Über den Wolken muss die Freiheit wohl grenzenlos sein. So sang schon Reinhard Mey. Und er musste es ja wohl wissen, war er doch selbst passionierter Privatpilot. Vor dem Genießen dieser Freiheit in den Lüften liegt aber auch immer erst einmal etwas Arbeit, vor allem nach der langen Winterpause.

Die Ruder sind nicht aus Metall, sondern mit Stoff bespannt. Sie müssen vor dem Abflug geprüft werden.
Die Ruder sind nicht aus Metall, sondern mit Stoff bespannt. Sie müssen vor dem Abflug geprüft werden. | Bild: Hans-Juergen Goetz

Jetzt, wo die Sonne endlich wieder beständiger scheint, hält es auch die Sportflieger nicht mehr Zuhause. Überall werden die Flugzeuge aus dem Hangar geholt, gründlich überprüft und für die kommende Flugsaison fit gemacht. Denn eines ist klar: In allererste Linie geht es immer um die maximale Flugsicherheit.

Auch die Bremsen müssen geprüft werden.
Auch die Bremsen müssen geprüft werden. | Bild: Hans-Juergen Goetz

So auch bei Markus Bürker und seinen Fliegerkameraden auf dem Schwenninger Flugplatz. Seinen Flugschein hat der 62-Jährige schon seit 34 Jahren und seine Liebe gilt schon immer den Oldtimern der Lüfte. "Da ist alles noch ehrlich und direkt, so etwas gibt es bei modernen Flugzeugen nicht mehr", kommt er ins Schwärmen, während er mit prüfendem Blick sanft über den Propeller der Piper Cub streichelt.

Die Kerosintanks befinden sich in den Tragflächen.
Die Kerosintanks befinden sich in den Tragflächen. | Bild: Hans-Juergen Goetz

In der Tat, diese Maschine wurde im Jahre 1941 im Piper-Werk in Vero Beach im amerikanischen Florida gebaut und wurde damals als Schulflugzeug für angehende Militärpiloten eingesetzt. Obwohl der Tragflächenholm noch aus Holz ist, hatte diese Maschine für damalige Verhältnisse einen revolutionären Leichtbau-Stahlrohrrumpf. Der Rumpf und die Tragflächen wurden mit Stoff bespannt. Als Antrieb dient dieser Maschine ein 90 PS starker, luftgekühlter 4-Zylinder-Boxermotor der Marke Rolls-Royce.

Auch der Ölstand der 90-PS-Maschine muss vor jedem Flug geprüft werden. Der Motor stammt von der Firma Rolls Royce, einem, wie die heutige Mutterkonzern BMW auch, traditionellen Flugzeugmotorenbauer, der heutzutage jedoch eher für noble Autos bekannt ist.
Auch der Ölstand der 90-PS-Maschine muss vor jedem Flug geprüft werden. Der Motor stammt von der Firma Rolls Royce, einem, wie die heutige Mutterkonzern BMW auch, traditionellen Flugzeugmotorenbauer, der heutzutage jedoch eher für noble Autos bekannt ist. | Bild: Hans-Juergen Goetz

"Diese Technik ist noch überschaubar, will aber auch verstanden und gepflegt werden", so Bürker, der sich im Verein speziell um diese Maschine kümmert und neue Piloten sorgfältig darauf einweist. In den 1950er-Jahren kam die Maschine über einen amerikanischen Militärpiloten nach Deutschland und ist seit dem im Besitz der Sportfliegergruppe Schwenningen.

In der Luft ist die Piper Cub der Schwenninger Sportflieger in ihrem Element.
In der Luft ist die Piper Cub der Schwenninger Sportflieger in ihrem Element. | Bild: Hans-Juergen Goetz

Generell werden alle Flugzeuge, unabhängig von ihrem Alter, jedes Jahr einer sogenannten Lufttüchtigkeitsuntersuchung unterzogen. Das ist vergleichbar mit dem TÜV beim Auto, nur sehr viel aufwendiger und viel strenger. Jedes Bauteil wird inspiziert und bei einer Beanstandung oder dem Ablauf seiner spezifizierten Lebensdauer ersetzt. So ist sicher gestellt, dass keine Flugzeuge wegen Überalterung oder Materialermüdung vom Himmel fallen.

Recht spartanisch mutet die rudimentäre Cockpit-Instrumentierung des Oldtimers an. Dennoch ist alles an seinem Platz.
Recht spartanisch mutet die rudimentäre Cockpit-Instrumentierung des Oldtimers an. Dennoch ist alles an seinem Platz. | Bild: Hans-Juergen Goetz

"Das genügt aber nicht, es ist sehr wichtig die Maschine vor jedem Flug genau zu checken und alle wichtigen Systeme zu überprüfen, gerade auch bei einem Oldtimer", erklärt Bürker, während er die Bremsen der Maschine checkt. Natürlich gibt es dafür eine Checkliste, die ist aber nur die Basis für jeden Check. Erfahrende Piloten wissen, auf was es wirklich ankommt und sehen auch an Stellen nach, die nicht einmal auf der Checkliste stehen. Dieses Wissen gibt Markus Bürker gerne auch an junge Piloten weiter, so wie dem 16-jährigen Paul Kundke, der gerade seine Segelflugausbildung im Verein begonnen hat.

Erstes Probesitzen. Die Piper Cub wurde seit 1938 gebaut und gilt als eines der robustesten Flugzeuge überhaupt. Mehr als 20 000 Exemplare wurden von Piper in Florida gebaut.
Erstes Probesitzen. Die Piper Cub wurde seit 1938 gebaut und gilt als eines der robustesten Flugzeuge überhaupt. Mehr als 20 000 Exemplare wurden von Piper in Florida gebaut. | Bild: Hans-Juergen Goetz

Beim Checken der Maschine werden alle wichtigen Komponenten angeschaut, ob eventuell Schäden sichtbar sind oder gar irgendwo irgend etwas fehlt. "Nach der Segelflugausbildung will ich unbedingt weiter machen und den Pilotenschein für Motorflugzeuge machen, damit ich irgendwann auch diesen tollen Oldtimer fliegen darf", erklärt Paul, während ihn Markus Bürker in die versteckten Geheimnisse der Maschine einweiht.

Markus Büker (rechts) weist am Flugplatz Schwenningen den Segelflugschüler Paul Kundke in die Geheimnisse der Piper Cub ein.
Markus Büker (rechts) weist am Flugplatz Schwenningen den Segelflugschüler Paul Kundke in die Geheimnisse der Piper Cub ein. | Bild: Hans-Juergen Goetz

Dabei ist die Lufttüchtigkeit der Maschine das Eine, das Können der Piloten das Andere. "Hier gilt wirklich das Motto: Wer rastet, der rostet", erklärt Bürker. Nach der Winterpause sind die meisten Privatpiloten schon länger nicht mehr geflogen. Deshalb ist es beim Saisonstart besonders wichtig, dass sich jeder Pilot intensiv mit den Flugzeugen beschäftigt und vor allem alle Notverfahren perfekt beherrscht. Vor allem auch das sichere Starten und Landen muss immer wieder trainiert werden. Und das bei allen Wetterlagen und auf den unterschiedlichen Flugplätzen.

Blick von oben: Die Landebahn des Flugplatzes in Donaueschingen.
Blick von oben: Die Landebahn des Flugplatzes in Donaueschingen. | Bild: Hans-Juergen Goetz

Und bei dieser Piper Cub ist das noch viel wichtiger, ist sie doch ein sogenanntes Spornradflugzeug. Diese Flugzeugart ist im Gegensatz zu den modernen Maschinen mit einer Bugradsteuerung beim Starten und Landen besonders anspruchsvoll. Hier braucht es sehr viel fliegerisches Können und Erfahrung und vor allem immer wieder: Training, Training, Training.

Markus Bürker mit seinem Fliegerkameraden Raphael Woitzik in der Piper Cub über dem Bodensee. Aufgenommen wurde dieses Bild mit der Flügelkamera.
Markus Bürker mit seinem Fliegerkameraden Raphael Woitzik in der Piper Cub über dem Bodensee. Aufgenommen wurde dieses Bild mit der Flügelkamera. | Bild: Hans-Jürgen Götz

Im Schwenninger Verein fliegen deshalb alle Piloten ihre ersten Runden nach dem Winter mit einem erfahrenen Fluglehrer um sicher zu stellen, dass nicht nur die Maschinen, sondern vor allem auch ihre Piloten wieder heil auf den Flugplatz zurückkehren.