Nach einem guten Resümee für 2017 geht die Leitung des Schwarzwald-Baar Klinikums Villingen-Schwenningen mit einigem Optimismus ins neue Jahr. Für dieses sind unter anderem eine weitere Aufstockung des Personals sowie Baumaßnahmen am Standort Donaueschingen vorgesehen. Klinikum-Geschäftsführer Matthias Geiser gab am Freitag einen Überblick:

  • Positiver Jahresabschluss 2017: Das Klinikum hat die Patientenzahlen im zurückliegenden Jahr stabil halten können. Knapp 50 000 stationär behandelte Menschen sowie etwa 160 000 ambulant behandelte Patienten nutzten die Dienste des Klinikums, so Geiser. Das sei gelungen, obwohl in Donaueschingen derzeit aufgrund laufender Umbaumaßnahmen Patientenbetten fehlten. „Für uns ist das ein Signal, dass das Klinikum in der Bevölkerung gut verankert ist“, sagte Geiser.

Zudem seien auch die Einnahmen gestiegen, weil mehr schwerere Fälle behandelt worden seien, wofür es auch mehr Geld gebe, so Geiser im Vorgriff auf den offiziellen Jahresabschluss, der im Sommer im Kreistag und im Gemeinderat von Villingen-Schwenningen vorgestellt werden wird. Allerdings gebe es auch bei den Personalkosten eine deutlich steigende Tendenz – zum einen wegen steigender Lohntarife, zum andern, „weil wir es wollen“ und in den Personalkörper investierten.

Klar sei schon, dass das Klinikum die Bilanz 2017 mit einer „schwarzen Null“ abschließen werde und somit erneut aus eigener Kraft die Kreditraten für den Klinikneubau stemmen könne. Investiert werde zudem in den Gerätepark. „Wir sind ein gemeinnütziges Krankenhaus, das bedeutet, dass jeder erwirtschaftete Euro wieder in den Betrieb gesteckt wird“, sagte Geiser.

  • Baby-Boom geht weiter: Einen neuen Rekord verzeichnet das Klinikum in seiner Geburtshilfeklinik. Dort kamen 2017 insgesamt 2382 Babys zur Welt, darunter 46 Zwillingsgeburten und eine Drillingsgeburt. Die Mütter kämen auch aus einem weiteren Umkreis bis hinüber in den Raum Balingen, so Matthias Geiser. Der Baby-Boom bewege sich aber im Rahmen der allgemein steigenden Geburtenzahlen, wie sie auch andere Krankenhäuser derzeit verzeichnen.
  • Einstellungen: Das Schwarzwald-Baar Klinikum habe in den vergangenen Jahren zusätzliche Personalstellen eingerichtet, betonte Klinikum-Chef Geiser – und wolle das 2018 auch fortsetzen.

Konkret habe im Jahr 2015 die Zahl der Stellen für Vollkräfte (die sich auch auf mehrere Teilzeit-Arbeitnehmer aufteilen können) 2005 betragen. Bis 2017 seien 61 Vollkräfte zusätzlich hinzugekommen. Davon befänden sich 52 im Pflegedienst und medizinisch-technischen Dienst. In diesem Bereich sei für 2018 eine weitere Aufstockung um etwa 20 Vollkräfte geplant. Im Ärztlichen Dienst bleibe es voraussichtlich konstant bei 375 Vollkräften. Insgesamt werde das Klinikum 2018 laut Plan einen Bestand von etwa 2100 Vollkräften erreichen.

  • Fachkräftemangel: Um die Einstellungsziele zu erreichen, muss sich das Klinikum immer mehr anstrengen. „Der Fachkräftemangel ist immer stärker spürbar, auch im ärztlichen Bereich“, berichtete Geiser, „das spüren alle Krankenhäuser.“

Das Klinikum hält mit eigener Ausbildung dagegen, bietet zum Beispiel im Verbund mit anderen Häusern neu die Ausbildung zum Anästhesietechnischen Assistenten (ATA) an. Und nachdem bereits zweimal Pflegekräfte in Italien angeworben wurden, wird 2018 eine Gruppe von 25 bis 30 bosnischen Pflegekräften im Klinikum erwartet.

  • Personalsituation: Immer wieder gibt es Kritik aus der Belegschaft oder auch im Kreistag, dass die Personalsituation im Klinikum schlecht und das Stresslevel sehr hoch, ja mitunter „katastrophal“ sei. Geiser hält dem entgegen, dass das Klinikum im Vergleich mit ähnlichen Häusern eine unterdurchschnittliche Fluktuationsrate habe und die Ausfallquote, also etwa Krankheitsfälle, beim Personal „völlig unauffällig“ sei. „Uns laufen keinesfalls scharenweise die Leute davon.

Allerdings werde Arbeitsverdichtung durch Arbeitsteilung im Pflegebereich weiter ein Thema sein. Dass eine Pflegekraft einen Patienten „von A bis Z“ versorge, werde aus Kostengründen und mangels Fachkräften immer weniger möglich sein. Statt dessen müssten sich die Pflegekräfte noch stärker auf ihre Hauptaufgaben konzentrieren, während Nebentätigkeiten verstärkt auf andere Berufsgruppen übertragen würden.

Schon heute kümmerten sich beispielsweise eigens Transporteure um Patienten, die etwa von einer Abteilung in eine andere verlegt würden. Das Projekt wird im laufenden Betrieb umgesetzt und ist auf insgesamt sechs Millionen Euro veranschlagt, wobei nur zwei Millionen vom Land kommen: Den Rest muss das Klinikum selbst zahlen.

  • Standort Donaueschingen: Das Klinikum setzt dieses Jahr die umfangreichen Bau- und Sanierungsmaßnahmen im Krankenhaus in Donaueschingen fort. Es geht vor allem darum, 50 bisherige Dreibettzimmer auf Zweibettzimmer-Standard mit eigenen Nasszellen umzubauen, aber auch sonstige Stationsbereiche wie Pflegestützpunkte, Aufenthaltsbereiche, Büros, Stationsküchen und die Haustechnik aus den 70er und 80er Jahren zu erneuern. Im März soll der erste Bauabschnitt mit 25 Zimmern fertig sein.
  • Notarzt Blumberg: Die Klinikleitung macht sich Sorgen, im Raum Blumberg bald den Notarztdienst sicherstellen zu müssen. Diese Aufgabe übernimmt bislang ein ortsansässiger niedergelassener Arzt, der aber wohl altersbedingt bald aufhören wird. Dann sei laut Gesetz das nächstgelegene Krankenhaus zuständig, Notärzte zu stellen, so Geiser. „Für uns ist das schwierig und aufwändig, weil zur fortwährenden Betreuung eines Notarztstandortes rechnerisch fünf Ärzte verfügbar sein müssen“, so Geiser. „Die Leute muss man erst einmal haben“, und die Ausbildung sei aufwändig. Bereits heute besetzten Mediziner des Klinikums fünf Notarztstandorte im Landkreis: Villingen-Schwenningen, Donaueschingen, Furtwangen, St. Georgen und den Rettungshubschrauber.
  • Rahmenbedingungen: Geiser erneuerte seinen Appell an die Politik, den Krankenhäusern in Deutschland mehr Spielräume zu geben. Der Plan aus dem Sondierungspapier von CDU/CSU und SPD, den Kliniken künftig Personalmindestzahlen vorzuschreiben, sieht Geiser skeptisch, wenn damit keine Finanzierungsregelung verbunden sein sollte, aber ein „extremer Bürokatisierungsschub“ drohe.