Zwischen 350 und 400 Betriebe gibt es in und um Tuttlingen, die sich auf Medizintechnik spezialisiert haben. Allerdings werden immer mehr und vor allem kleine Medizintechnik-Unternehmen seit einiger Zeit verkauft. Ursache für diese Entwicklung ist die Europäische Union.

Neue Verordnung stellt hohe Hürden

Nicht zuletzt durch die neue Europäische Medizinprodukte-Verordnung (EU-MDR) angetrieben, ist die Tuttlinger Medizintechnik-Landschaft in Bewegung geraten. Die Verordnung bringt eine Vielzahl an neuen Vorschriften und Regelungen mit sich, die die Produktion und deren Dokumentation betreffen. Nicht nur die Platzhirsche wie Aesculap, Karl Storz und Henke-Sass Wolf sind davon betroffen: Vor allem für kleine Betriebe mit begrenzten Ressourcen sind diese Anforderungen nur schwer erfüllbar.

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Viele Kleinbetriebe geben auf

Die Konsequenz: Viele Kleinunternehmer geben auf und stellen ihr Unternehmen zum Verkauf. Auf der anderen planen vor allem die größeren Unternehmen Zukäufe. Damit beide Seiten, Anbieter und Suchende, bei dieser sensiblen Thematik zusammenfinden können, bietet sich die Medical Mountains als neutrale Kontaktinstanz an. Wer eine Firma über Jahre hinweg aufgebaut und geleitet hat, trennt sich in der Regel nur schweren Herzens davon.

Yvonne Glienke und Julia Steckeler, die Geschäftsführerinnnen der MedicalMountains, vermitteln zwischen den Unternehmen in der Medinzintechnikbranche.
Yvonne Glienke und Julia Steckeler, die Geschäftsführerinnnen der MedicalMountains, vermitteln zwischen den Unternehmen in der Medinzintechnikbranche. | Bild: Medicalmountains

Verkäufe sind ein sensibles Thema

Entsprechend ist die Kommunikation ein sensibles Thema: „Verkaufsofferten werden nicht an die große Glocke gehängt und eher unter der Hand vermittelt“, weiß Medical Mountains-Geschäftsführerin Yvonne Glienke. Diese Zurückhaltung sei zwar nachvollziehbar, aber nicht zielführend. Deshalb gibt es auf der Medical Mountains-Website die sogenannte „Nachfolgebörse“. Inserenten können in Form von Chiffre-Anzeigen Unternehmen zum Verkauf anbieten oder ihr Interesse an einer Übernahme oder Beteiligung bekunden. Das Potenzial ist aber noch nicht ausgeschöpft. „Es gibt momentan viel mehr Kaufwillige als Verkaufswillige“, blickt Medical Mountains-Geschäftsführerin Julia Steckeler auf die Einträge.

Erfahrung und Knowhow gehen verloren

Letztlich gehe es darum, so viele Medizintechnik-Firmen wie möglich im Raum Tuttlingen zu erhalten. „Mit jedem Unternehmen, das schließt, geht Erfahrung, Geist und Know-how verloren“, sind sich die Geschäftsführerinnen sicher.

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