„Grand Finale!“ – glanzvoller Abschluss mit Ausrufungszeichen: Der hohe Anspruch an die abschließende Veranstaltung zur dreijährigen fruchtbaren Zusammenarbeit zwischen dem Bayerischen Junior Ballett München und dem Amt für Kultur Villingen-Schwenningen ist im Theater am Ring imposant eingelöst worden. Mit vier spannungsreichen Choreografien präsentierte das junge Ensemble Tanzkunst auf beeindruckendem Niveau.

  • Im Wald: Der aus China stammende Choreograf Xin Peng Wang entwickelte unter diesem Titel auf Musik der jungen französischen Komponistin Camille Pépin ein Stück für sechs Tänzer. Von ihnen wird eine Bewegungssprache gefordert, die eine außerordentliche Beweglichkeit ebenso voraussetzt wie die Fähigkeit, fast statisch ruhende Hebefiguren scheinbar mühelos auszuführen.
Aus einem organischen Bewegungsfluss heraus entwickeln die Tänzer tadellos koordinierte Hebefiguren.
Aus einem organischen Bewegungsfluss heraus entwickeln die Tänzer tadellos koordinierte Hebefiguren. | Bild: Gunter Faigle

Die Musik von Pépin lässt weit auseinander liegende Grade von Expressivität hören; aus aggressiver Energie heraus wandelt sie sich bis zu einer lieblich anmutenden Idylle und kehrt dann wieder zu ihren schroffen Anfängen zurück. Jeder der Münchener Tänzer stellt seinen ganzen Körper in den Dienst dieser breiten Ausdruckspalette und zusammen schaffen sie es, ihr individuelles Vermögen wirkungsvoll als Gruppe zu integrieren.

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  • Ballet 102: Ein Pas de deux wird beim Ballett ein Tanz zu zweit genannt, in diesem Fall einer Ballerina und ihres Partners. Der Kanadier Eric Gauthier hat mit leiser Ironie 102 Figuren zusammengestellt, welche die Fülle der formalen Regeln des paarweisen Balletttanzes zeigen: das angemessene Betreten der Bühne, die variantenreichen Posen samt Balancen und Drehungen oder das Halten, Heben und Führen der Tänzerin durch den Tänzer. Der Australierin Lotte James und dem Franzosen Hélian Potié gelingt es mit tänzerischer Perfektion und bravourösem Durchhaltevermögen, den teilweise irren Spagat zwischen aberwitzigem Drill und bewundernswerter Kunstfertigkeit zu verdeutlichen.
Die Tänzer des Bayerischen Junior Balletts München zeigen im Theater am Ring bei vier Choreografien eine bravouröse Ensembleleistung.
Die Tänzer des Bayerischen Junior Balletts München zeigen im Theater am Ring bei vier Choreografien eine bravouröse Ensembleleistung. | Bild: Gunter Faigle
  • Eyeblink: In einem „Wimpernschlag“, einem ganz kurzen Augenblick also, können wir in uns eigene „emotionale Jahreszeiten“ erschaffen, meint die venezolanische Choreografin Maria Barrios in ihrem erstmals zu sehenden neuesten Stück für 13 Tänzerinnen und Tänzer. Ausschnitte aus „Die vier Jahreszeiten“ von Antonio Vivaldi und deren Paraphrasierung durch Astor Piazzolla verwendet sie als musikalische Grundlage. Speziell zum klanglich aufgebürsteten Piazzolla gelingen die im Tanz symbolisierten Stimmungswechsel faszinierend: in der Dramatik des Gefühlsausdrucks, in den Rhythmuswechseln zwischen Barock und Tango Nuevo, aber auch durch überlegte Veränderungen in Kostümierung und Beleuchtung.
Die Choreografin Caroline Finn animiert mit Charme und viel Humor das Publikum dazu, Bewegungsabläufe ihres getanzten Bühnenwerkes „When she knew“ vorwegzunehmen.
Die Choreografin Caroline Finn animiert mit Charme und viel Humor das Publikum dazu, Bewegungsabläufe ihres getanzten Bühnenwerkes „When she knew“ vorwegzunehmen. | Bild: Gunter Faigle
  • When she knew: Dieser neuen Choreografie der Engländerin Caroline Finn zu Musik von Vivaldi und Jordi Savall geht eine vergnügliche Publikumsanimation voraus. Finn bringt das Publikum in der Art einer gewieften Entertainerin dazu, kommende Bewegungsabläufe des Tanzensembles fröhlich vorab zu probieren: „Rücken – Regenbogen – Ellbogen rauf!“ Dann wird es wieder ernst. Finns Stück selbst, in rustikalen Kostümen getanzt, führt in archaisch und mythisch anmutende Sphären, schlägt einen aber auch durch die tänzerisch hervorragend vermittelte Dichte des Bühnengeschehens in den Bann. Am Ende gibt es minutenlangen rhythmischen Beifall.
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