Wer sich eine Katze als Haustier anschafft, muss sich die Frage stellen, ob die Katze als reine Hauskatze gehalten werden soll oder ob das Tier Freigang bekommt. Diese Entscheidung hängt, neben den baulichen Gegebenheiten des Zuhauses von weiteren Faktoren ab, die der Besitzer abwägen muss.

Genüsslich gähnt „Frau Maus“, leckt sich die Pfote und reckt sich unter den schattenspendenden Blättern der Weinrebe im Garten. „Da liegt sie die meiste Zeit des Tages“, sagt Roland Elsner aus St. Georgen. „Frau Maus“ ist eine seiner beiden Katzen, die es lieben, draußen in der Natur zu sein. Mit ihren geschätzten 15 Jahren lässt sie es schon etwas ruhiger angehen.

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Während „Buddy“, ein jüngerer getigerter Kater, der erst seit drei Monaten bei Roland und Ilona Elsner lebt, noch deutlich lebhafter ist als sein Zeitgenosse. Was sich unter anderem darin bemerkbar macht, dass er das Fliegenschutzgitter an der Balkontüre selbständig öffnet, um nach draußen zu gelangen, wenn ihm danach ist. „Frau Maus“ und „Buddy“ sind Freigängerkatzen und genießen ihre Freiheit jeweils auf ihre Art in vollen Zügen.

Katzen aus Tierheim sind dankbar

Schon vor vielen Jahren sind Roland und Ilona Elsner auf die Katz‘ gekommen. „Dabei war ich eigentlich früher eher der Hundetyp“, sagt Roland Elsner. Doch wenn beide berufstätig sind, sind Katzen einfach selbständiger. Alle Katzen, die Elsners in den vergangenen Jahren begleiteten, stammen aus dem Tierheim.

Video: Ann-Kathin Moritz

Für Roland Elsner käme auch keine andere Katze ins Haus. „Katzen aus dem Tierheim sind enorm dankbare Tiere.“ Zwar dauert es manchmal etwas länger, bis sich die meist älteren Tiere, die aus den unterschiedlichsten Gründen im Tierheim landen, an die neue Umgebung und ihre neuen „Dosenöffner“ gewöhnt haben. Doch wenn die Katzen erst einmal Vertrauen gefasst haben, ist ihre Liebe und Zuneigung praktisch unerschütterlich. „Wenn eine zunächst sehr schüchterne Katze plötzlich die Nähe sucht, schnurrt und schmust, geht einem das Herz auf.“

Freigänger sind ausgeglichener

Darin, dass Katzen Freigang haben, sieht Roland Elsner große Vorteile. „Die Katzen sind ausgeglichener, wenn sie heimkommen und brauchen keine zusätzliche Beschäftigung.“ Auch der Verbrauch von Katzenstreu hält sich in Grenzen, weil die Samtpfoten ihr Geschäft überwiegend draußen verrichten. Allerdings birgt der Katzenauslauf auch Risiken und Gefahren. Die Tiere können sich Parasiten einfangen, beim Kontakt zu anderen Katzen können Krankheiten übertragen werden.

Und noch etwas ist nicht zu unterschätzen. „Nachbarn füttern die Katzen gerne, das kann für das Tier unangenehme oder gar gefährliche Folgen haben, etwa bei Unverträglichkeiten“, sagt Elsner. Die größte Gefahr, die immer latent im Hintergrund mitschwingt, vor allem wenn man in der Nähe einer viel befahrenen Straße wohnt, ist, dass eine Katze überfahren wird. Diese Erfahrung musste Roland Elsner in der Vergangenheit bereits machen. Dennoch möchte er seinen vierbeinigen Lieblingen den Freigang nicht verwehren.

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Diese Sorgen und Ängste braucht Anja Bockstaller nicht zu haben. Das Refugium ihrer beiden Katzen „Gismo“ und „Barny“ beschränkt sich rein auf die Wohnung in St. Georgen. „Das hat sich so ergeben, weil ich früher direkt an der Bundesstraße gewohnt habe. Da wäre es viel zu gefährlich gewesen, die Katzen raus zu lassen“, sagt die Katzenhalterin. Auch nach dem Umzug auf die Seebauernhöhe haben die beiden Kater keinen Drang verspürt, ihre Revier auf außerhalb der Wohnung zu vergrößern. Wenngleich es für sie im wahrsten Sinne nur ein Katzensprung wäre, über den Balkon im Erdgeschoss ins Grüne zu flüchten. Doch die Kante an der Terrasse ist für die beiden Samtpfoten so etwas wie eine unsichtbare Barriere zu einer für sie unbekannten Welt, die sie noch nie überschritten haben. Mittlerweile sind „Barny“ und „Gismo“ zudem zwei eher betagte Gesellen, denen so ein Sprung übers Balkongeländer auch gar nicht mehr ganz so leicht fallen würde.

Hauskatzen brauchen Beschäftigung

Dass ihre beiden Katzen reine Stubentiger sind, hat für Anja Bockstaller wesentliche Vorteile. „Man bekommt keine ‚Geschenke‘ in Form von toten Mäusen, Vögeln oder Fröschen vor die Tür oder in die Wohnung getragen. Die Katzen haben keine Zecken und man muss keine Angst haben, dass sie eines Tages nicht mehr nach Hause kommen.“

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Dennoch bergen auch Wohnungen Gefahren. So können gekippte Fenster zur tödlichen Falle werden, wenn eine Hauskatze versucht, durch das gekippte Fenster ins Freie zu entwischen. Außerdem können Wohnungspflanzen, an denen Katzen gerne knabbern, für die Tiere giftig sein.

Hauskatze fordert Aufmerksamkeit

Reine Wohnungskatzen erfordern zudem ein Vielfaches an Aufmerksamkeit und sie brauchen Beschäftigung. Die Wohnung von Anja Bockstaller ist deshalb katzengerecht eingerichtet. Am selbstgebauten Kratzbaum aus einer Birke gefertigt, können „Gismo“ und „Barny“ auf verschiedenen Ebenen klettern und herumtollen und sich in Höhlen zurückziehen.

Zudem ist die Wohnung mit viel Katzenspielzeug dekoriert, mit denen sich die Stubentiger beschäftigen und ihren natürlichen Jagdtrieb trainieren und an denen sie ihre angesammelte Über-Energie abreagieren können. Das klappt jedoch nicht immer. „Wenn sie ihre verrückten drei Minuten haben, rasen sie wie wild durch die Wohnung“, sagt Anja Bockstaller und lacht. Dass dabei auch ab und zu etwas zu Bruch geht, etwa eine Glasvitrine, die ungeschickt „im Weg“ stand, nimmt die Katzenliebhaberin hin. Auch bei der Hygiene sind Wohnungskatzen, nennen wir es pflegeintensiver. Sobald das Katzenklo etwas riecht, wird es ignoriert.

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Was Katzenbesitzer wissen sollten

Sonja Mündel ist Vorsitzende des Tierschutzvereins St. Georgen. Sie erklärt, welche Vorteile es hat, eine Katze aus dem Tierheim zu holen, warum Katzenbesitzer auch reine Hauskatzen unbedingt registrieren und kastrieren lassen sollten und ob es strafbar ist, Katzen auszusetzen. Kreisjägermeister Knut Wälde erläutert die rechtliche Frage, ob Jäger streunende Katzen abschießen dürfen.

  • Vorteil Tierheim-Katze: Nach Ansicht von Sonja Mündel hat es Vorteile, eine Katze aus dem Tierheim zu holen. „Der Besitzer kann sicher sein, eine absolut gesunde Katze zu bekommen. Bevor wir eine Katze an einen neuen Besitzer vermitteln, werden sie geimpft, kastriert, gechippt und entwurmt.“ Diese Leistung übernehme der Tierschutzverein, der neue Katzenbesitzer bezahlt dafür 130 Euro. Der Verein, so erklärt Sonja Mündel, legt bei diesem Geschäft sogar noch drauf.
  • Rat für Hauskatzen-Besitzer: „Die Kennzeichnung ist wichtig, sowohl bei Freigänger- als auch bei Hauskatzen“, sagt die Expertin. Es könne immer mal sein, dass eine Hauskatze durch ein geöffnetes Fenster oder eine offene Tür entwische. Die Kennzeichnung der Tiere sei dabei recht einfach. „Der Katze wird ein winziger Chip in die Schulter implantiert. Wird eine Fundkatze zum Tierarzt oder zum Tierschutzverein gebracht, kann dort mit einem Lesegerät der Chip ausgelesen und der Besitzer ausfindig gemacht werden“, sagt sie. Voraussetzung dafür sei aber, dass der Besitzer sein Tier nicht nur chippen, sondern auch registrieren und die Daten freigeben lässt.
  • Katzen brauchen Zuwendung und Spielzeug: Katzen sind kein Gegenstand, den man bei Nichtgebrauch einfach in die Ecke stellen kann. Sie brauchen regelmäßige Zuwendung und man muss sich mit ihnen beschäftigen, damit sich ein Vertrauensverhältnis zwischen Mensch und Tier aufbauen kann. Allerdings können sich Katzen zeitweise auch hervorragend mit sich selbst beschäftigen, wenn sie ausreichend Spielzeug haben. Dabei muss es kein teures Spielzeug aus dem Handel sein. Oft genügt ein Karton oder zusammengeknülltes Papier. Katzen lieben alles, was raschelt, rollt und knistert.
  • Klischees über Katzen: Hassen Katzen wirklich Wasser? Können sich Hund und Katze wirklich nicht leiden? Und fallen Katzen wirklich immer auf die Füße? Kaum ein anderes Haustier ist so klischeebehaftet wie die Katze. Diese lassen sich aber nicht für jedes Tier gleichermaßen beantworten. Es gibt durchaus Katzen, die Wasser lieben und gerne schwimmen. Es gibt tierische Freundschaften zwischen Hund und Katze. Und Katzen drehen sich bei einem Fall ab einer bestimmten Höhe reflexartig tatsächlich immer auf die Füße, meist ohne sich zu verletzen. Das Katzenskelett ist mit flexibler Wirbelsäule und dehnbaren Gelenken so ausgelegt, dass die Aufprallenergie absorbiert wird. Ausprobieren sollte man dies aber nicht.
  • Aussetzen ist Ordnungswidrigkeit: Eine Katze auszusetzen, stellt rein rechtlich betrachtet eine Ordnungswidrigkeit dar. „Ja, eine Katze aussetzen ist eine Ordnungswidrigkeit und wird mit einem Bußgeld geahndet. Die Hälfte aller Katzen, die beim Tierschutzverein St. Georgen in Obhut sind, sind ausgesetzte Tiere“, sagt Sonja Mündel. Laut Bußgeldkatalog kann das Aussetzen einer Katze mit einem Bußgeld von bis zu 25 000 Euro geahndet werden. Eine Katze zu misshandeln oder gar zu töten kann nach geltender Rechtslage mit einer Freiheitsstrafe von bis zu drei Jahren belegt werden. Dabei handelt es sich nach dem Paragraf 17 des Tierschutzgesetzes um eine Straftat. Auch Geldstrafen sind in diesem Fall möglich, ebenso ein Tierhalteverbot.
  • Mangelnde Fürsorge ist Straftat: Eine Straftat stellt es auch dar, wenn man sich nicht ausreichend um sein Tier kümmert. Es beispielsweise nicht ausreichend füttert oder pflegt. Auch dieser Umstand kann mit einer Freiheitsstrafe von bis zu drei Jahren geahndet werden.
  • Abschießen streunender Katzen: Das ist theoretisch möglich. Kreisjägermeister Knut Wälde sagt dazu: „Theoretisch ja, das ist im Landesjagdgesetzes genau geregelt. Jäger dürfen streunende und wildernde Katzen abschießen. In der Praxis wird man aber kaum einen Jäger dazu bringen, auf eine Katze zu schießen. Weil das ein sehr langwieriges Verfahren ist.“
  • Rechtslage bei Abschuss: Die Rechtslage ist sehr komplex. „Der Jäger muss beweisen, dass die Katze gewildert hat. Theoretisch muss der Jäger die Katze lebendig fangen. Aber mach das mal bei einer Katze“, sagt Knut Wälde.
  • Das Problem mit den Streunern: Katzen, die streunend umherziehen, können große Schäden anrichten. Das Problem laut Knut Wälde ist, „dass diese großen Schaden an den Bodenbrütern anrichten. Auch wenn jeder Katzenbesitzer sagt, dass seine Katze so etwas nicht tut. Es liegt im Wesen der Katze, dass sie Jagd auf Vögel macht.“