Anfang September hat das neue Ausbildungsjahr begonnen. Bei einem Pressegespräch erörterten die Vizepräsidentin der Industrie- und Handelskammer Schwarzwald-Baar-Heuberg (IHK), Bettina Schuler-Kargoll, Hauptgeschäftsführer Thomas Albiez und Martina Furtwängler, Fachbereichsleiterin Bildungsberatung, die aktuelle Situation auf dem Ausbildungsmarkt. Dabei machten sie deutlich, dass eine duale Ausbildung dem vermeintlich gesellschaftlich höher angesehenen Studium in nichts nachstehe. Und sie klärten über Chancen für Studienabbrecher und bildungsschwächere Jugendliche auf dem Ausbildungsmarkt auf.

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Eines betonte IHK-Vizepräsidentin Schuler-Kargoll besonders: In Zeiten, in denen der Trend zur akademischen Ausbildung anhält, würden für Unternehmen der Zukunft prozessorientierte Praktiker immer wichtiger. „Es muss nicht jeder studieren“, machte Schuler-Kargoll deutlich. Eine berufliche Ausbildung biete hervorragende Perspektiven. Das vermeintlich gesellschaftlich höher angesehene und finanziell besser gestellte Studium relativiere sich, wenn man wisse, dass nahezu jeder dritte Studierende sein Studium abbricht, vorzugsweise im mathematisch-naturwissenschaftlichen Bereich. Dies habe zum Teil den Grund, dass durch den Wegfall der Grundschulempfehlung mehr Schüler aufs Gymnasium gehen, „wobei entsprechend mehr Schüler nicht studierfähig sind“. Zudem sei der Markt für akademische Arbeitskräfte in vielen Bereichen gesättigt. Außerdem könnten durch qualifizierte Weiterbildungen in den meisten Berufsfeldern auch Gehaltsebenen erreicht werden, die mit akademischen Gehältern durchaus vergleichbar seien.

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Anstatt also bei der Berufswahl nur nach der Gehaltstabelle zu schauen, sollten sich Berufsanfänger vielmehr die Frage stellen, welche Art der Ausbildung zu einem passe. Und dabei persönliche Neigungen und Fähigkeiten berücksichtigen. Die IHK hat es sich deshalb zur Aufgabe gemacht, die Berufsorientierung an den Schulen zu intensivieren und hier auch die Eltern mit ins Boot zu holen. Auch sollen Studienabbrecher frühzeitig aufgefangen und ihnen alternative Ausbildungsmöglichkeiten für ihr Fachgebiet angeboten werden. „Und auch die Integration von Jugendlichen mit Migrationshintergrund muss besser gelingen.“ Wobei hier bereits gute Fortschritte gemacht würden. So sei die Zahl von Flüchtlingen in Ausbildungsverhältnissen in den vergangenen zwei Jahren deutlich angestiegen.

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Martina Furtwängler legte Zahlen zur Situation auf dem Ausbildungsmarkt in der IHK-Region vor: Mit 1351 besetzten Ausbildungsplätzen sei das Niveau annähernd gleich wie im Vorjahr. „Wir haben derzeit 80 unbesetzte Ausbildungsplätze.“ Die Ursache sei nicht ein Mangel an Auszubildenden, sondern vielmehr, dass Schüler häufig nicht die erforderliche Ausbildungsreife besäßen. Das heißt, ihnen mangele es an Kernkompetenzen wie lesen, schreiben und rechnen, oder an Sozialkompetenzen. Diesen Schülern soll der Einstieg ins Berufsleben durch die ausbildungsvorbereitende Schulform „AV-Dual“ erleichtert werden.

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Während die Situation in den gewerblichen und kaufmännischen Industrieberufen, im Handel und im Bereich Dienstleistungen überwiegend positiv sei und sich dort auch die Zahl der Ausbildungsabbrecher im unteren einstelligen Prozentbereich halte, sei das große Sorgenkind die Gastronomie. Hier breche jeder fünfte die Ausbildung vorzeitig ab. Als Ursache hierfür gibt Furtwängler das veränderte Freizeitverhalten junger Menschen an: „Abends und an Wochenenden oder Feiertagen zu arbeiten, ist nicht sehr attraktiv.“ Dass der raue Umgangston, der früher hinter den Kulissen in Hotels und Restaurants herrschte, ein Grund sein könnte, weist Thomas Albiez entschieden zurück: „Die Gastronomie hat sich diesbezüglich in den vergangenen Jahren extrem gut entwickelt. Mit seinen Mitarbeitern schlecht umzugehen, kann sich heute niemand mehr erlauben.“ Die Herausforderung der Arbeitszeiten sei auch in anderen Bereichen, wie beispielsweise in Pflegeberufen, erkennbar, so der Hauptgeschäftsführer.

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Thomas Albiez unterstreicht den hohen Wert des dualen Ausbildungssystems. „Die duale Ausbildung schafft Perspektiven vom schulschwachen Schüler bis zum Abiturienten. Jeder hat die Möglichkeit, etwas aus seinem Leben zu machen.“

Eltern-Café

Am Mittwoch, 27. November, bietet die IHK von 17 bis 19 Uhr bei einem Eltern-World-Café Informationen darüber, welche Berufswege es nach dem Schulabschluss für ihre Kinder gibt. Die IHK hat dieses neue Format konzipiert, um den Eltern im Berufswahlprozess ihrer Kinder Orientierung zu geben. Das Eltern-World-Café richtet sich an die Eltern aller Schulformen, deren Kinder in den nächsten Jahren vor der Berufswahl stehen. Die Veranstaltung findet in der IHK Schwarzwald-Baar-Heuberg, Romäusring 4, VS-Villingen statt. Die Teilnahme ist kostenfrei. Interessierte können sich unter www.ihk-sbh.de unter Eingabe der Nummer 64 19 33 anmelden. (spr)