Der Ärger bei einigen Bürgern war groß, als das Landratsamt vergangenes Jahr Kontrollen der Biomülltonnen ankündigte, weil der Biomüll immer öfter Plastik und andere Verunreinigungen enthält. Das Thema kochte erneut auf, als im Mai 2018 auch die Restmülltonnen unter Beobachtung gestellt wurden. Gleichwohl wurde im April 2017 für die Aufgabe eine 50-Prozent-Stelle im Amt für Abfallwirtschaft des Schwarzwald-Baar-Kreises geschaffen. Arbeitsschwerpunkt: Abfallkontrollen und wilder Müll.

Diese Aufgabe hat Stefan Götz aus Villingen übernommen. Seit September 2017 ist er mit wachsamem Blick im gesamten Kreisgebiet unterwegs und passt auf, dass die Regeln der Müllentsorgung und der Mülltrennung eingehalten werden. Der SÜDKURIER hat bei dem 34-Jährigen, der nicht im Bild gezeigt werden möchte, und bei Amtsleiter Martin Fetscher nachgefragt, wie die Kontrollen angelaufen sind, wie die Bürger damit umgehen und ob bereits Erfolge erzielt wurden.

Bild: Jens Fröhlich
Amtsleiter Martin Fetscher | Bild: Jens Fröhlich

Bürgerreaktionen: „Ich habe es mir schlimmer vorgestellt“, blickt der Kontrolleur zurück. Bislang habe er kaum Probleme bei seinen Kontrollgängen gehabt. Es komme zwar immer wieder mal vor, dass Bürger mit Unverständnis reagieren, wenn er in ihre Mülltonnen spicke. Manchen Menschen empfinden das als Eingriff in ihre Privatsphäre. „Aber wenn ich es ihnen dann freundlich und sachlich erkläre, verstehen es die meisten“, erzählt er. In einem Fall habe ihn eine Frau mit dem Auto verfolgt, um ihn ein paar Häuser weiter für die Kontrollaktion zur Rede zu stellen. Aber auch in diesem Fall konnte Götz mit einer Erklärung die Wogen schnell wieder glätten.

Kontrollen: „Ich plane meine Touren nach dem Abfallkalender“, erzählt Götz. Danach reist er mit dem Auto zum nächsten Einsatzort im Kreisgebiet. „Dort angekommen gehe ich zu Fuß die Straßen entlang und werfe einen Blick in die Biomülltonnen.“ Im Müll wühlt und stochert er aber nicht herum, um verbotene Gegenstände zu finden. Zwischen 50 und 100 Tonnen klappt er pro Einsatz zur Sichtkontrolle auf, je nach Wohnlage und Gebiet. Im Winter erschweren ihm häufig zugefrorene Tonnen die Arbeit. Beim Biomüll achtet er vor allem darauf, dass keine Störstoffe in der Tonne sind. Das sind zum Beispiel Kunststoffe, Metalle oder Glas. „Ich finde auch immer wieder Windeln“, ergänzt er.

Video: Jens Fröhlich

Grobe Verstöße: Einmal habe ein Bürger versucht, einen ganzen Lattenrost im Biomüll zu entsorgen. Amtsleiter Fetscher berichtet, dass in der Vergärungsanlage in Deißlingen, wo der gesamte Inhalt der Biomülltonnen aus dem Schwarzwald-Baar-Kreis und den Nachbarkreisen Tuttlingen und Rottweil landet, auch schon Tierkadaver und eine Autobremsscheibe gefunden wurden. 

Bild: Landratsamt Schwarzwald-Baar-Kreis

„Durch solche Gegenstände kann ein erheblicher Schaden an der Anlage entstehen“, gibt Fetscher zu bedenken. Meist findet Götz in den Tonnen aber Plastiktüten, Glas und noch verpackte Lebensmittel. Als Beispiel nennt er eine unberührte Toastbrotpackung. Auch kompostierbare Kunststofftüten seien nicht erlaubt. „Diese zersetzen sich in der Vergärungsanlage zu langsam, oder werden zuvor wie andere Störstoffe aussortiert“, erklärt Fetscher.

So sehen die aussortierten Störstoffe aus. | Bild: Landratsamt Schwarzwald-Baar-Kreis

Sanktionen: Bei kleineren Verstößen zückt Götz eine gelbe Karte, heftet sie an die Tonne und macht sich eine Notiz für eine Nachkontrolle, die meist einige Wochen später stattfindet. Für den Besitzer bedeutet das: Er muss den Biomüll künftig besser trennen. Hat Götz bei der Nachkontrolle erneut etwas zu beanstanden, oder bei groben Verstößen, dann gibt es die rote Karte (siehe weiter unten). Die Tonne wird dann nicht geleert. Götz dokumentiert den Verstoß zudem mit einem Beweisfoto.

Bild: Jens Fröhlich

Erste Bilanz: Auf rund 2500 Biomüll-Kontrollen kann Götz mittlerweile zurückblicken. Bei rund einem Drittel der Tonnen musste er eine gelbe Karte hinterlassen. Rund 30 Prozent dieser Müllsünder sind später auch bei der Nachkontrolle durchgefallen und haben eine roten Karte erhalten. Rund 600 Bürger hätten auf die Verwarnung reagiert und ihre Mülltrennung tatsächlich verbessert, so Götz. Das ist ein erster messbarer Erfolg für das Abfallwirtschaftsamt.

Video: Jens Fröhlich

Nur Sichtkontrolle: Mit den Restmüll-Kontrollen, die Götz seit Mai ebenfalls macht, möchte der Landkreis vornehmlich die Kosten reduzieren und die Gebührengerechtigkeit für Bürger gewährleisten. Kontrolliert wird lediglich die Müllmenge. In die Tonnen schaut Götz nicht. Meist fährt er im Auto durch die Straßen und hält nach überfüllten Behältern und neben der Tonne abgestelltem Müll Ausschau. Die Entsorgung von Restmüll sei die teuerste und, ökologisch betrachtet, schlechteste Variante, so Fetscher. Vielmehr empfiehlt er bei größeren Gegenständen die Sperrmüll-Abholung. Zweimal im Jahr können Bürger dieses Angebot in Anspruch nehmen. Sperrmüll werde vollständig einem höherwertigeren Verwertungsweg zugeführt.

Bild: Jens Fröhlich
Restmülltonnen kontrolliert Stefan Götz (nicht im Bild) meist aus dem Auto heraus. Dabei achtet er nur auf die Müllmenge. Unser Bild zeigt SÜDKURIER-Volontär Sebastian Küster, der die Szene nachstellt. Der echte Kontrolleur möchte nicht im Bild zu sehen sein. | Bild: Jens Froehlich

Zukunft: Mit den Kontrollen der Biotonnen verfolgt der Kreis vor allem das ökologische Ziel, den Eintrag von Kunststoffen in die Natur möglichst gering zu halten. Aus den Bioabfällen werden Komposte und Düngemittel hergestellt. Der Landkreis stehe bei wichtigen Kennzahlen relativ gut da, wie zum Beispiel beim Anteil der Störstoffe im Biomüll von aktuell 2,6 Prozent, erklärt Fetscher. Man liege damit deutlich unter den gesetzlichen Grenzwerten. Doch locker lassen möchte der Amtsleiter angesichts der generellen Debatte um zu viel Plastikmüll nicht. Die Werte sollen weiter verbessert werden. Mehr Kontrollen seien aber nicht geplant. Vielmehr setzt das Amt auf Information und Sensibilisierung der Bevölkerung.

Bild: Landratsamt Schwarzwald-Baar-Kreis

Sonderfall: Ein Sonderstellung bei der Müllkontrolle stellen Komposthaufen dar. Rund 30 000 Bürger im Kreis sparen sich die Kosten für eine Biotonne und haben eine Befreiung beantragt. Sie müssen jedoch nachweisen können, Bioabfälle selbst zu kompostieren. Das werde im Jahr rund 300 Mal stichprobenartig kontrolliert, so Fetscher. Diese Kontrollen finden meist angemeldet statt und fallen nicht in das Aufgabengebiet von Stefan Götz.

Keinen Sapß mehr am eigenen Komposthaufen? Entlastung ist in Sicht: Ab 2019 können auch im Landkreis Waldshut die Bioabfälle aus Küche und Garten in der braunen Biotonne entsorgt werden.
Symbolbild | Bild: Manfred Dinort