Wenn die Grundsicherung für das Essen mal nicht ausreicht, dann gibt es in VS-Schwenningen immer noch die Wärmestube. So heißt eine besondere Einrichtung der Arbeiterwohlfahrt (Awo), die im ehemaligen Gasthaus Paradies an der Talstraße untergebracht ist.

Dort wird vor allem für Wohnungslose von montags bis freitags für einen Mindestbeitrag von 1,50 Euro ein warmes Mittagessen angeboten – und was für viele bestimmt genauso wichtig: soziale Kontakte.

Doch die Helfer brauchen selbst mehr Unterstützung. Daher stellte sich die Wärmestube jetzt im Sozialausschuss des Kreistags vor.

„Ein gutes und wichtiges soziales Angebot, eine soziale Einrichtung, die sich mit hohem ehrenamtlichen Engagement um die Schwächsten in der Gesellschaft kümmert und dort für Entlastung sorgt“: So bewertete das Landratsamt für Ausschuss die Wärmestube.

Anlass war der Antrag des Fördervereins der Tagesstätte für wohnungslose Menschen auf eine Erhöhung des Kreisschusses für dieses besondere Hilfeangebot.

Bärbel Wagner, die Vorsitzende des Träger- und Fördervereins und Frau der ersten Stunde, stellte die Geschichte der Wärmestube vor. Seit der Gründung 2006 schließt das frühere Gasthaus Paradies eine soziale Lücke in der Region.

Nach den Anfängen mit 15 bis 20 Essensgästen ist die Wärmestube bald ein Ort der Begegnung geworden mit der Möglichkeit, werktäglich ein Mittagessen einzunehmen.

Inzwischen sind regelmäßig um die 40 Menschen aus der Stadt und der Region zu Gast. Menschen die auf der Straße leben oder in schlechten Wohnverhältnissen.

Mit geringen Renten, mit wenig Einkommen. Dazu kommen sogenannte Solidaresser, also Gäste, die nach eigenem Ermessen für die Mahlzeit bezahlen.

Während 2006 an 196 Tagen 5738 Besucher gezählt wurden, waren es im vergangenen Jahr bereits 9446 Gäste an 232 Öffnungstagen. Der Anteil älterer und armer Menschen werde größer, sagte Bärbel Wagner.

Aktuell leben 20 Prozent der Paradies-Gäste von Arbeitslosengeld II oder Sozialhilfe, 46 Prozent von Rente und Grundsicherung, 34 Prozent haben eine Rente von unter 1100 Euro. Die Solidaresser stellen einen Anteil von sechs Prozent.

Zum kommunikativen Essen kommt noch die soziale Begleitung und Beratung. Der Sozialarbeiter Ralf Großmann steht dafür immer und kompetent zur Verfügung.

Dass das alles für so viele Gäste verlässlich laufen kann, dafür sorgen engagierte haupt- und ehrenamtlich Mitarbeitende und zahlreiche Unterstützer, Geld- und Sachspender. Auch die Stadt Villingen-Schwenningen sowie der Landkreis helfen.

Früher gab es auch Geld von der Arbeitsagentur, aber seit das nicht mehr möglich ist, hat der Förderverein die ungedeckten Lohnkosten übernommen. Dazu ist er aber inzwischen nicht mehr in der Lage.

Der Landkreis hat das ehrenamtliche Engagement von Anfang an anerkannt und honoriert. Die Wärmestube wird hier vor allem als ein Angebot für die Armutsbevölkerung gesehen und als Hilfe zur Überwindung besonderer sozialer Schwierigkeiten, für die es nach den geltenden Vorschriften keine institutionelle Förderung möglich ist, so das Landratsamt.

Das Engagement aller Mitarbeitenden wurde im Ausschuss als „großartige Arbeit“ gewürdigt und als „wichtige gesellschaftliche Leistung“ für eine Gesellschaftsschicht „der es alles andere als gut geht“.

Im Blick auf den Antrag auf einen höheren Zuschuss will das Landratsamt dem Kreistag nun einen Vorschlag machen, so der Landrat.

Damit die Kreisräte zwischenzeitlich mal praktisch erleben können, wie es im Paradies zugeht, lud Bärbel Wagner ein: „Kommen Sie einfach mal vorbei“, vielleicht ja auch als Solidaresser.

Schwierige Geldfrage

Der Schwarzwald-Baar-Kreis unterstützt die Wärmestube mit einem Jahresbeitrag, der 2017 dann 6500 Euro betrug. Die Arbeiterwohlfahrt beantragte dann eine Erhöhung um 15 000 auf 21 500 Euro. Das scheiterte an einem Patt im Sozialausschuss. Der Gesamtkreistag folgte dann einem Kompromissvorschlag des Landratsamts, für 2018 eine Anhebung auf 10 000 Euro zu bewilligen.