Herr Frei, Sie sind auf vier Jahre als Direktkandidat in den Deutschen Bundestag gewählt. Eben war Halbzeit dieser Amtsperiode. Was sind die drei wichtigsten Errungenschaften, die Sie in dieser Zeit für Ihren Wahlkreis erreicht haben?

Da gibt es natürlich viele große Themen, die für ganz Deutschland wichtig sind und darüber hinaus Auswirkungen für den Kreis haben. Dann die konkreten Punkte: Wir haben allein 2018 an städtebaulichen Mitteln über 4,25 Millionen Euro in den Kreis geholt. Derzeit steht mehr Geld als je zuvor für die Städtebauförderung zur Verfügung. Oder die Unterstützung aus dem Orgelprogramm des Bundes. Oder die Off-Road-Kids-Stiftung, die zwei Mal 400 000 Euro Förderung für ihre Arbeit erhielt. Oder wenn ich an die Bürgersprechstunde denke, wo viele kleine Themen angesprochen werden, wo nur Einzelpersonen betroffen sind, denen man aber durch das Herstellen von Kontakten helfen kann. Das sind nur Beispiele. Aber da fallen mir aus den letzten beiden Jahren sehr viele erfüllende Momente ein.

Sind das „Seelenstreichler“ für Sie?

So gesehen ja. Es ist sehr befriedigend zu sehen, dass ich in vielen Einzelfällen konkret helfen konnte.

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Sie sind seit Dezember 2018 auch stellvertretender Vorsitzender der CDU/CSU-Bundestagsfraktion. Diese Aufgabe bindet Sie besonders an das Berliner Politikgeschehen, vielleicht noch mehr als zuvor die Herausforderungen für den Auswärtigen Ausschuss des Bundestags, viele internationale Termine wahrzunehmen. Sehen Sie das auch so und wie viel Zeit bleibt Ihnen für Familie und für Wahlkreisaufgaben? Betoniert Sie die neue Aufgabe noch mehr in Berlin fest?

Es ist natürlich so, dass ich deutlich mehr in Berlin gebunden bin, als dies in der Vergangenheit der Fall war. Es ist häufig so, dass ich auch jenseits von Sitzungswochen tageweise nach Berlin muss. Für die Berliner Arbeit muss ich im Vergleich zu früher auch in Wahlkreiswochen einige Zeit mehr reservieren und einkalkulieren. Andererseits muss man sehen, es gibt auch Dinge, die wegfallen, wie die Auslandsreisen als Mitglied im Auswärtigen Ausschuss. Trotzdem versuche ich die Wahlkreisarbeit so intensiv wie irgend möglich zu leisten. Das ist mein Anspruch.

Was bleibt an Zeit für die Familie übrig. Haben Sie einen speziellen Familientag?

Natürlich spielt die Familie eine entscheidende Rolle. Der Beruf als Abgeordneter ist aber kein familienfreundlicher Beruf. Da muss man sich anstrengen, damit man so gut wie möglich seiner Verantwortung gerecht wird. Es ist ein ewiger Spagat. Ein extra Familientag lässt sich nicht durchhalten. Früher bin ich montagmorgens nach Berlin gefahren, jetzt muss ich schon sonntagabends los. Ich versuche grundsätzlich den Samstagnachmittag und -abend daheim zu sein. Das funktioniert leider nicht immer.

Einer der Bürgermeister des Kreises vertritt die Ansicht, Ihre Tätigkeit als stellvertretender Fraktionsvorsitzender sei klasse, da Sie jetzt ein größeres Mitarbeiterteam hätten, das mehr für den Wahlkreis tun könne. Ist das so?

Ja, mein Büro ist größer geworden, wobei die zusätzlichen Mitarbeiter für meinen neuen Schwerpunkt, die Innen- und Rechtspolitik, zuständig sind. Die Verlagerung führt dazu, dass die Mitarbeiter, die bisher die ganzen fachlichen Arbeiten machen mussten, jetzt auch mal Kapazitäten für andere Dinge haben. Ich habe allerdings die Bürgermeister schon immer auf mögliche Programme hingewiesen, wo man für die Kommunen Geld holen könnte oder informiere Rathäuser laufend über mögliche Unterstützung. Eine enge Zusammenarbeit mit den Kommunen war und ist mir wichtig.

Mich hat überrascht, dass Sie bei den drei erfolgreichsten Sachen kleine Dinge genannt haben. Lassen Sie uns über drei große Straßenprojekte reden. Wie sieht es aus mit der Strecke Allmendshofen-Hüfingen?

Die B 27 zwischen Donaueschingen und Hüfingen ist auf bestem Weg. Mitte des Jahres startet der Ausbau zwischen Donaueschingen und Allmendshofen. Außerdem ist noch ein Brückenbauwerk über die Donau fertigzustellen. Man sieht, die Straßen und Einfädelspuren sind nahezu fertig. Bis die Strecke vierbahnig befahrbar ist, wird es aber noch dauern, weil die alte Strecke ab 2022 saniert werden muss. Für die Stadtentwicklung von Hüfingen und Donaueschingen ist der längst fertige und verkehrsentlastende Zubringer Allmendshofen das Wichtigste. Die Vierstreifigkeit ist dagegen für die ganze Region wichtig, etwa für die Blumberger auf dem Weg zur Autobahn.

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Sehen Sie den Lärmschutzwall für Hüfingen als Erfolg Ihrer Arbeit?

Das würde ich mir nicht als Erfolgsfeder an den Hut heften. Ich habe da mitgeholfen, aber das ist vor allem der Erfolg von Hüfingens Bürgermeister Michael Kollmeier, der sich hierfür sehr eingesetzt hat.

Wie sieht es aus mit der B 523 von Villingen Richtung Mönchsee und B 33 in den Schwarzwald. Wie weit ist hier das Verfahren?

Die Planungen beginnen jetzt. Die B 523 ist im vordringlichen Bedarf erfasst, sie ist durchfinanziert mit 25 bis 30 Millionen Euro. Es hapert allerdings an den Planungskapazitäten, für die das Land zuständig ist. Das Regierungspräsidium hat mehr Straßen zu planen als tatsächlich Planungskapazitäten vorhanden sind. Deshalb war es für uns so wichtig, die Regierungspräsidentin von der Bedeutung der Straße zu überzeugen. Jetzt bleibt zu hoffen, dass das Regierungspräsidium die Planung mit der erforderlich hohen Geschwindigkeit macht.

Sehen Sie noch die Gefahr, dass der grüne Verkehrsminister dieses Projekt noch stoppen könnte?

Ehrlich gesagt, nein. Verhindern kann er die Straße nicht, aber verzögern. Es ist klar, dass Minister Hermann alles lieber macht, als Straßen zu bauen. Aber es geht hier um eine Bundesstraße, das Land hat hier lediglich die Planung vorzunehmen. Doch auch wir haben noch ein paar Herausforderungen zu lösen, das ist keine Frage. Es gilt, gute Lösungen zu finden, denn viele Menschen in der Nachbarschaft sind betroffen. Jedoch ist dies nicht das komplizierteste Planungsverfahren im Straßenbau, weshalb ich nicht mit besonderen Schwierigkeiten rechne.

Zum Bundesstraßenknoten bei Bad Dürrheim: Wie beurteilen Sie die Situation? Wo steht das Vorhaben? Ist das aus Ihrer Sicht machbar?

Dort steht man zu gewissen Tageszeiten nicht nur aus Richtung Donaueschingen im Stau vor der Ampel. Es hapert auch umgekehrt aus Richtung Villingen-Schwenningen, an der Einmündung Marbach und zieht sich dann weiter. Im Grunde genommen ist diese ganze Großkreuzung überlastet, sie ist zu klein dimensioniert für die bestehende Fahrzeugbelastung. Das war schon zur Amtszeit von Bürgermeister Klumpp ein zentrales Anliegen der Stadt Bad Dürrheim. Das ist auch bei den zuständigen Behörden angekommen, die sich mit der Frage beschäftigen müssen, wie man das optimieren kann. Was Bad Dürrheim gern hätte und ich für gut und richtig halten würde, wäre ein großzügiger Ausbau dieser Kreuzungsanlage. Das würde in diesem Fall aber auch eine Verschiebung Richtung Westen bedeuten. Es braucht hierfür viel Platz für lange Einfädelspuren und unter Umständen auch unterschiedliche Ebenen. Der Ausbau wäre daher nicht nur ein enormes Kostenthema, sondern auch mit Abwägungsfragen in Bezug auf Flächenverbrauch und mehr verbunden. Deswegen ist dies ein schwieriges Vorhaben, von dem ich glaube, dass es nur in Teilschritten realisierbar sein wird.

Und wann entscheidet sich ob und wie?

Das kann ich nicht beurteilen.

Blockiert möglicherweise die Anbindung Brigachtal die Antwort?

Das sehe ich nicht. Das ist ein anderes Thema. Bei der Straße im Brigachtal handelt es sich um eine Landesstraße.