In der Wirtschaftswunderzeit, in denen die Menschen zwar langsam Geld, aber längst noch kein eigenes Auto hatten, waren Busreisen für viele Menschen die einzige Möglichkeit, entferntere Reiseziele kennenzulernen. Heute kann nahezu jeder mit dem Auto, der Bahn oder per Flugzeug die entlegensten Orte der Welt entdecken. Dennoch erfreuen sich Busreisen steigender Beliebtheit. Immer mehr Menschen entdecken den Komfort für sich, die Reise vom ersten Augenblick an zu genießen, ohne sich um Fahrtrouten und Parkplätze kümmern zu müssen.

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Gleich mehrere Argumente sprechen für den Bus als Reiseverkehrsmittel. Ein vollbesetzter Reisebus hat pro Fahrgast die umweltfreundlichste CO2-Bilanz. Moderne Reisebusse sind zudem mit allen Annehmlichkeiten ausgestattet, mit denen sich auch lange Strecken entspannt zurücklegen lassen. Und der Bus ist laut TÜV nach wie vor das sicherste Verkehrsmittel.

Ein Bus der Firma Petrolli, mit der der SÜDKURIER regelmäßig Leserreisen unternimmt, auf der Autobahn. Der Bus gilt als sicherstes und umweltfreundlichstes Verkehrsmittel.
Ein Bus der Firma Petrolli, mit der der SÜDKURIER regelmäßig Leserreisen unternimmt, auf der Autobahn. Der Bus gilt als sicherstes und umweltfreundlichstes Verkehrsmittel. | Bild: Sprich, Roland

Damit die Fahrgäste ihr Ziel sicher erreichen, gelten für Busfahrer Lenk- und Ruhezeiten, die strikt eingehalten werden müssen und deren Einhaltung streng überwacht wird. Beim Überschreiten von Lenk-, beziehungsweise Unterschreiten von Ruhezeiten drohen harte Strafen sowohl für den Fahrer als auch für den Fuhrunternehmer.

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Eines stößt bei manchen Fahrgästen immer wieder auf Unverständnis: Alle Fahrgäste sitzen nach einer Rast wieder auf ihren Plätzen. Doch der Busfahrer startet seinen Bus nicht. Auf Nachfrage erklärt er, dass seine vorgeschriebene Lenkzeitunterbrechung, also Pause, noch nicht beendet ist. Martin Wetzel ist Busfahrer und Fahrpersonal- und Ausbildungsleiter bei der Firma Petrolli in Niedereschach. Er unterweist Busfahrer auch in dem sensiblen Bereich Lenk- und Ruhezeiten.

„Die Lenk- und Ruhezeiten sind nicht zur Strafe, sondern zum Schutz von Busfahrern und Passagieren eingeführt worden“, sagt Martin Wtzel, Ausbildungs- und Fahrdienstleiter bei der Firma Petrolli.
„Die Lenk- und Ruhezeiten sind nicht zur Strafe, sondern zum Schutz von Busfahrern und Passagieren eingeführt worden“, sagt Martin Wtzel, Ausbildungs- und Fahrdienstleiter bei der Firma Petrolli. | Bild: Sprich, Roland

Wetzel erklärt, was es mit den Lenk- und Ruhezeiten auf sich hat. „Die maximale Tageslenkzeit beträgt neun Stunden. Nach spätestens viereinhalb Stunden Fahrtzeit muss der Fahrer eine 45-minütige Pause einlegen. Die Fahrtunterbrechung kann auch in zwei Pausen von einmal 15 und einmal 30 Minuten aufgeteilt werden, wobei die erste Pause die Kürzere sein muss.

Damit Fahrgäste wie hier bei der SÜDKURIER-Leserreise im Reisebus so entspannt die Fahrt genießen können, gelten für Busfahrer strenge Vorschriften für Lenk- und Ruhezeiten.
Damit Fahrgäste wie hier bei der SÜDKURIER-Leserreise im Reisebus so entspannt die Fahrt genießen können, gelten für Busfahrer strenge Vorschriften für Lenk- und Ruhezeiten. | Bild: Sprich, Roland

Zwei Mal pro Woche darf der Fahrer seine Lenkzeit auf maximal zehn Stunden erhöhen, wobei er jeweils nach spätestens viereinhalb Stunden eine 45-minütige Pause machen muss und nach der zweiten Pause noch maximal eine Stunde hinterm Steuer sitzen darf. Danach muss der Fahrer eine Ruhezeit von mindestens elf Stunden einlegen.

Nach spätestens viereinhalb Stunden Fahrtzeit muss Sven Albert eine Ruhepause von 45 Minuten einlegen. Danach darf er noch einmal maximal viereinhalb Stunden hinterm Steuer sitzen. Dann ist seine Tageslenkzeit erfüllt.
Nach spätestens viereinhalb Stunden Fahrtzeit muss Sven Albert eine Ruhepause von 45 Minuten einlegen. Danach darf er noch einmal maximal viereinhalb Stunden hinterm Steuer sitzen. Dann ist seine Tageslenkzeit erfüllt. | Bild: Sprich, Roland

Die Einhaltung der Lenk- und Ruhezeiten wird streng überwacht. In jedem Omnibus sind Fahrtenschreiber installiert. Diese in Fahrzeugen ab Baujahr 2006 digitalen Geräte zeichnen alle relevanten Tätigkeiten auf und speichern diese im Kontrollgerät. Bei einer Kontrolle relevant sind zunächst Verstöße der 28 zurückliegenden Tage, die nachträglich geahndet werden können. Für Betriebskontrollen müssen die Daten zudem ein Jahr archiviert werden.

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Neben den Lenkzeiten gelten für Busfahrer, übrigens ebenso wie für alle europäischen Berufskraftfahrer, die ein Fahrzeug über 3,5 Tonnen gewerblich zulässigem Gesamtgewicht steuern, Ruhezeiten. So muss ein Busfahrer nach Erreichen der Tageslenkzeit von neun Stunden eine Ruhezeit von elf Stunden einlegen, ehe er sich wieder hinters Steuer setzen darf. Dabei gibt es auch Ausnahmen. Drei Mal pro Woche darf die Ruhezeit auf jeweils neun Stunden reduziert werden. Am Ende einer Arbeitswoche, sechs sogenannten „24-Stunden-Zeiträumen“, müssen 45 Stunden Pause folgen.

Die 220 Teilnehmer der SÜDKURIER-Leserreise nach Stoos genießen am Rheinfall in Schaffhausen ein Frühstück mit Kaffee, Hefezopf und Sekt.
Die 220 Teilnehmer der SÜDKURIER-Leserreise nach Stoos genießen am Rheinfall in Schaffhausen ein Frühstück mit Kaffee, Hefezopf und Sekt. | Bild: Sprich, Roland

Weshalb die penible Einhaltung der Lenk- und Ruhezeitvorschriften wie ein Damoklesschwert über den Busfahrern hängt, zeigt ein Blick auf den Bußgeldkatalog. Bei Nichteinhalten drohen dem Fahrer saftige Geldstrafen. „Die Lenk- und Ruhezeiten sind nicht dazu da, Busfahrer oder Fahrgäste zu ärgern. Sie dienen der Sicherheit. Niemand will einen übermüdeten und unkonzentrierten Busfahrer am Steuer haben“, betont Martin Wetzel.

Bei seriösen Busunternehmen wird das Tagesziel deshalb von den Disponenten so geplant, dass es auch unter Einberechnung von Verkehrsbehinderungen innerhalb der Tageslenkzeit des Busfahrers erreicht werden kann. Kann das Ziel nicht innerhalb dieser Zeit erreicht werden, muss ein zweiter Fahrer das Steuer übernehmen.

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Was aber passiert, wenn der Bus aufgrund eines Staus stundenlang auf der Autobahn steht und der Fahrer keine Chance hat, eine Pause einzulegen? „Dann greift die so genannte Ausnahmeregelung nach Artikel zwölf der EU-Verordnung 561/2006“, erklärt Martin Wetzel. Diese besagt, dass der Fahrer von der Vorschrift abweichen kann, um einen geeigneten Halteplatz zu erreichen. Er muss dann Art und Grund der Abweichung spätestens bei Erreichen des Haltepunktes handschriftlich auf dem Schaublatt oder Ausdruck des Kontrollgerätes oder im Arbeitszeitplan vermerken.

Fahrgäste können sich also bei der nächsten Busreise entspannt zurücklehnen, wenn der Fahrer den Bus noch nicht startet, obwohl bereits alle Fahrgäste an Bord sind.

Der SÜDKURIER bietet in Kooperation mit der Firma Petrolli aus Niedereschach Leserreisen an. Hier befährt ein Bus voller SÜDKURIER-Leser die Straße durch die Vogesen.
Der SÜDKURIER bietet in Kooperation mit der Firma Petrolli aus Niedereschach Leserreisen an. Hier befährt ein Bus voller SÜDKURIER-Leser die Straße durch die Vogesen. | Bild: Sprich, Roland

Vorschriften

Die Sozialvorschriften für Berufskraftfahrer sind auf EU-Ebene geregelt. Dadurch sollen die Wettbewerbsbedingungen im Straßenverkehrsgewerbe harmonisiert sowie Arbeitsbedingungen und Sicherheit im Straßenverkehr verbessert werden. Die Lenk- und Ruhezeitenverordnung ist hierfür ein wesentlicher Bestandteil.

Die Einhaltung der Lenk- und Ruhezeiten überwacht neben der Polizei vor allem das Bundesamt für Güterverkehr (BAG). Bei Verstößen drohen saftige Bußgelder.

  • Lenkzeitverstöße: Bei einer Überschreitung der zulässigen Tageslenkzeit von neun Stunden um bis zu einer Stunde werden 30 Euro Bußgeld fällig. Bei bis zu zwei Stunden werden je angefangene halbe Stunde 30 Euro fällig. Bei einer Überschreitung von mehr als zwei Stunden werden pro angefangene halbe Stunde 60 Euro Strafe fällig.
  • Pausenverstöße: Wird die Fahrtunterbrechung verspätet angetreten, werden bis zu einer Stunde und jede angefangene weitere halbe Stunde 30 Euro fällig. Bei einer Unterschreitung der vorgeschriebenen Pause um bis zu 15 Minuten werden 30, bei mehr als 15 und für jede angefangenen weitere 15 Minuten 60 Euro Bußgeld gefordert.
  • Ruhezeitenverstöße: Die Unterschreitung der täglichen Ruhezeit um bis zu einer Stunde kostet ebenfalls 30, bei mehr als drei Stunden für jede angefangene Stunde 60 Euro. (spr)