Im Alter von 86 Jahren ist Rainer Gutknecht, der erste Landrat des 1973 neu gegründeten Schwarzwald-Baar-Kreises, am vergangenen Dienstag verstorben. Gutknecht war bis 1996 im Amt und prägte die Entwicklung und das erfolgreiche Zusammenwachsen des Landkreises aus Gebieten der Altlandkreise Villingen und Donaueschingen sowie Rottweil entscheidend mit.

Gutknecht war in Stuttgarter geboren und wuchs in Rottweil als Sohn des Bürgermeisters auf. Nach seinem Studienabschluss in Tübingen arbeitete er zunächst beim Deutschen Städtetag in Köln, dann als stellvertretender Verwaltungschef des Rheinisch-Bergischen Kreises. Seine dritte und letzte berufliche Station führte Gutknecht dann nach Villingen-Schwenningen.

Das optisch bekannteste Erbe aus der Amtszeit von Gutknecht dürfte zwar das Kreishaus in VS-Villingen sein, der Hauptsitz der Kreisverwaltung mit seiner hellen, offenen und immer noch modernen Architektur.

Doch für den promovierten Juristen hatte vor allem die Entwicklung und der Ausbau der beruflichen Schulen sowie der Sonderschulen oberste Priorität: "Viele der heute bestehenden Kreisschulen entstanden in den 1970er und 1980er Jahren unter seiner Führung", schrieb der aktuelle Landrat Sven Hinterseh in einem Beitrag zur Ausgabe 2017 des Kreis-Almanachs – der wiederum von Gutknecht 1976 ins Leben gerufen wurde, um ein gemeinsames Bewusstsein für den neuen Landkreis zu schaffen.

Weitere bleibende Errungenschaften aus Gutknechts Amtszeit sind der Aufbau einer modernen Abfallwirtschaft, die Weiterentwicklung des damaligen Kreiskrankenhauses Donaueschingen, die Beratungs- und Betreuungsstellen im Bereich Jugend- und Familienfürsorge und der Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs.

Seine Unterstützung für den Kulturbereich korrespondierte auch mit den privaten kulturellen Interessen. Nach seinem Eintritt in den Ruhestand führte der belesene und bis zuletzt geistig hellwache Wahl-Bad-Dürrheimer ein von der Öffentlichkeit eher zurückgezogenes Leben.

Bis zuletzt erfreute er sich einer stabilen Gesundheit, unternahm viele Reisen, ging gerne ins Solemar und auf Wanderungen. Der stets unverheiratet gebliebene Gutknecht versorgte seinen Haushalt selbst, nahm nur noch an ausgewählten öffentlichen Anlässen teil – so zuletzt bei der Eröffnung der Kreiskunstausstellung im Landratsamt am 5. März.

Gutknecht erfuhr für seine Verdienste im Laufe der Jahre eine ganze Reihe von Ehrungen, darunter das Bundesverdienstkreuz am Bande, das Bundesverdienstkreuz 1. Klasse, die Staufermedaille des Landes Baden-Württemberg und die Verdienstmedaille des Schwarzwald-Baar-Kreises in Gold.

Auf Wunsch des Verstorbenen findet die Trauerfeier nach Angaben des Landratsamts im engsten Kreis statt.