Kann der Bedarf an qualifizierten Pflegekräften auch in naher Zukunft noch gedeckt werden? Die Zahlen sind angesichts der Bevölkerungspyramide alarmierend. Dabei wird sich der Pflegenotstand durch die Baby-Boomer-Generationen ab 1955 zusätzlich verschärfen. Laut Statistischem Bundesamt werden 2030 in Deutschland 3,4 Millionen Menschen pflegebedürftig sein. Die Zahl der Pflegeheime in Deutschland stieg von 1999 bis heute von etwa 9000 auf 13 000 Einrichtungen. Der Arbeitskreis Pflege im Schwarzwald-Baar Kreis versucht, der Problematik mit seinem mittlerweile dritten Aktionstag für Pflegeberufe Herr zu werden. Junge Menschen sollen sich frühzeitig objektiv über das Berufsbild informieren können. Und sie taten es: Mehrere hundert Schüler der Klassen acht bis zehn aus dem ganzen Kreis nahmen das Angebot im Landratsamt wahr.

Der Alterssimulationsanzug lässt junge Menschen das Alter erfahren. Cathy Ngong (links) vom Pflegeheim Geisingen und Klaus Dorda vom Beratungsteam Altenpflegeausbildung des Bundesamts für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben lassen die Bewegungsfreiheit von Yvonne Kässle von der Villinger Albert-Schweitzer-Schule um Jahrzehnte abnehmen.
Der Alterssimulationsanzug lässt junge Menschen das Alter erfahren. Cathy Ngong (links) vom Pflegeheim Geisingen und Klaus Dorda vom Beratungsteam Altenpflegeausbildung des Bundesamts für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben lassen die Bewegungsfreiheit von Yvonne Kässle von der Villinger Albert-Schweitzer-Schule um Jahrzehnte abnehmen.

Bereits im Erdgeschoss erwartete die Zöglinge ein kleiner Praxisschock. Das Anlegen des Alterssimulationsanzugs bringt stellt die Einschränkungen eines gebrechlichen Körpers der Vitalität der Jugend gegenüber. Bandagen an den Gelenken, Gewichte an den Muskeln und eine Brille zur Sichteinschränkung: "So fühlt es sich also an, alt und pflegebedürftig zu sein?", dürfte sich so manch 14-Jähriger gefragt haben. Einige Schritte weiter konnten sich die Jugendlichen beispielsweise mit einer Aufstehhilfe aus einem Rollstuhl ins Pflegebett hieven oder sich lagern lassen im Sinne der Kinästhetik, um bewusst die Bewegungsempfindungen eines Pflegebedürftigen nachspüren können.

Die Praxis hinter sich gebracht, ging es zum theoretischen Block, der neben den themenbezogenen Ständen keine Wünsche offen ließ. Vorträge zu Ausbildung, Weiterbildungsmöglichkeiten, Aufstiegschancen und akademischem Werdegang wurden geboten. Parallel gab es Informationen zu Vergütung, Arbeitszeiten und Einblicke in den Arbeitsalltag aus erster Hand, denn es waren zahlreiche Auszubildende von Partnerorganisationen der Veranstalter zugegen.

Noch braucht die Achtklässlerin Celine Eberle von der Donaueschinger Eichendorfschule die Aufstehhilfe nicht. Markus Hummel von der katholischen Sozialstation VS veranschaulicht ihr das Leben einer pflegebedürftigen Person.
Noch braucht die Achtklässlerin Celine Eberle von der Donaueschinger Eichendorfschule die Aufstehhilfe nicht. Markus Hummel von der katholischen Sozialstation VS veranschaulicht ihr das Leben einer pflegebedürftigen Person.

Anhand der skizzierten Ausbildung an der Fachschule für Altenpflege Donaueschingen wird die Vermittlung umfassender Fähigkeiten deutlich. Neben Anatomie und Wohnformen für alte Menschen sind rechtliche Grundlagen oder aktuelle Berufspolitik Pflicht. Mehrere hundert Stunden an Allgemeinkrankenhäusern, Reha-Kliniken oder der ambulanten Pflege schließen sich an. Besonders reizvoll bei den Donauschingern ist die Kombination von Ausbildung und Studium für einen Bachelor in Pflege an der katholische Hochschule in Freiburg.

Zahlreiche Pflegeeinrichtungen im Schwarzwald-Baar-Kreis bieten abseits einer rein akademischen Ausbildung ähnliche Konzepte an. Neben der klassischen, dreijährigen Ausbildung im Betrieb schließt sich ein dreisemestriges Vollzeitstudium an. Doch auch für reguläre Alten-, Kranken- oder Gesundheitspfleger gibt es lukrative Fortbildungsmöglichkeiten und Aufstiegschancen, nachdem man das Ausbildungszeugnis in Händen hält. Nur um einige zu nennen: Neben gängigen Stufen des Aufstiegs zum Praxisleiter oder Pflegedienstleiter stehen Optionen wie Wundmanager, Hygienebeauftragter oder gerontopsychiatrische (Psychiatrie im Alter) Fachkraft offen.

Mit Weiterbildungen lässt sich auch das Abitur zum Studium des Pflegemanagements und der Pflegepädagogik umgehen. Populär ist auch das Studium der Gesundheits- und Pflegewissenschaften. Zu den Verdienstaussichten gibt es im Internet eine profunde Auswahl an Lohnspiegeln. Stellen im öffentlichen Dienst scheinen besonders begehrt zu sein.

Aktionstag geht weiter

Auch im nächsten Jahr soll der Aktionstag der Pflegeausbildung in die nächste Runde gehen. Aufgrund der großen Teilnehmerzahlen eventuell in der Villinger Neuen Tonhalle, wie es Landrat Sven Hinterseh in seiner Eröffnungsrede betonte. Die diesjährigen Veranstalter waren der Arbeitskreis Pflege und Landratsamt des Schwarzwald-Baar-Kreises sowie das Beratungsteam Altenpflegeausbildung des Bundesamtes für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben.