Wenn sich hoher Besuch aus Stuttgart oder Berlin ankündigt, warten die lokalen Amts- und Mandatsträger in der Regel an der Bordsteinkante, um nach dunklen Limousinen Ausschau zu halten. Nicht so am Montagnachmittag. Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) hat sich im Schwarzwald-Baar-Kreis angekündigt.

Die Bahn ist auf die Minute pünktlich

Wie es sich für einen Minister der Grünen gehört, reist er, pünktlich, per Bahn an. Hermann, der mit seinen Positionen durchaus auch polarisiert, möchte sich vor Ort im Schwarzwald-Baar-Kreis ein Bild von der Mobilität im ländlichen Raum machen.

Oberbürgermeister Jürgen Roth im Gespräch mit Verkehrsminister Winfried Hermann.
Oberbürgermeister Jürgen Roth im Gespräch mit Verkehrsminister Winfried Hermann. | Bild: Kevin Rodgers

Der Villinger Bahnhof wird ab 2020 umfassend saniert

Die zweite Station war am Nachmittag der Villinger Bahnhof, der ab 2020 umfassend saniert und barrierefrei ausgebaut werden soll. Zuvor hatte sich der Verkehrsminister bei einem Ortstermin in Deißlingen über betriebliche Mobilitätskonzepte für eine umweltschonende Zukunft im Schwarzwald-Baar-Kreis informiert.

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IHK-Hauptgeschäftsführer Thomas Albiez gab der Runde Impulse zum Thema Förderung und Stärkung der Unternehmen bei nachhaltigen und umweltfreundlichen Konzepten.

Machen sich gemeinsam für eine Stärkung des öffentlichen Nahverkehrs im ländlichen Raum stark: die beiden Wahlkreisabgeordneten Karl Rombach (CDU) und Martina Braun (Grüne) auf dem Bahnsteig in Villingen. Der Bahnhof soll ab 2020 umfassend saniert und barrierefrei ausgebaut werden. Minister Hermann erkundigt sich vor Ort zur Situation des Schienenverkehrs.
Machen sich gemeinsam für eine Stärkung des öffentlichen Nahverkehrs im ländlichen Raum stark: die beiden Wahlkreisabgeordneten Karl Rombach (CDU) und Martina Braun (Grüne) auf dem Bahnsteig in Villingen. Der Bahnhof soll ab 2020 umfassend saniert und barrierefrei ausgebaut werden. Minister Hermann erkundigt sich vor Ort zur Situation des Schienenverkehrs. | Bild: Kevin Rodgers

Die lauten Diesel-Züge unterbrechen die Rede des Ministers

Am Villinger Bahnhof wird der Minister laufend vom Dröhnen der Dieselzüge unterbrochen. Umso wichtiger für die Anwesenden ist seine Position, perspektivisch alle Züge klimafreundlich, also elektrisch, fahren zu lassen.

Einsatzbereit: Diese elektrischen Triebwagen fahren ab dem Fahrplanwechsel im Dezember umsteigefrei von Villingen nach Freiburg.
Einsatzbereit: Diese elektrischen Triebwagen fahren ab dem Fahrplanwechsel im Dezember umsteigefrei von Villingen nach Freiburg. | Bild: Hans-Jürgen Götz

Ein Punkt, der VS-OB Jürgen Roth wichtig war, sind die stark vernachlässigten Gebäude rings um den Bahnhof. Die schäbigen Baracken sind im Eigentum der Bahn. Bei der Frage, wie diese künftig sinnvoll genutzt werden könnten, wünschte sich der Oberbürgermeister einen Impuls aus Stuttgart.

Was tun mit diesen Gebäuden am Güterbahnhof? Die Baracken sind im Besitz der Bahn und in desolatem Zustand.
Was tun mit diesen Gebäuden am Güterbahnhof? Die Baracken sind im Besitz der Bahn und in desolatem Zustand. | Bild: Hans-Juergen Goetz

Ein Paradoxon? Warum es mehr Parkplätze am Bahnhof braucht

Ein weiterer Punkt: Am Villinger Bahnhof fehlt es ausgerechnet an Parkplätzen für Autos. Dass diese jedoch im ländlichen Raum auch nötig sind, um mehr Menschen vom Auto auf die Schiene zu bewegen, erklärte Martina Braun ihrem Parteikollegen auf dem Bahnsteig. Vor allem fehle es an Langzeitparkplätzen. Die Fläche hinter dem Güterbahnhof stehe dafür zwar zur Verfügung, sei jedoch über die Schneckenbrücke nicht optimal mit dem Bahnhof verbunden.

Martina Braun spricht in einer kurzen Rede das Thema Parkplätze am Bahnhof an. Wenn mehr Menschen die Bahn nutzen sollen, so die Landtagsabgeordnete, brauche es mehr Stellplätze für Langzeitparker.
Martina Braun spricht in einer kurzen Rede das Thema Parkplätze am Bahnhof an. Wenn mehr Menschen die Bahn nutzen sollen, so die Landtagsabgeordnete, brauche es mehr Stellplätze für Langzeitparker. | Bild: Kevin Rodgers

Auch der St. Georgener Bürgermeister Michael Rieger ließ es sich nicht nehmen und nutzte den Ministerbesuch, um für die Erweiterung des Ringzuges in die Bergstadt zu werben. Unter anderem erklärte er Winfried Hermann das Konzept der Haltepunkte beispielsweise im Hagenmoos, wo zahlreiche Firmen liegen. Deren Arbeitnehmer sollen als Pendler künftig den Ringzug nutzen. Ob das aufgeht, prüft derzeit ein Gutachten.

Vor etwa 100 Gästen zeichnet Winfried Hermann am Abend in Schönwald seine politischen Visionen vor. Nach 45 Minuten Rede können die Zuhörer ihre Fragen an den Minister loswerden.
Vor etwa 100 Gästen zeichnet Winfried Hermann am Abend in Schönwald seine politischen Visionen vor. Nach 45 Minuten Rede können die Zuhörer ihre Fragen an den Minister loswerden. | Bild: Kevin Rodgers

Endhaltepunkt der Ministerreise war am Abend die Uhrmacher-Ketterer-Halle in Schönwald. Etwa 100 Zuhörer, meist Parteifreunde, waren gekommen, um dem Minister Fragen zu stellen. Hermann formulierte seine politischen Positionen, die weit über die nächste Legislaturperiode hinausgehen.

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Zurück nach Stuttgart geht es nicht mit dem Zug

So möchte er unter anderem die Nutzung der öffentlichen Verkehrsmittel verdoppeln, mehr Fracht auf der Schiene, weniger Autos in Städten und dass kurze Strecken auch gelaufen oder mit dem Rad oder Tretroller zurückgelegt werden können. Hier war vom Schönwälder Publikum auch das eine oder andere Raunen zu vernehmen. Wie viel im ländlichen Raum noch zu tun ist, konnte der Minister selbst erleben. Denn zurück nach Stuttgart ging es gestern Abend statt mit Bus und Bahn nur noch mit dem elektrischen Dienst-Audi.