„Das Thema Landwirtschaft braucht eine besondere Wahrnehmung“, fasste Friedlinde Gurr-Hirsch ihren Besuch zusammen.

Die Staatssekretärin im Ministerium für ländlichen Raum war auf Einladung des Landtagsabgeordneten Karl Rombach zu Besuch auf dem Klausenhof in Schonach. Vor allem landwirtschaftliche Themen standen im Mittelpunkt des Gesprächs. Zu diesem hatte Rombach auch seine Kollegin, die Biobäuerin und Landtagsabgeordnete Martina Braun von den Grünen eingeladen.

  • Breitband: Zum Auftakt des Gesprächs gab es einen kleinen Spaziergang, bei dem Landrat Sven Hinterseh der Staatssekretärin die Geschichte des Zweckverbandes Breitbandversorgung im ländlichen Raum darstellte. Er dankte dem Land, 100 Millionen Euro für den Schwarzwald-Baar-Kreis zur Verfügung gestellt zu haben. Bis 2025 sollen 250 Millionen Euro investiert werden. Schonachs Bürgermeister Jörg Frey berichtete, dass 2013 in Schonach der Auftakt stattfand. „Wir waren Notstandsgemeinde“, erklärte er. „Nun sind wir Vorreiter im Außenbezirk des Kreises.“ Martina Braun und Karl Rombach betonten, dass das schnelle Internet nicht nur für die Industrie, sondern auch für die Höfe in den Außenbezirken wichtig sei. „Ich finde es toll, dass der Kreis sich so engagiert und habe auch noch Hoffnung für Linach, dort wo ich wohne.“ Ein Lob gab es von der Staatssekretärin: „Ihr wart sehr schnell sehr engagiert mit dem Zweckverband. Mein Wahlkreis zeigt kein Engagement.“ Er wolle ehrlich sein, entgegnete darauf der Landrat: „Es war wie bei den Flüchtlingen, bei uns war die Not so groß, dass wir schnell eine gemeinsame Aufgabe hatten.“ Er würde sich allerdings freuen, so erklärte Hinterseh der Staatssekretärin, wenn vom Land beim Verfahren größere Bündel auf einmal genehmigt werden könnten. Vor 20 Jahren, erinnerte sich Jörg Frey, hätten die Gemeinden kein Geld für Investitionen in Glasfaser gehabt.
  • Klimawandel: „So eine Dürre habe ich noch nie erlebt“, erklärte Gurr-Hirsch und fragte: „Wie stellen wir uns auf den Klimawandel ein?“ Es müsse beispielsweise klar gesagt werden, dass der Verbraucher in Zukunft mehr für Lebensmittel bezahlen müsse, fand sie selbst eine Antwort.
  • Stützpunktfrage: Landrat Sven Hinterseh legte beim Thema Forstreform Wert auf die Forderung, dass der Stützpunkt der künftigen Verwaltung des Staatswaldes für Südbaden im Schwarzwald-Baar-Kreis eingerichtet wird. Zumal, so unterstrich Hinterseh, die Forstverwaltung bereits eine Immobilie in Furtwangen habe. Nach einem BGH-Urteil vom Juni dieses Jahres muss der Staatswald aus der Forstverwaltung herausgelöst werden. „Der Bundesgerichtshof hat Fehler im Verfahren gefunden, das Einheitsforstamt kann nicht erhalten bleiben“, erklärte Gurr-Hirsch. Nun gebe es die Chance, die Dinge im neuen Licht zu sehen, nämlich im Kooperationsmodell, welches, so Martina Braun, möglicherweise noch effizientere Zusammenarbeit der kommunalen und privaten Waldbesitzer ermöglicht als der vom Landkreis angepeilte Zweckverband aller Gemeinden im Kreis außer Villingen-Schwenningen. Unterdessen muss gemäß dem Bundeswaldgesetz von 2016 der Staatswald, im Kreis nur zehn bis elf Prozent der Waldfläche, aus dem Einheitsforstamt herausgelöst und von einer zu gründenden Anstalt des öffentlichen Rechts betreut werden.
  • Borkenkäfer und Orkane: Entstehen werde so erklärte Landrat Hinterseh, ein Einheitsforstamt ohne Staats-, aber mit Privatwald. Bernhard Bolkart, BLHV-Präsident und Privatwaldbesitzer, betonte, dass schlagkräftige Forstbetriebsgemeinschaften angesichts bevorstehender „Kalamitäten“ wie Stürme, Orkane und in diesem Jahr der Borkenkäfer, wichtig seien. Außerdem kritisierte er, dass es zu viele egoistische Diskussionen gebe.
  • Erholungsraum: Bolkart erinnerte daran, dass den Waldbesitzern einst vom damaligen Landwirtschaftsminister Gerhard Weiser das Recht abgerungen wurde, dass die Bürger den Wald betreten dürfen. Das sei, so ergänzte Martina Braun, in anderen Staaten nicht selbstverständlich. In manchen Länder werde sogar mit Schusswaffen gedroht. „Der Wald ist schön, ich bin mehrmals pro Woche im Wald“, erklärte der Landrat: „Uns gefällt es im Wald.“
  • Ausbildungsstandort: Die Ausbildung der Forstwirte liegt Waldbesitzer Herbert Fehrenbach am Herzen. In Königsfeld-Buchenberg habe es so einen guten Ausbildungsstandort gegeben, der jetzt nicht weiter ausgebaut werden solle, bedauerte Martina Braun. „Ich ärgere mich über uns, wir waren nicht schnell genug“, trug Landrat Hinterseh zum Thema bei.
  • Förderkatalog: Die Probleme bei der Förderung der Höhenlandwirtschaft sprach Bernhard Bolkart an. „Wir brauchen ein selbstbewusstes Auftreten gegenüber der EU“, sagte er. Friedhilde Gurr-Hirsch will sich der Sache annehmen. In Rheinland-Pfalz gebe es dazu einen Katalog. „Das habe ich auch für uns angeregt.“
  • Wegebau: Die Landwirte betonten außerdem die Bedeutung des Wegebaus im ländlichen Raum, ein Anliegen, dessen sich Karl Rombach in Stuttgart annimmt. Die Pflege der Wege sei wichtig. Auf der Baar müsse man auch daran denken, angesichts von Inline-Skatern die Wege etwas breiter zu machen, sagte Bernhard Bolkart: „Vielleicht mal dreieinhalb statt drei Meter.“