Als der Grüne aus dem Auto mit kombinierten Benzin-Elektro-Antrieb steigt, wird er vom CDU-Landtagsabgeordneten Karl Rombach schon erwartet – gemeinsam mit Sohn Michael und Enkel Elias, der bündnisgrünen Landtagsabgeordneten Martina Braun und Landrat Sven Hinterseh (CDU).

Das kleine grün-schwarze Gipfeltreffen oben im Schwarzwald geht auf Rombachs Initiative zurück: Er ist Vorsitzender des Verkehrsausschusses im Landtag, was ihn zum parlamentarischen Gegenüber für Verkehrsminister Hermann macht. Nun hat er den Minister und die anderen Beteiligten zu sich nach Hause auf seinen Hof eingeladen. Nicht nur, um Hermann seine schöne Heimat zu zeigen. Sondern auch, um verkehrspolitische Anliegen des Schwarzwald-Baar-Kreises beim Minister anzusprechen.

Zunächst gibt’s aber eine kleine Führung über das Areal. Rombach und sein Sohn Michael, der den Hofbetrieb übernommen hat, erläutern der Besuchergruppe, dass ein bäuerlicher Betrieb im Schwarzwald mehrere Standbeine wie Waldbewirtschaftung, Milchproduktion, Ferienwohnungen und kommunale Dienstleistungen wie Schneeräumen als Standbeine braucht. Gerne lässt sich der Minister zeigen, wie auch im Außenbereich gelegene Höfe wie der Klausenhof ans Internet-Glasfasernetz des Zweckverbandes Breitbandversorgung Schwarzwald-Baar angeschlossen werden sollen. Oder, wie die neue Hackschnitzel-Heizanlage den Klausenhof mit Wärme aus regenerativer Quelle versorgt. Dem Minister gefällt’s: „Es ist einfach wunderschön hier, da geht einem das Herz auf.“

400 Jahre alt ist das Klausenhof-Anwesen von Karl Rombach schon, vor dem sich Landrat Sven Hinterseh, Silke Burger (Bürgermeister-Stellvertreterin Schonach), Karl Rombach mit Enkel Elias, Verkehrsminister Winfried Hermann und Schonachs Bürgermeister-Stellvertreterin Silke Burger zum Foto aufstellen (von links). Bilder: Jürgen Dreher
400 Jahre alt ist das Klausenhof-Anwesen von Karl Rombach schon, vor dem sich Landrat Sven Hinterseh, Silke Burger (Bürgermeister-Stellvertreterin Schonach), Karl Rombach mit Enkel Elias, Verkehrsminister Winfried Hermann und Schonachs Bürgermeister-Stellvertreterin Silke Burger zum Foto aufstellen (von links). Bilder: Jürgen Dreher | Bild: Jürgen Dreher

Drinnen in der Stube haben Rombachs Ehefrau Rita und seine Schwiegertochter Karin schon Zucchinikuchen, Rosinenschneckle und andere Leckereien samt Kaffee vorbereitet. In entspannter Runde, zu der inzwischen Schonachs Bürgermeister-Stellvertreterin Silke Burger gestoßen ist, geht es dann um Verkehrspolitik.

  • Eisenbahn: Landrat Sven Hinterseh spricht den Wunsch an, die Bahnstrecke Villingen-Schwenningen-Rottweil für elektrisch betriebene Züge auszubauen, die dann direkt bis Stuttgart fahren könnten. „Das wäre für uns sensationell wichtig“, so Hinterseh, zumal auch der Ringzug in einigen Jahren elektrisch fahren solle, womöglich auch bis St. Georgen. Außerdem bittet er den Minister, beim Thema Gäubahn-Ausbau dran zu bleiben: Man sehe ja: Jetzt, wo die Rheintalbahn unterbrochen sei, wäre eine leistungsfähige Alternative als Nord-Süd-Achse wichtig.

Hermann lässt große Sympathie für die Elektrifizierung der Strecke Villingen-Rottweil erkennen: „Das müssen wir schaffen.“ Und zeigt sich verärgert, dass der Gäubahn-Ausbau zwar im vordringlichen Bedarf des neuen Bundesverkehrswegeplans stehe, aber im Hintergrund manche Verwaltungen schon wieder dagegen arbeiteten und die Bahn nicht mit Neigetechnikzügen auf der Strecke fahren wolle. „Wir werden es trotzdem machen“, so Hermann zum Ausbau, „dann wird man sehen, mit welcher Technik wir fahren.“

  • Straßenbau: Der Lückenschluss der B 523, die Villinger Nordumfahrung, soll von der Straßenbauverwaltung des Landes möglichst schnell umgesetzt werden, nachdem der Bund das Projekt im neuen Bundesverkehrswegeplan mit hoher Priorität versehen hat – das „erwarten und hoffen“ Hermanns Gesprächspartner. Es gehe darum, den westlichen Landkreis besser an die Autoahn A 81 anzubinden. Noch aber ist das Land, das schon vor der Bundesentscheidung eine eigene Prioritätenliste für Straßenbauprojekte erstellte, daran, nun eine erneute Vorrangliste zu machen. Sie soll festlegen, wie die Vorhaben des Bundes mit den begrenzten Kapazitäten der Landesverwaltung umgesetzt werden. Der Minister sagt, bei einem Vorhaben wie der B 523, das von Bund und Land schon zuvor hohe Priorität erhalten habe, könne er sich nicht vorstellen, dass es jetzt noch weit zurückfallen sollte.

Auf Hintersehs Hinweis auf den schlechten Zustand vieler Landesstraßen im Schwarzwald-Baar-Kreis sagt Hermann, dass das Land seit nunmehr fünf Jahren beharrlich den Sanierungsstau in diesem Bereich reduziere und weiter am Ball bleibe.

  • Öffentlicher Nahverkehr: Landrat Hinterseh stellt die aktuellen Arbeiten am neuen Nahverkehrsplan für den Landkreis vor, also vor allem künftigen die Buslinienführungen und Fahrpläne. Minister Hermann betont, dass es im Land bis 2025 überall mindestens einen Stundentakt „von frühmorgens bis spätabends“ geben solle. Dabei solle das Linienetz von Regioschnellbussen ausgeweitet werden, die mit WLAN, barrierefreiem Zugang und Streckenansagen dem Standard eines „guten, modernen Schienennahverkehrs“ entsprächen – und zur Hälfte vom Land und zur Hälfte vom jeweiligen Landkreis zu finanzieren seien.
  • Motorradfahrer: „Ich will keine Stimmung gegen Motorradfahrer machen, aber viele Bürger beschweren sich über Lärmbelästigung und Gefahren für die Verkehrssicherheit“, schneidet Hinterseh ein schwieriges Thema an. Auch Martina Braun und Karl Rombach bestätigen, dass gerade im Schwarzwald viele Motorradunfälle passierten und über Lärm geklagt werde. Es sei eine Minderheit unter den Motorradfahreren, die leider für Ärger sorge.

Minister Hermann ist das Thema wohl bewusst, „es trifft die schönsten Landschaften mit den kurvigsten Straßen.“ Das seien oft Erholungsregionen, in denen die Menschen ja gerade wegen der Ruhe Urlaub machten und dann mit Lärm geplagt würden. Er habe nichts gegen Motorradfahrer, doch es gebe ein Problem – „wenn sie laut fahren und wenn sie gefährlich fahren.“ 

Ein Tipp des Ministers: In früheren Jahren sei es gang und gäbe gewesen, dass in Erholungsorten motorisierte Zweiräder nicht fahren durften, weil es sonst zu laut geworden sei. Statt sich mühsam mit Lärmgutachten und Dezibelzahlen herumzuschlagen, könnte es doch in bestimmten Situationen eine Möglichkeit sein, schlicht Durchfahrtsbeschränkungen zu erlassen.

Martina Braun weist darauf hin, dass der Landkreis bei ihr daheim im Linachtal auf ihre Initiative hin Tempo 50 eingeführt habe. „Manche Einheimische haben schon aufgeregt“, räumt sie ein. Aber „mindestens die Hälfte der Motorräder fährt jetzt langsamer“, und es sei deutlich ruhiger geworden.

Hermann will aber auch auf die Einsicht der Motorradfahrer setzen. Etwa mit mobilen Anzeigetafeln an den Straßen, die den Lärm der vorbeifahrenden Motorräder messen und den Fahrern mit Smileys zeigen, ob sie lautstärkemäßig im grünen oder roten Bereich unterwegs sind. „Studien zeigen, dass zwei Drittel der Fahrer auf solche Anzeigen reagieren und ihr Fahrverhalten anpassen“, so Hermann. Das Ministerium biete diese Technik an, die Kreise müssten sie aber selbst bezahlen.

  • Fluglärm: Für Minister Hermann ist klar, dass die in der Stuttgarter Erklärung definierten Überflugsregeln für Züricher An- und Abflugverkehr über Südbaden Bestand haben müssen. Er habe auch Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt darauf aufmerksam gemacht, dass es im baden-württembergischen Landtag hierzu seit zehn Jahren einstimmige Beschlüsse gebe und man einer Verschlechterung niemals zustimmen werde. Klar sei aber auch, dass es die Schweiz immer wieder versuchen werde, deutsche Bundespolitiker „zu bezirzen“ – und wie derzeit mit einem neuen Anflugkonzept die deutschen Sperrzeiten zu unterlaufen.