Eine längere Durststrecke liegt vor den Bahnreisenden, die aus der Region in Richtung Freiburg fahren wollen. Bislang wird die Zugstrecke durchs Höllental über Donaueschingen und Titisee-Neustadt befahren. Aber ab 1. Mai wird die Strecke der östlichen Höllentalbahn ab Donaueschingen bis Neustadt für gut 18 Monate voll gesperrt. In dieser Zeit werden auf dem Streckenabschnitt Donaueschingen–Freiburg Omnibusse eingesetzt. Das verlängert die Fahrzeiten zwischen Baar und Breisgau deutlich. Danach brechen jedoch unverkennbar andere Zeiten für an. Ab Ende 2019 winken nämlich umsteigefreie Bahnverbindungen zwischen Baar und Kaiserstuhl – und dies mit neuen Schienenfahrzeugen.

  • Neues Betriebskonzept: Wenn die Bauarbeiten dereinst abgeschlossen sein werden, präsentiert sich die Strecke Breisach-Freiburg-Neustadt-Donaueschingen in einem komplett neuen Gewand. Nicht nur, dass dann durchgehend mit elektrischen Triebzügen gefahren wird, auch die Bahnhöfe werden modernisiert. So werden in Freiburg-Littenweiler und Himmelreich Ausweichgleise verlängert beziehungsweise neu eingebaut. Alle Bahnsteige erhalten barrierefreie Zugänge und dort, wo heute enge Kurven die Geschwindigkeit der Züge drosseln, sollen bauliche Veränderungen diesen Missstand beheben.
  • Neue Fahrpläne: Der erster Zug ab Villingen nach Freiburg soll voraussichtlich um 4.30 Uhr starten mit Ankunft in Freiburg um 6.05 Uhr. Letzte Abfahrt in Freiburg wäre dann 22.46 Uhr mit Ankunft Villingen um 0.22 Uhr. Dazwischen sollen mindestens alle 60 Minuten Züge zwischen Freiburg und Villingen fahren – auch an den Wochenenden – und dabei auch jedes Mal an Haltepunkten halten, die bislang nur sporadisch bedient werden.
  • Neue Fahrzeuge. Einen erklecklichen Etatposten wird die Neubeschaffung der Fahrzeuge betreffen. Bislang fuhren lokbespannte Doppelstockzüge zwischen Freiburg und Neustadt. Ab Neustadt verkehrten Dieseltriebzüge in Richtung Donaueschingen. Künftig werden moderne, einstöckige Elektrotriebwagen der Firma Alstom vom Rhein bis auf die Baar fahren. Klimaanlagen und WLAN-Angebot gehören dann ebenso zum Standard wie deutlich kürzere Fahrzeiten.
    Der elektrisch betriebenen vierteiliger Triebzug Alstom Coradia soll künftig für die neue Breisgau-S-Bahn zwischen Breisach und Villingen unterwegs sein. <em>Bild:</em><em> Alsto</em><em>m</em>
    Der elektrisch betriebenen vierteiliger Triebzug Alstom Coradia soll künftig für die neue Breisgau-S-Bahn zwischen Breisach und Villingen unterwegs sein. | Bild: Alstom
  • Weniger Platz: Mit der Beschaffung der Fahrzeuge öffnet sich allerdings auch ein bislang ungeklärtes Problem. Konnten bis dato pro Zug zwischen Freiburg und Titisee-Neustadt maximal 636 Sitzplätze zur Verfügung gestellt werden, werden es in Zukunft lediglich 494 Sitzplätze sein. Auf Anfrage bei den Betreibern wurde darauf hingewiesen, dass die Taktzeiten bei steigendem Bedarf von derzeit 30 Minuten auf 20 Minuten verkürzt werden können. Damit erhöhe sich die Fahrgastkapazität pro Stunde deutlich. Für Pendler, die zu einem bestimmten Zeitpunkt am Zielort sein müssen, dürfte das nur ein schwacher Trost sein.
  • Künftig geflügelte Züge: Von Breisach und Endingen kommend werden die Züge der Kaiserstuhlbahn in Gottenheim gekoppelt, fahren gemeinsam über Freiburg nach Titisee-Neustadt, wo sie wiederum getrennt werden. Ein Teil der Züge eilt dann in Richtung Schluchsee, der andere fährt weiter bis Villingen. Dabei entstehen auf dem Streckenabschnitt Freiburg Titisee eine Taktzeit von 30 Minuten, auf der Gesamtstrecke fahren alle 60 Minuten Züge. An Sonntagen soll es eine Taktverdichtung auf 20 Minuten zwischen Freiburg und Titisee-Neustadt geben, so ein Bahnsprecher.
  • Gewaltige Kosten: Bund, Land und Kommunen nehmen mit gut 320 Millionen Euro richtig viel Geld in die Hand für den Ausbau der Breisgau-S-Bahn. Allein 14,7 Millionen Euro haben die Kreisräte des Schwarzwald-Baar-Kreises für dieses zukunftsorientierte Projekt bislang genehmigt.
  • Zukunft: Wenn die Bahnstrecke zwischen Rottweil, Schwenningen und Villingen ebenfalls elektrifiziert worden ist, sind durchgehende Züge zwischen Breisach und Stuttgart denkbar.

Die Höllentalbahn

Die Bahnverbindung von Freiburg in den Schwarzwald wurde unter der Regie von Robert Gerwig ab 1882 geplant und gebaut. Im Mai 1887 fuhr der erste Zug von Freiburg nach Neustadt. Besonders war bereits seinerzeit die abenteuerliche Streckenführung durch das Höllental. Mittels Zahnstange erklommen die noch recht schwachen Dampflokomotiven zunächst die Schwarzwaldhöhen. 1901 erreichte der Schienenstrang dann die Stadt Donaueschingen. Da möglichst viele Gemeinden an das Bahnnetz angebunden werden wollten, folgt diese Strecke nicht dem kürzesten und technisch sinnvollsten Weg. Die Strecke windet sich stattdessen in weiten Bogen von Ortschaft zu Ortschaft und verlängert somit Wegstrecke und Fahrzeiten. Dies führte in den 70er Jahren zu ernsthaften Überlegungen diesen Streckenabschnitt völlig stillzulegen. Vor allem das Wechseln der Lokomotiven in Neustadt war stets ein Betriebshindernis. Denn 1936 wurde die steilste normalspurige Bahnstrecke Deutschlands nur von Freiburg bis Neustadt mit einem elektrischen Fahrdraht ausgestattet. Zwischen Neustadt und Donaueschingen konnten bislang nur dampf- oder inzwischen auch dieselbetriebene Fahrzeuge eingesetzt werden. (jdk)