Schwarzwald-Baar – Ein Geisterfahrer hat die Polizei in der Region am frühen Dienstagmorgen in Atem gehalten. Der 42-Jährige aus dem Schwarzwald-Baar-Kreis war auf der Autobahn A 81 vom Autobahnkreuz Hegau bis nach Oberndorf auf der falschen Seite der Schnellstraße gefahren, bis er nach 57 Kilometern endlich anhielt. Ein Alkoholtest zeigte, dass der Mann mehr als 1,6 Promille im Blut hatte, berichtet das Polizeipräsidium Tuttlingen.

Autobahn-Blockade mit Lastern anvisiert

Die Polizei wurde durch einen Verkehrsteilnehmer alarmiert, der kurz vor 2 Uhr einen Geisterfahrer im Bereich des Autobahnkreuzes Hegau gemeldet hatte. Demnach war ein Autofahrer auf der falschen Fahrbahn in Richtung Stuttgart unterwegs. „Gleich nach der ersten Meldung“, so Polizeisprecher Dieter Popp auf Anfrage, habe man eine Blockade der Autobahn im Bereich Villingen mit einem oder mehreren quergestellten Lastwagen anvisiert. „Aber da war es schon zu spät, er war einfach zu schnell.“

Denn schon wenige Minuten später gab es eine weitere Meldung im Bereich Geisingen. „Im Anschluss kam der Geisterfahrer mit hoher Geschwindigkeit einer Polizeistreife auf Höhe der Anschlussstelle Villingen-Schwenningen entgegen“, heißt es im Polizeibericht. Der Geisterfahrer habe „sämtliche Warnhinweise“ aber schlicht ignoriert.

Geisterfahrer rast unbeirrt weiter

Unterdessen sei eine weitere Polizeistreife parallel zum Falschfahrer gefahren – aber auf der richtigen Richtungsfahrbahn Singen–Stuttgart – und habe versucht, den Fahrer über die Mittelleitplanken hinweg durch Haltezeichen, Lautsprecherdurchsagen, Blaulicht und Leuchtschrift zum Anhalten zu bewegen. Doch vergebens: „Der Falschfahrer setzte seine Fahrt mit Geschwindigkeiten bis zu 180 Stundenkilometern unbeirrt fort.“

Sicherheitshalber musste die Autobahnpolizei den Verkehr in Richtung Singen an der Anschlussstelle Oberndorf anhalten. Dort versuchte die Polizei erneut, als letztes Mittel mit einem Lastwagen die Fahrbahn zu blockieren. Die Lasterfahrer seien bei solchen Manövern erfahrungsgemäß „sehr hilfsbereit“, so Popp. Es gehe ja darum, Menschenleben vor einem Geisterfahrer zu retten.

Handy-Nummer in Windeseile recherchiert

Doch der 42-Jährige habe zum Glück auch ohne Laster-Sperre gegen 2.20 Uhr bei Oberndorf angehalten: Die Polizei bekam laut Popp in kürzester Frist die Handynummer des Fahrers heraus, rief ihn während der Fahrt an – und der 42-Jährige ging ran und ließ sich von einem Beamten überzeugen, doch besser stehen zu bleiben.

Der Mann habe sich widerstandlos festnehmen lassen. „Er war erheblich alkoholisiert und wohl mit einem gewissen Tunnelblick unterwegs gewesen“, so Popp: Der 42-Jährige sei „ganz erstaunt“ gewesen, was für eine Aufregung er ausgelöst habe. Der Mann sei nach eigenen Angaben ortsunkundig gewesen und versehentlich falsch auf die Autobahn aufgefahren.

Nach dem Alkoholtest und einer ärztlichen Blutentnahme wurde der Führerschein des 42-Jährigen beschlagnahmt. Gegen den Autofahrer wurde ein Ermittlungsverfahren eingeleitet. Offenbar hat er tatsächlich andere Autofahrer gefährdet: „Nach bisherigen Ermittlungen musste wegen des Geisterfahrers ein Autofahrer in den Grünstreifen ausweichen“, so die Polizei.