Fast könnte man den Eindruck gewinnen, als möchte sich die ältere Generation angesichts der neu gefundenen Demonstrationsfreude der Schüler nicht lumpen lassen. Nun also die „Omas gegen Rechts“. Eine neue Initiative, die auf den ersten Blick ein wenig putzig und skurril daherkommt, im Kern aber ein sehr wichtiges Thema adressiert: Das Eintreten für eine rechtsstaatlich und demokratisch organisierte Gesellschaft, die für Freiheit und Toleranz steht und ohne die ätzenden Nörgeleien und unappetitlichen Episoden von rechtspopulistischen Parteien auskommt.

Das könnte Sie auch interessieren

Besonderes Gewicht gewinnt das Engagement der Omis auch deswegen, weil einige von ihnen noch Zeiten miterlebt haben, in denen diese Werte mit Füßen getreten wurden. So ist es ein lobenswertes und wichtiges Signal, dass es von nun an eine weitere Gruppe gibt, die sich für ein Anliegen stark macht. Das für sich genommen ist bereits eine gute Nachricht in Zeiten, in denen immer mehr Menschen sich scheuen, ihre eigene Meinung zu äußern und darüber zu diskutieren. Auch die Sorge der Omas vor Anfeindungen aus der rechten Szene sollte zu denken geben.

Aber: Ist das Problem des Rechtspopulismus nach dem jüngsten Wahlerfolg der Grünen überhaupt gegeben? Immerhin ist Jürgen Schützinger mit seiner DLVH aus dem Kreistag geflogen. Neu ist hingegen, dass die AfD mit drei neuen Abgeordneten in das Gremium einzieht. Wie sich die Präsenz dieser antieuropäischen Partei, die Björn Höcke eine Heimat bietet, deren Chef kühl kalkulierend die Nazizeit als „Vogelschiss in über 1000 Jahren erfolgreicher deutscher Geschichte“ bezeichnet und die offen rechtsextreme Mitarbeiter in Bundestagsbüros beschäftigt, auswirken wird, bleibt abzuwarten.

Das könnte Sie auch interessieren

Nach dem Totalausfall des bislang einzigen AfD-Abgeordneten im Kreistag müssen die drei neuen Vertreter erst einmal beweisen, dass sie an konstruktiver Mitarbeit überhaupt interessiert sind und nicht nur an jenem peinlichem Querulantentum und der Effekthascherei, wie sie bisweilen von der AfD im Bundestag serviert wird. Denn in der Kommunalpoltitik kommt es auf pragmatische Lösungen an. Wer meint, sich hier mit philosophischen Fragestellungen profilieren zu müssen, macht sich schnell zum Affen. Um mitreden zu können, braucht es inhaltliche Positionen. Bislang ist der AfD-Vertreter im Kreistag eigentlich nur durch Schweigen aufgefallen. Inhaltliche Akzente, Fragen an die Kreisverwaltung oder gar eigene Initiativen? Fehlanzeige. Und das ist für sich genommen ja auch ein aussagekräftiges Statement.