VS-Villingen/Konstanz (emv) Vier Mal soll ein heute 51-jähriger psychologischer Berater im Sommer 2016 in einer Klinik im Schwarzwald-Baar-Kreis eine Patientin sexuell missbraucht haben. Nach einer schwierigen Beweisaufnahme kam es vor einem Jahr vor dem Amtsgericht Villingen zu einem Freispruch. Die 46-jährige Frau, deren Anwältin Nebenklage erhoben hatte, akzeptierte ihn nicht und legte vor dem Landgericht Berufung ein. Nach zweitägiger Beweisaufnahme konnten dem 51-jährigen Familienvater auch hier die Taten nicht mit der für eine Verurteilung notwendigen Sicherheit nachgewiesen werden. Das Landgericht bestätigte den Freispruch und verwarf die Berufung der Frau aus dem Raum Heidelberg.

Der Angeklagte war ursprünglich wegen fünfmaligen sexuellen Missbrauchs unter Ausnutzung eines Beratungsverhältnisses angeklagt. Eine zweite Patientin der Klinik hatte ihn ebenfalls angezeigt, den Freispruch des Amtsgerichts vom März 2018 aber akzeptiert. Nicht so die 46-Jährige, die vor dem Landgericht unter Ausschluss der Öffentlichkeit noch einmal schilderte, was ihr im Sommer 2016 in der Einrichtung widerfahren sein soll.

Vor dem Amtsgericht hatte sie berichtet, der Psychologe habe ihr Vertrauen gewonnen, indem er ihr Komplimente gemacht, und ihr versprochen habe, sie "nie im Stich zu lassen". Nur wegen ihrer Depressionen und ihrer schlechten damaligen Verfassung habe sie seine Schmeicheleien nachgegeben, obwohl sie eigentlich keinen sexuellen Kontakt gewollt habe. Der Mann habe ihre Labilität für seine Zwecke ausgenutzt.

Der 51-Jährige stritt alles ab: "Das eigentliche Opfer bin ich!" behauptete er. Die Frau leide unter Liebeswahn. Sie habe ihm nachgestellt und ihm auch mehrmals Handynachrichten geschickt, nachdem sie durch Aushorchen von Mitarbeitern seine Nummer erfahren habe. Er sei glücklich verheiratet und habe es wirklich nicht nötig, Patientinnen zu verführen. Dazu sei er außerdem aus gesundheitlichen Gründen ohne entsprechende Medikation gar nicht in der Lage.

Auch nach der zweiten Beweisaufnahme habe es weder hinreichend Beweise für seine Schuld gegeben, noch welche, die ihn vollends entlastet hätten, erklärte die Vorsitzende Richterin der Berufungskammer am Landgericht.